Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Article
- Religion und Nation als Gemeinschaftswerte des deutschen Judentums
- Date
- 1914-03-20
- Page
- 281 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 12 281 DlElpELT des Judentums die Macht innewohnt, selbst die an das Judentum zu fesseln, die dieser Religion als solcher fernstehen? Das ist konstruiert. Wie sollte es geschehen? Daß die religiösen Massen des jüdischen Ostens einen so geheimnisvollen Zauber ausüben, ist nicht wahrscheinlich. Eine irgendwie romantisch-pietätvolle Beziehung des indifferenten Judentums zur Orthodoxie ist in Deutschland nirgends bemerkbar. Und geht vom religiösen Liberalismus eine starke Wirkung aus? Wenn Kompromißler und Gemeindegeschäftige der Gegenwart den Namen der Propheten mißbrauchen, um die Lebenskraft der jüdischen Religion darzutun, so macht das doch höchstens einen kläglich-wehmütigen Eindruck. Wo ist in der Mehrzahl der Juden die Religion lebendig, die so weithin faszinierend wirken soll? III. Einen solchen Einfluß vermag ich auch dem dritten sachlichen Inhalt des jüdischen Bewußtseins nicht zuzuschreiben, dem Gedanken des jüdischen Volkstums. Guttmann freilich hätte ihn als sachlichen Faktor unbedingt unterstreichen müssen, und nicht so ohne weiteres erklären dürfen: „Der Anspruch nach einem nationalen Eigenleben liegt dem Judentum völlig fern." Denn er erklärt ja ausdrücklich, daß die bewußten Motive, die den einzelnen an seiner Gemeinschaft festhalten, wirklich als Grundlagen der Gemeinschaftsbildung zu gelten haben. Ein solch bewußter sachlicher Inhalt ist aber heute für weite Kreise das Nationalgefühl. Es wäre ganz äußerlich, in diesem Zusammenhang die religiöse und die nationale Forderung in einen Gegensatz zu stellen. Der nationale Gedanke ist ebenso gut Inhalt einer Lebensanschauung, wie die Werte, die wir als religiös zu bezeichnen pflegen. Nicht darum handelt es sich vorerst, die wirkliche Berechtigung der nationalen Erklärung des Judentums zu prüfen, so wenig ich soeben die einzelnen Forderungen des Liberalismus und der Orthodoxie nach ihrem sachlichen Wahrheitswerte diskutierte. Nur das ist zu betonen: neben das Bekenntnis zur Ethik, neben das Bekenntnis zur Thora stellt sich als drittes das Bekenntnis zum Volkstum. (Daß jedes dieser Bekenntnisse Elemente des anderen in sich aufzunehmen bereit ist, ändert an ihrer grundsätzlich verschiedenen Grundlegung nichts.) Es ist ersichtlich, daß dem nationalen Bekenntnis die Hemmungen des Gemeinschaftsbewußtseins fehlen, die dem Liberalismus und der Orthodoxie anhafteten. In der nationalen Forderung sind die Idee des Volkstums und die Tatsache des sinnenfälligen Volksdaseins unmittelbar aufeinander bezogen: das natürliche Volksdasein soll durch die Idee des Volkstums zum innerlich bewegten nationalen Dasein erhoben werden. In der nationalen Idee ist die Tendenz vorhanden, Formen und Gedanken nach dem Gesichtspunkt allein auszuwählen, zu beleben, oder zu bilden, ob sie das Volkstum fördern oder nicht. Endlich ist die nationale Idee allgemein genug, um organisierend und vereinheitlichend auf die Fülle des von Europa heranflutenden Stoffes zu wirken. Keineswegs kann darum das nationale Bekenntnis schon alle die persönlichen Werte ersetzen, die von der Religion ausgehen mögen. Das bloße Bekenntnis zum Volkstum hat an sich noch wenig Wert. Hier sollte nur darauf hingewiesen werden, inwieweit es, und es allein, theoretisch die Ansprüche befriedigt, die wir an einen gemeinschaftsbildenden Inhalt des Judentums zu stellen hätten. Weitere Fragen erheben sich sofort. Ist wirklich der sachliche Inhalt einer Forderung für den Aufbau einer Gemeinschaft ausschließlich bestimmend? Entspricht dem theoretischen Bekenntnis zum Volkstum eine Tatsächlichkeit des deutschen Judentums? Welche Forderungen stellt dieses Bekenntnis selbst? Die Fragen können in engerem Anschluß an Guttmanns Ausführungen beantwortet werden; das sei einem zweiten Aufsatz Vorbehalten. FÜR UNSER SCHULWERK Bisherige Eingänge nach Ländern geordnet Rußland M. 90 200.— Deutschland „ 54 800.— West-Oesterreich: Inner-Oesterreich M. 8500.— Böhmen „ 9500.— Mähren-Schlesien „ 5700.— , 23 700 — Galizien „ 11000.— England „ 10100.— Amerika „ 6100.— „ 5100.— Canada „ 5 000.— Südafrika „ 4 400.— Rumänien ,. 3 300.— Bulgarien „ 1 000.— „ 800.— Verschiedene Länder „ 4000.— Zentralfonds-J ahresbeitr äge für 1914 Ausweis der eingegangenen Beträge ’ Deutschland Berlin: B. dass.M. 50.- Justizrat Schachtel .. 150.- Leipzig: L. u. W. Fuchs.. 25.— Kleine Spenden: Ernst Neuberger, S. Engelmann . „ 21.30 Rußland Kamenetz-Litowsk: A. I). Mandelson - 21.60 U ziany: M. D. Eisenstadt .... Rbl. 10.— ., 21.40 W estösterrreich Mähren-Schlesien Troppau: Zion. Verein „Jeschurun“ (2. Rate) .Kr. 300.— 252.— Bukowina Kleine Spenden: Bnei Zion, Ahr. Pariser, Mord. Halbrecht für ,,B. Z.“..!(. 33.25 Galizien Lemberg: Dr. Leon Rosenkranz . . Kr. 100.— JI-. 84.— Stanislau: Isaak A. Eigenfeld. 25.— ,, 21.— Kleine Spenden: Dr. L. Salpeter, Isr. Goldstein, X. Y. 10, M. Braunstein.U. 12.35 Hebräisches Schulwerk Deutschland Berlin: Zion. akad. Verbindung Herzliah (1. Rate) . M. Direktor E. Lichtenstein.„ Purimsammlung in der Augusta-Viktoriaschule . .. Elberfeld: Dr. Goldberg u. Familie Frank . . .. Halberstadt: Schlussrate des Reinertrages des vom HerzI-CIub veranstalteten Unterhaltungsabends . „ Kattowitz: Jüdischer Jugendbund, Ueberschuss vom Purimvergnügen durch Frl. Grete Steiner „ Leipzig: Dr. M. Eitingon (Jahresbeitrag) . . „ München: Organisation zionist. Studenten „Hechower“ (1. Rate) M. 601.43, hiervon in Nr. 8 unter Li&ge bereits Jfe 178.79 ausgegewiesen, Rest .„ Ratibor: Walter Zernik.. R y b n i k: Zionist. Ortsgruppe, Sammlung in der Gemeinde .. 350.— 50.— 20. 20. 35.— 30.— 60.— 422.64 20.— 54.50 6132 11141999999907