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Die Welt · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · p. 273

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Article
Eine Auseinandersetzung mit der Religion [Rezension]
Date
1914-03-13
Page
273 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 273 NEBELT Daseins erbaut hat. Und Buber hat auch darauf hingewiesen, wie der Mythos vom Sündenfall es ist, der diese Erkenntnis: alle Entzweiung der Welt ist vor allem und zutiefst innere Dualität des Menschen mit unvergleichlicher Macht und Klarheit zum Ausdruck bringt. Aber wie soll Maurenbrecher diesen Mythos vom Sündenfall verstehen, wie soll er die Lösung des Leidproblems, die der Jude durch ihn zum Ausdruck brachte, nachfühlen können, wenn er von diesem Mythos nichts anderes zu berichten weiß, als daß Gott „um geringer Naschhaftigkeit der Urmenschen willen den Menschen und den Acker für ewig verflucht habe." Wahrhaftig — so ist es auf Seite 76 des Buches zu lesen. Nach jüdischer Auffassung ist das Leid und das Böse in der Welt eine Schuld, die Urschuld der Menschheit. Maurenbrecher nennt das einen sklavenhaften Zug und sieht in der Stimmung des Sich-selbst-Anklagens eine Erniedrigung des Menschen. Als wäre es nicht gerade die höchste Erhebung des Menschen, daß er sich anklagen kann, daß er eine Schuld auf sich nehmen, eine Verantwortung tragen kann. Seine Sünde hat ein Schicksal bereitet. Er ist nicht bloßes Werkzeug, er ist Mitschöpfer der Welt. Nach Maurenbrecher ist aber selbst Schuld nur ein Leiden, sie wird nicht begangen, sondern erlitten. Er ist so sehr von einem falschen und unbewiesenen Determinismus durchdrungen, daß er die Begriffe von Verdienst und Schuld ganz und gar verliert. Warum hat Gott zugelassen, daß der Mensch sündigt? Und wenn das Leid — wie die Josephgeschichte sich zu zeigen bemüht — auf den Menschen läuternd und erziehend wirkt, dann fragt Maurenbrecher wohl, „warum denn dieser Gott es so und nicht anders gemacht hat, daß alles durch Leid wächst." Kurz, er dichtet dem Judentum einen Gott an, der dem Menschen alle Verantwortung, alles Wählen und Wollen, alles Tun abnimmt. Der Mensch wäre nicht, wie die Genesis sagt, Ebenbild, vielmehr ein armseliges Spielzeug Gottes. In Wahrheit war nach jüdischer Auffassung die Kluft zwischen Göttlichem und Menschlichem durchaus nicht eine so jähe, wie dies Maurenbrecher darstellt. Ist doch nach ihr der Mensch würdig und berufen, das Göttliche selbst zu heiligen! Sehr schön sagte Lazarus: „Man kann es schlankweg als den kühnsten, erhabensten, beseligendsten Gedanken bezeichnen, daß Gott der Allheilige durch den Menschen geheiligt werden soll. Das W’nikdaschti ist der höchste Begriff, der von einem Menschengeiste gedacht worden ist!" Man muß die Superlative dieses Wortes nicht unterschreiben, aber man wird doch seinem Staunen darüber Ausdruck geben dürfen, daß Maurenbrecher diese — doch wohl zumindest auch jüdische — Gottesauffassung ganz unbeachtet ließ. Gewiß sind auch weniger tiefe Anschauungen von jüdischen Schriftstellern vertreten worden, aber die Geschichte zeigt, daß diese tiefere dem Volksgeist sehr adäquat sein muß; denn sie hat nicht aufgehört zu wirken, ja sie ist — insbesondere durch die jüdischen Mystiker — noch vertieft worden. Ich möchte zum Beweise eine Soharstelle hierhersetzen. Da wird erzählt, wie ein heidnischer Philosoph zu R. Simeon ben Jochai kommt und ihm auf spitzfindige Weise zu zeigen sucht, daß Gottes Erhabenheit nur soweit reicht, daß er unter den Weisen der Völker nicht seinesgleichen habe, wohl aber unter den Weisen Israels. Simeon ist aber so sehr von der Gottebenbildlichkeit des Menschen überzeugt, daß er ohne Verblüffung antwortet: „In der Tat, du hast Recht damit, daß es unter den Lehrern Israels solche gab, die Gott glichen. Wer erweckt die Toten? Ist er es nicht, der Herr? Und doch haben auch Elijahu und Elisa Tote erweckt! Wer läßt regnen? Nicht Er? Und doch hatte Elijahu durch sein Gebet den Regen in der Gewalt! Wer hat Himmel und Erde geschaffen? Nicht der Heilige, gelobt sei Er? Und doch bestehen sie durch Abrahams Verdienst! Regiert Er nicht den Lauf der Sonne? Und doch hat Josua sie zum Stillstand gebracht! Der Heilige bestimmt Strafen und doch hatte Mose dieselbe Macht: auch er verhängte Strafen und sie erfüllten sich. Und auch noch das: Gott verhängt Strafen und die Gerechten Israels vermögen ihre Wirkung aufzuheben. Ja endlich: Gott selbst befiehlt den Gerechten Israels, in seinen Bahnen zu wandeln und ihm gleich zu werden in allen Dingen." Maurenbrecher freilich kennt diese Gottesauffassung nicht und weil er mit jener mechanistischen, die er als jüdisch betrachtet, sehr bald „an die Grenze der Verzweiflung kommt," weiß er auch mit dem zweiten Grundbegriffe der jüdischen Religiosität, der Erlösung — als Erlösung der Welt und des Menschen aus aller Dualität — nichts anzufangen. „Die Erfahrung kennt sie nicht" — heißt es S. 72 — was man da Erlösung nennt, ist „illusionäre Phantasterei" . . . O über diesen „unerbittlichen Realismus", den man heute so gern als jüdisch bezeichnet! Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration „Die Welt“ sind eingegangen: Für das Mikrobiologische Institut: „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut“ Siegmund Eppler, Wien EL 2.— — Jt 1.68; Paul Diamant, Wien K. 2.— — Jt 1.68; Prof. Kellner, Wien K. 1— — Jt -.84; Johann Krcmenezky, Wien. K 10— Jt 8.40; Ing. Josef Seidener, Wien EL —.50 — Jt—.42; Heinrich Lederer, Wien K. —.50 — Jt —.42; Leo Woiss, Wien EL 1.— — Jt —A4; Oswald Weise, Wien EL 2.— — Jt 1.63; Julius Weiss, Wien K. 1.— — Jt —.84; Dr. EJLkan Weiss, Wien K.2.— — Jt 1.68; Emanuel Lockspeiser, Boryslaw K. 1.— — Jt —.84; Kais. Rat Emil Broch, Taruow K.—.50 — Jt —.42; Kais. Rat C. Hirsch, Wien K. 5.— — Jt 4.20; Heinrich Bard, Lemberg K. 6 — — Jt 504; Fisch el Enge) stein, Metz Jt —.50; Simon Gerstenhaber JL —.20; Josei Frankel Jt —30; Jona Holdner Jt —.20; Isak Großmann Jt —.25 Simon Thau, Metz Jt —,25; Akadem. Verein jüdischer Mediziner, Wien Kr. 2.— — Jt 1.68; Leopold Munk, Wien K. 100 — Jt 84.—; Jüdisch-national akademischer Verein „Emunat“, Czernowitz K. 1.— — JL —34. Geschäftliche Mitteilungen hin Rund um die Frau „Autour dt'-Ile“ betitelt ein beliebter französischer Modeschriftsteller eine interessante Schilderung des Milieus einer modernen Frau mit all den tausend Kleinigkeiten, Sachen und Sächelchen, die ihr unentbehrlich sind oder scheinen, Herz und Sinn erfüllen und ihre eigne kleine Welt bedeuten. Dem gleichen Thema ist auch ein prächtig ausgestattetes Broschürenwerk gewidmet, welches inhaltlich eine solche Kleinigkeit, die im Leben jeder Frau trotzdem eine wichtige Rolle spielt, aus der Fülle nerausgreift and unter dem Titel „Praktische Modewinke für Haas and Beruf“*) eine Monographie des Kleid er Verschlusses darstellt. Das reichillustrierte stattliche Heft enthält belletristische Beiträge aller Art, facbtechnische Aufsätze, Aphorismen und Gelegenheitspoesie im bunten Wechsel. *) „Praktische Modewinke für Hans und Beruf' in Prachtausgabe. 40 Seiten Tert mit zahlreichen Abbildungen aut Bestellung gratis und franko zu beziehen von Waldes 8t Ko., Metallwarenfabriken, in Prag oder Dresden. 7Fabriken.Über6000Beschäft^^

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