Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 9 (27.2.1914)
- Article
- Die Hebraisierung des Technikums
- Date
- 1914-02-27
- Page
- 205 (sequence 1)
- Language
- German
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DIE SIELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG Nr. 9 BERLIN, 27. Februar 1914 WTIMV 'S TTK 'S /pVin XVIII. JAHRG. DIE HEBRAISIERUNG DES TECHNIKUMS Ueber das Ergebnis der entscheidenden Kuratoriumssitzung, die am 22. Februar in Berlin stattgefunden hat. berichtet folgendes offizielle Communique: Den Mitgliedern des Kuratoriums des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina (Technikum Haifa) lagen in ihrer Sitzung am 22. Februar 1914 die Empfehlungen der amerikanischen Kuratoren vor. Auch auf Grund dieser Empfehlungen war es nicht möglich, zu einer Einigung über die Realschule zu gelangen. Um nicht das ganze Werk zu gefährden, wurde beschlossen, den Hauptstreitgegenstand zu beseitigen und von dem Plane, dem Technikum eine Realschule vorzugliedern, überhaupt Abstand zu nehmen. Für das Technikum selbst waren größere Differenzen von vornherein nicht vorhanden, da nach Lage der Verhältnisse in der ersten Zeit für die eigentlichen technischen Fächer eine andere als die deutsche Sprache nicht in Frage kommen konnte. Es wurden mit Bezug auf das Technikum unter anderem bei Anerkennung der amerikanischen Empfehlungen als Grundlage folgende Beschlüsse gefaßt: ü 1. a) Gleich von Anfang an werden Mathematik und Physik in hebräischer Sprache unterrichtet. b) In neu abzuschließenden Verträgen mit Lehrern wird ein Passus aufgenommen, laut dem sie sich verpflichten, vier Jahre nach ihrer Anstellung das Hebräische zu beherrschen. c) Nach Ablauf des ersten vierjährigen Kursus am Technikum wird das Kuratorium in Beratung treten, welche Gegenstände nach der derzeitigen Entwicklung der hebräischen Sprache und der hebräischen Unterrichtsmittel der hebräischen Sprache überwiesen werden können. $ 2. Bei Anstellung von Lehrern müssen sämtliche Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses befragt werden. Die Entscheidung fällt mit Ma- 55 3 Ins Kuratorium werden statt der drei ausgeschiedenen Mitglieder drei andere Zionisten kooptiert, von denen zwei dem Geschäftsführenden Ausschuß angehören. Dieses Ergebnis können wir mit Recht als einen Erfolg der zionistischen Idee begrüßen. Das Kuratorium des Technikums, auf dessen Entschließungen wir nach dem Austritt der zionistischen Mitglieder keinen Einfluß mehr ausüben konnten, hat einstimmig unsere sachlichen Forderungen in allen wesentlichen Punkten als Grundlage für seine zukünftige Arbeit anerkannt. In Haifa wird es in Zukunft nur eine jüdische Mittelschule geben, die vom Merkas Hamorim mit Unterstützung der zionistischen Organisation begründete rein hebräische Anstalt. Am Technikum selbst werden Mathematik und Physik sofort in hebräischer Sprache unterrichtet, und es sind ausreichende Garantien dafür gegeben worden, daß in wenigen Jahren hebräisch die Unterrichtssprache am Technikum sein wird. Die Zionistische Organisation wird durch drei Vertreter repräsentiert sein und wird so die Möglichkeit zur wirksamen Mitarbeit im geschäftsführenden Ausschuß haben. Wir haben mehr erreicht, als wir damals in der Sitzung vom 26. Oktober verlangt haben. Dankbar erkennen wir an, daß die amerikanischen und russischen Kuratoriumsmitglieder in vollem Verständnis für die zionistischen Forderungen sich konsequent für die Hebraisierung des Technikums eingesetzt haben. Sie werden auch in Zukunft mit uns gemeinsam dafür arbeiten, daß das Technikum in Haifa von wahrhaft jüdischem Geist erfüllt sein wird und daß in kurzer Frist die verheißungsvollen Anfänge dieses Beschlusses ihre Erfüllung in der Alleinherrschaft des Hebräischen finden werden. Wir haben in unserer Arbeit einen großen Schritt vorwärts getan. In diesem Augenblick des Erfolges müssen wir uns doppelt der ungeheuren Verantwortung bewußt sein, die wir der Judenheit Palästinas und dem nationalen Judentum der ganzen Welt gegenüber übernommen haben. Wehe uns, wenn wir in diesem Augenblick in der freudigen Erkenntnis, daß die nationale Kraft unseres Ideals auch bei dieser Gelegenheit ihre wunderbare Macht über die Herzen bewiesen hat, beruhigt die Hände in den Schoß legen wollten. In jedem Erfolg liegt eine Gefahr verborgen. „Hütet Euch vor den kleinen Siegen.4* Sie machen den Menschen geneigt, in befriedigter Rückschau zu verweilen und mattherzig in den Arbeiten für die Zukunft. Technikum und hebräisches Schulwerk sind zwei v e rschiedene Aufgaben. Wir haben die Verantwortung für die hebräische Erziehung der palästinensischen Ju-