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Die Welt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Article
Die neue Waffe
Date
1914-02-13
Page
154 (sequence 2)
Language
German
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154 Nr. 7 DIE3§KELT In dieser Erklärung haben nun die verantwortlichen Kreise des Hilfsvereins der Deutschen Juden ein Kampfmittel erprobt, das für alle Zeiten unwiderleglich dafür zeugen wird, auf wessen Seite in diesem Kampfe das höhere sittliche Recht gestanden hat. Es wirkt geradezu grotesk, wenn jene Juden die Erklärung abgeben, daß sie von ihren christlichen deutschen Mitbürgern nichts unterscheidet als der Glaube. Die 300 Unterzeichner sind zum großen Teil Männer, die an dem Auflösungsprozeß wahrer jüdischer Religiosität mit Eifer arbeiten. Kein Führer der religiös konservativen Kreise Deutschlands hat mit unterzeichnet, dagegen zahlreiche Juden, in deren Familie der Abfall vom Judentum eine häufige Erscheinung ist. Wenn wir diese Erklärung rein politisch würdigen, so ist sie uns ein Zeichen der völligen Kopflosigkeit und Schwäche unserer Gegner und der Stärke der zionistischen Position. Was kann sich der Politiker Nathan nur gedacht haben, als er diesen Bannstrahl veranlaßte? Er kann doch unmöglich ernstlich geglaubt haben, daß diese Beschwörungsformel im Kampfe gegen den Zionismus irgendwie wirksam werden kann. Der Blick der Hilfsvereinspolitiker ist aber durch die Mißerfolge schon so getrübt, daß sie in blindem Haß nur neue Waffen suchen, um gegen den unverwundbaren Zionismus losschlagen zu können. Dreihundert Männer der alten Garde, die alten Zionistentöier, mit ihren ersessenen Titeln sollen jetzt mit einem Federstrich, mit ihrer Unterschrift, dem lebenskräftigen Zionismus den Garaus machen? Das war das letzte, was die Männer des Hilfsvereins gegen uns unternehmen konnten. Im antizionistischen Komitee suchen sie Unterschlupf, nachdem es bisher immer ihr Stolz gewesen ist, den Beifall aller derer zu finden, die es ernst meinen mit der Zukunft des Judentums. Dieser letzte Pfeil gegen den Zionismus wird sein Ziel noch weniger erreichen, als seine Vorgänger, denn er ist mit unsicherer Hand abgeschossen worden. Unter der Erklärung steht ein Sammelsurium von Namen. Keine Organisationen sind unterzeichnet, obwohl die Erklärung mit den verheißungsvollen Worten beginnt: „Die großen Vereinigungen der deutschen Juden". Wer das jüdische Leben Deutschlands kennt, wird merken, wie dürftig die Liste trotz der zahlreichen Unterschriften ist. Es wird ihm auffallen, daß die führenden Persönlichkeiten der Groß-Loge fehlen, und daß nur wenig Männer unterzeichnet haben, die in der deutschen Wissenschaft und im geistigen Leben des deutschen Judentums etwas zu bedeuten haben. Wir wissen übrigens nicht, ob wir in diesem Augenblick nicht zahlreichen Unterzeichnern der Erklärung schweres Unrecht tun. Wir behaupten, daß die Urheber dieser Erklärung von den Methoden profitiert haben, die Dr. Paul Nathan in Palästina uns gegenüber zur Anwendung gebracht hat. Wir wissen, daß zahlreiche Unterschriften genau so zustande gekommen sind, wie die Zustimmungserklärungen der orthodoxen Rabbiner Jerusalems. Unter der Erklärung stehen die Namen von Männern, die den Text der Erklärung nicht gekannt haben, andere haben gegen den Mißbrauch ihres Namens ausdrücklich protestiert. Manche haben nach der ganzen Art der Aufforderung gemeint, daß es sich nicht um einen antizionistischen Angriff handele, sondern um eine Demonstration für den Hilfsverein im Sprachenkampf. Die Herren James Simon und Nathan scheinen auf die Sympathien der jüdischen Oeffentlichkeit keinen Wert mehr zu legen. Mit der Kraft der Verzweiflung ergreifen sie jede Waffe, die ihnen im Kampfe gegen das nationale Judentum brauchbar zu sein scheint. Der Zionismus hat in seinem Vorwärtsschreiten viel dazu beigetragen, den Nimbus manches großen Namens zu zerstören. Die reinigende Kraft unserer Idee hat die Juden unserer Tage zu wahrhaft demokratischen Anschauungen erzogen und sie rückgratfest werden lassen, gegenüber den Größen des „offiziellen“ Judentums. Nicht die prominente bürgerliche Stellung schafft heute im Judentum den großen Namen, sondern die ehrliche Arbeit für die Zukunft des Volkes. 1 FÜR UNSER SCHULWERK iiiilliiiiiiiiiiiiililliil - -1 iimmiiimiimiiiiiiiiiimiiimiiimiiiiiiiiimii In der dieswöchigen Nummer erreicht der Ausweis den Betrag von 130 009 Mark. Dazu kommen 3000 Mark, die nach Schluß der Redaktion eingingen, und infolgedessen nicht mehr ausgewiesen werden konnten. Auf die einzelnen Länder verteilen sich die bisherigen Eingänge wie folgt: Rußland M. 58 000,— Deutschland „ 39 600,— West-Oesterreich: Inner-Oesterreich M. 3500,— Böhmen „ 6300,— Mähren-Schlesien „ 900,— M. 10 700,— M. 4 300,— Galizien „ 3 500,— Kanada „ 3 300,— Amerika „ 2 800,— England „ 1200,— Verschiedene Länder „ 6 000 — In dem Ausweis dieser Woche fällt insbesondere der Ausweis aus Konstantinopel auf. Dieser zweite Konstantinopeler Ausweis quittiert über 2700 M. Damit erreichen die in Konstantinopel gestifteten Beiträge die Summe von über 5500 Francs. Was dieses bedeutet, weiß Jeder, der mit den Verhältnissen der türkischen Judenheit einigermaßen vertraut ist. Aus der Liste geht deutlich hervor, daß es sich dabei nicht etwa um die Aktion vereinzelter potenter Freunde unserer Sache handelt. An dieser Sammlung hat sich eine ganz beträchtliche Zahl von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Konstantinopels beteiligt, in einem Umfang und in einer Höhe der Beträge, wie dies bisher noch nie dagewesen ist. Dies spricht mehr als alles andere für den Eindruck, den die einheimische jüdische Bevölkerung der Türkei von dem Vorgehen des Hilfsvereins und von unserer Aktion hat. Die kompetenten Beurteiler der Sachlage — und niemand wird bestreiten wollen, daß die angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Konstantinopels kompetent sind, festzustellen, auf welche Bedürfnisse das jüdische Schulwerk im ottomanischen Reiche zuzuschneiden ist — die wahrhaft kompetenten Beurteiler, sagen wir, stehen voll und ganz in absoluter Einmütigkeit auf unserem Standpunkt und bemühen sich in einer ganz beispiellosen Weise, ihre Sympathie für uns und ihre Solidarität mit uns zum Ausdruck zu bringen.

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