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Die Welt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Article
Die neue Waffe
Date
1914-02-13
Page
153 (sequence 1)
Language
German
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DIE aME.LT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG Nr. 7 BERLIN, 13. Februar 1914 ur.'ptf5 n"örn 'X V1' »p-Q XVIll. JAHRG. Die neue Waffe Vor wenigen Tagen erschien im „Berliner Tageblatt“, in der „Vossischen Zeitung“, der „Frankfurter Zeitung“, der „Kölnischen Zeitung“ und den „Münchener Neuesten Nachrichten“ folgende Erklärung: Erklärung Die großen Vereinigungen der deutschen Juden sind in der letzten Zeit in ihrer humanitären Arbeit durch zionistische Agitationen schwer gestört worden. Zionisten sind in nicht zionistische Vereinigungen eingetreten, vielfach nicht um friedlich mitzuarbeiten, sondern um diese Vereinigungen unter ihre Herrschaft zu bringen. Streit und Unfriede ist hierdurch hervorgerufen worden. Dabei ist die Kampfesweise dieser Elemente eine bisher innerhalb des deutschen Judentums nie geübte. Durch eine ihren Absichten entsprechende Gruppierung der Tatsachen und durch irreführende Kennzeichnung der Anschauungen Andersdenkender suchen sie ihre Stellung zu stärken. Alle diejenigen, die ihren Bestrebungen nicht folgen, greifen sie persönlich an und überschütten sie mit Beleidigungen. Die Zionisten suchen innerhalb des Judentums einen „national-jüdischen“ Chauvinismus zu entfachen, der uns in schroffen Gegensatz zu unseren christlichen deutschen Mitbürgern bringen müßte, von denen uns doch nichts unterscheidet als unser Glaube. Zu einer Auseinandersetzung über die Einzelheiten des zionistischen Programms ist hier nicht der Ort. Hier handelt es sich darum, Stellung zu nehmen gegenüber derart gefährlichen Anschauungen und den verwerflichen Formen, in denen die Zionisten der gekennzeichneten Art vorgehen. Wer friedlich mit uns arbeiten will, ist uns willkommen. Mit diesen Zionisten aber zusammen zu arbeiten, selbst auf denjenigen Gebieten, auf denen wir sonst gemeinsam für unsere Rechte, für unsere geistigen und religiösen Interessen und für unsere bedrängten Glaubensgenossen eingetreten sind, ist nunmehr unmöglich geworden. Mit Bedauern stellen wir diese Tatsache fest. Im Interesse der jüdischen Gesamtheit dürfen wir jedoch nicht länger zögern, eine sichtbare Scheidelinie zwischen uns und jenen zu ziehen. Für dieses Zerreißen der Judenheit müssen diejenigen verantwortlich gemacht werden, deren zügellose Agitation uns zu solcher Erklärung zwingt. Wir bitten unsere deutschen Glaubensgenossen in ihrer Gesamtheit, nach wie vor der Welt ein leuchtendes Beispiel zu geben, wenn es sich um Unterstützung Armer und Schwacher, um soziale Hilfeleistung, um Hebung geistiger und sittlicher Kräfte handelt. Ein weites Feld für solche Tätigkeit ist vorhanden. Wir wollen sie ausüben als gute Juden und gute Deutsche. Februar 1914. Unter dieser Erklärung stehen die Unterschriften von etwa 300 deutschen Juden, mit großen Namen und langen Titeln. Die Erklärung steht im Inseratenteil der Zeitungen, als riesenhafte, über die ganze Seite gehende Annonce. James Simon und Paul Nathan haben diese Erklärung unterschrieben. Die Führer des Hilfsvereins haben endlich die Bundesgenossenschaft im Kampfe gegen das nationale Judentum gefunden. Paul Nathan ist heute selbst ein Führer im Antizionismus. Die Herren haben sich zu einem Vorgehen entschlossen, das im öffentlichen jüdischen Leben einzig dasteht. Im Inseratenteil der großen Zeitungen fallen sie im Namen des Judentums denjenigen Juden in den Rücken, die sich das Gefühl für den Adel ihrer Gemeinschaft bewahrt haben. Dieses Verfahren ist so unwürdig, daß es auch bei allen anständigen Gegnern der zionistischen Bewegung als ein Angriff auf die Ehre des jüdischen Namens empfunden worden ist. Inseratenpolemik ist allerdings in Deutschland nichts ungewöhnliches. Geschäftsfinnen zweiten Ranges suchen auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu lenken, aber das anständige Publikum verachtet diese geschmacklose Reklame. Die Verfasser des Aufrufs behaupten, daß unsere zügellose Agitation sie zu einer solchen Erklärung zwingt. Sie scheinen selbst gefühlt zu haben, wie unfair sie sich benehmen, wenn sie es für notwendig halten, sich bei der Öffentlichkeit für dieses Vorgehen damit zu entschuldigen, daß sie uns die Verantwortung dafür zuschreiben. Der Hilfsverein legt so viel Wert auf die Form, in der sich der Kampf um die Erneuerung der hebräischen Sprache abspielt. Er entwickelt einen fieberhaften Eifer, um sich von seiner Klientel in Palästina das nötige Material über „Exzesse“ der national gesinnten Juden zu beschaffen. Man hat Fensterscheiben eingeschlagen und sogar die Person des Dr. Paul Nathan öffentlich beschimpft. Dr. Nathan hat gerade diesen Teil seiner Broschüre besonders liebevoll behandelt und glaubt damit auf Ununterrichtete am besten wirken zu können.

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