Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Article
- Die Landarbeiterfrage Palästinas
- Date
- 1914-02-06
- Page
- 143 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 6 143 tME^HLT nur ein Mittel ist, — um sich von ihr allmählich zu emanzipieren und zur ersehnten Unabhängigkeit zu gelangen. Dieser wahrhaft grobartige und erlösende Plan kann nun auf zwei verschiedenen, ja entgegengesetzten Wegen in Wirklichkeit umgesetzt werden: Durch Schaffung von Großbetrieben auf genossenschaftlicher Basis oder durch die Gründung von kleinen und kleinsten Betrieben auf Grundlage des Individualbesitzes. Den ersten Weg schlug der offizielle Zionismus ein, als er auf dem 9. Kongreß in Hamburg einstimmig den Oppenheimerschen Plan einer Siedlungsgenossenschaft akzeptierte; während in entgegengesetzter Richtung jene merkwürdige Institution vorging, die mit sehr geringen Mitteln und in engen Umrissen wahre Großtaten auf kolonisatorischem Gebiet vollbracht hat — das Odessaer Komitee, indem es durch Gewährung langfristiger Kredite an erprobte Landarbeiter die mustergültige und sich glänzend bewährende Arbeitersiedlung En-Gannim um HDS ins Leben rief. Da man aber kaum an diesen beiden Methoden und Richtungen zugleich festhalten kann, so wird man wohl über kurz oder lang vor die Notwendigkeit gestellt werden, eine Wahl zu treffen, welche nun von diesen beiden, ein gemeinsames Ziel verfolgenden, aber wesentlich entgegengesetzten Siedlungsformen die richtige ist und mehr Aussicht auf Erfolg in nächster Zukunft hat — diese Frage glaube ich in einer demnächst erscheinenden größeren Arbeit „Landwirtschaftlicher Kleinbetrieb“, zur Frage der feldwirtschaftlichen Ansiedlung in Palästina im allgemeinen, und der Landarbeitcransiedlung im besonderen'-’), der Lösung nähergebracht zu haben. 9> rvxVpnn r'ctFT iiiiiii)ii[iiii)i))im)i))i))iii))i)ii))i))iii)i))ii)i))iii)ii))[iii)iiii)ini)ii)ii)ii)ii)iiiiiiiiii)iiiiii[i[i[iiiiiiiii[iiiiii[iiiiiiiiiiiiiiiiiiiii[iiiii[iiiiiiiiiiiiiiiii[ii[[iiiiiii)iiiiiiii[i[iiiii[i[iiiiiiiiii[i[i)iiiiiiii[;iiiiiiiiiiiiiiiii[iiiiiiiiii[[[i[iiiiii[ii[iiiiiii[inii[)iiii[ii WELTCHRONIK Bureau für Statistik der Juden Das Bureau für Statistik der Juden in Berlin, welches von Dr. Arthur Ruppin begründet worden ist und jetzt seit sechs Jahren von Dr. Bruno Blau geleitet wird, kann am 1. Oktober d. Js. auf die ersten zehn Jahre einer erfolgreichen Tätigkeit zurückblicken. — Aus Anlaß dieses Jubiläums wird das Bureau eine Sammelschrift herausgeben, welche über die bisherigen Leistungen des Bureaus und seine zukünftigen Aufgaben unterrichten wird. Es haben sich zur Mitarbeit an dieser Schrift bisher u. a. der Leiter der Großherzoglich Hessischen Zentralstelle für die Landes-Statistik, Regierungsrat Knoepfel, die Direktoren der Statistischen Aemter in Kopenhagen und Amsterdam, Falkenburg und Trap, und von jüdischen Gelehrten Dr. F i s h b e r g-New York, Professor Dr. Cohen- München, Dr. Rudolf W a s s ermann - München, Dr. Wilhelm H a n a u e r - Frankfurt a. M., Dr. Arnold W?. d I e r-München usw. bereit erklärt. i!li!l!l!ll!ll!llill!!!llil!iii! Oesterreich Die Einsetzung einer Palästinakommission im Wiener Kultusvorstande ln der Sitzung vom 1. Februar dieses Jahres beschloß der Vorstand der Wiener jüdischen Kultusgemeinde auf Grund des Antrages seiner zionistischen Mitglieder Dr. Jakob Ehrlich und Ob.-Ing. Robert Stricker die Einsetzung einer ständigen Palästinakommission, der fast ein Viertel des gesamten Vorstandes angehört. Wir gehen nicht zu weit, wenn wir diesem Beschlüsse historische Bedeutung beimessen, denn er ist der erste Schritt auf dem Wege zu der von uns Zionisten herbeigesehnten organischen Verbindung des Judentums der Diaspora mit Erez Die Leitung eines der größten und wichtigsten Judenzentren Europas, jenes jüdischen Gemeinwesens von 200 000 Seelen, das durch Lage und Zusammensetzung die ganze, vielgestaltige Judennot in Ost und West mit lebt und mitleidet, wie kein zweites, —- die blutigen Katastrophen zaristischer Pogrompolitik nicht minder als die verzweifelte, vom nationalen Boykott erzwungene Wanderung entwurzelter, westlicher Landjuden, die von ihrer Scholle abgegraben wurden und im Rachen der christlich-sozialen Großstadt verschwinden, den brutalen, die Faust schwingenden Judenhaß nicht minder, als den glatten, mit lächelndem Wohlwollen geschminkten Salonantisemitismus — die Repräsentanz der jüdischen Großgemeinde "Wiens sieht sich veranlaßt, über die bisherige, sehr enge Kehillabetätigung hinauszugehen und erweitert über Initiative zweier neuer, jung-jüdischer Kräfte, die eine ansehnliche Majorität überzeugten, ihren Wirkungskreis. Sie erachtet es nicht mehr allein für ihre Pflicht, die Kultusangelegenheiten ihrer Gemeindemitglieder zu verwalten, sondern auch durch eine ständig tagende Kommission mit dem neu aufblühenden, jüdischen Lehen in Palästina in Fühlung zu treten und im keimenden Bewußtsein ihrer Verantwortung dem gesamten jüdischen Volke gegenüber, alle jüdischen Entwicklungsmöglichkeiten in Palästina zu studieren. Sofort nach ihrer erfolgten Wahl hatten die beiden zionistischen Kultusvorstande im Januar des Vorjahres ihren Antrag auf Einsetzung einer Palästinakommission formuliert und mit einem erschöpfenden Expose begleitet, das sich auf ,,die aktuelle Frage der Hilfsbedürftigkeit der im nahen Orient seßhaften Juden“ und „die Wichtigkeit dieses Ländergebietes für die Niederlassung der aus der Monarchie emigrierenden Stammesgenossen“' ebenso stützte, wie auf die ,,i mmersteigen d e Bedeutung der jüdischen Siedlung in Pal iistinafürdasAnsehendcs gesamten Judentums, für die Entwicklung der hebräischen Sprache und die Regenerierung des jüdischen Volke s.“ Der Antrag selbst setzt den Arbeitsplan der neuen Kommission dahin fest, daß „sie die Aufgabe hat, sieh über die jüdische Siedlung in Palästina fortlaufend zu informieren, allen Entwicklungsmöglichkeiteil dieser Siedlung ihre ständige Aufmerksamkeit zuzuwenden, über die Ergebnisse ihrer Erhebungen dem Kultusvorstande zeitweise zu berichten, VorschlägezurFörderungdererwähntenSied- 1 u n g e n zu erstatten.“' Es währte ein volles Jahr, bis der Antrag vom Vertreterkollegium an das Plenum zurückgelangte —- allerdings vom Präsidium sehr bedeutend modifiziert. In der vorletzten Sitzung wollte nämlich Herr Präsident Dr. Stern seinen Antrag zur Abstimmung bringen, der dahin ging, eine Palästinakommission einzusetzen, welcher lediglich „die Prüfung und Ueberwachung der von der Wiener Gemeinde geförderten Anstalten in Palästina“ obliegen sollte. Es ist sehr erfreulich, daß das Plenum diese bedenkliche Einschränkung nicht angenommen hat. sondern — von einigen rein formalen Aenderuiigen abgesehen — den zionistischen Antrag vollinhaltlich billigte. Der Beschlußfassung ging natürlich eine recht leidenschaftliche Debatte voran, bei der auch die streng antizionistische Gesinnung einzelner sehr einflußreicher Vorstandsmitglieder bekundet wurde. Gleichwohl hat die Majorität den zionistischen Antrag zum Beschlüsse erhoben und sie ist des Dankes der gesamten Judenheit gewiß. Denn wir zweifeln nicht daran, daß das Beispiel der Wiener Kultusgemeinde ähnliche Beschlußfassungen zahlreicher anderer Gemeinden, hoffentlich vor allem der Steuer kräftigen Gro ß gemeind en, ini Gefolge haben wird. Die beiden zionistischen Kultusvorstände, denen es durch eifrige Aufklärungsarbeit gelungen ist, die uneingeschränkte Annahme ihres Antrages durchzusetzen, sind auf das herzlichste zu beglückwünschen. 000202000000000205020201020801010200000202