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Die Welt · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · p. 139

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Article
[Kommentar]
Date
1914-02-06
Page
139 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 ■ -— -- -- - D1E^ELT= - _ - - ■ , . - 139 erwecken. Diese historische Mission haben insbesondere die Lehrer übernommen und mit großer Hingabe und Opferfreudigkeit durchgeführt. Sie haben in Palästina uns eine junge Generation herangebildet, die unter der Judenheit aller Länder nicht ihresgleichen habe. Diese jüdische Jugend Palästinas habe den ersten Anstoß zum gegenwärtigen Kampfe gegeben — und sie werde sich nicht eher zufrieden geben, als bis ihre Forderungen restlos erfüllt sein werden.“ „Dos Jiddische Folk“ (New York) richtet einen warmherzigen Appell an alle bewußt jüdischen Kreise, das neue hebräische Schulwerk in Palästina tatkräftigst zu unterstützen, ln dem Aufsatz wird u. a. ausgeführt: „Das arme Palästina hat Zehntausende von Franken für den nationalen Kampf aufgebracht — es hat mehr als seine Pflicht erfüllt. In höherem Grade als ein Polytechnikum und eine Universität beweist dieser Kampf, daß Hebräisch eine lebende Sprache ist. Palästina wird keine babylonische Sprachenverwirrung, keine Trennung von Brüdern auf dem heiligen Boden der Väter mehr zulassen. Nun aber müssen auch wir unsere Pflicht erfüllen. Wir müssen unseren Brüdern in Palästina zeigen, daß sie nicht allein stehen im Kampfe für unser nationales Ideal.“ pumpe weitergeleitet. Auf diese Weise werden stündlich 800 cbm Wasser in die Leitungsrohre gepumpt und auf eine Entfernung bis zu 3Vo km den Feldern und Orangengärten Pethach-Tikwahs zugeführt. Neuerdings ist von der Bewässerungsgesellschaft ein als Reservemaschine gedachter TOpferdiger .Dieselmotor in Auftrag gegeben. In dem ersten Stock des oben beschriebenen Gebäudes befinden sich freundliche, luftige Verwaltungsräume, die den Blick weit über die Ebene Saron bis zu den fernen violetten Konturen des judäischen Gebirges erschließen. Welche Gegensätze treffen doch hier an dieser Stelle so unendlich fühlbar aufeinander! Jenseits des Flusses das ausgesogene, dürftig bestellte Land des Fellachen, Rind und Kamel als seltsames Gespann vor dem leichten Pflug, der oberflächlich die Krume ritzt, diesseits des Flusses, einst das gleiche verwahrloste Land wie jenseits, weite Gärten mit der Last goldiger Orangen, fruchtbare Felder, auf denen der schwere Pflug des jüdischen Bauern die dunkle Scholle zum Licht kehrt. Jenseits des Flusses ein armseliges Vegetieren in zähem Festhalten an Bewirtschaftungsmethoden biblischer Vorzeiten, diesseits Kultur und Fortschritt und die Erfolge des nie rastenden, stets nach neuer Vervollkommnung strebenden modernen Menschengeistes. PALÄSTINA-RUNDSCHAU ... Im letzten Heft der „Deutschen Levante-Zeitung“ (Hamburg) schreibt Egon Probst (Jaffa) über „Kulturfortschritte in Jaffa“. Wir entnehmen dem interessanten Aufsatz folgende Schilderung der neuen Bewässerungsanlage bei Pethach- Tikvvah: „Einen ganz bedeutenden Anteil an der Orangenproduktion Palästinas besitzt bekanntlich das jüdische Element des Landes, das unter zionistischer Propaganda immer mehr zu einem wertvollen Faktor im Wirtschaftsleben Palästinas erstarkt. An der Spitze seiner blühenden, und meist Orangenbau treibenden Kolonien steht das Dorf Pethach-Tikvvah, das vor etwa 22 Jahren*) gegründet wurde und heute etwa 2500 Einwohner zählt. In einer 2i 3stündigen Entfernung nordöstlich von Jaffa hat sich diese Kolonie sozusagen aus einem Nichts entwickelt. An der Stelle, an der sich vor 22 Jahren noch wüstes Land dehnte, steht heute ein reiches, ausgedehntes Dorf inmitten fruchtbarer Felder und Orangengärten. Harte, zielbewußte Arbeit ist hier von den jüdischen Einwanderern im Laufe der Jahre geleistet worden, und unentwegt wird heute an dem Kolonisationswerk weitergearbeitet, indem sich die Ansiedler alle Errungenschaften moderner Technik, soweit diese irgend in den Rahmen dieses Werkes passen, zunutze machen. Einen Beweis hierfür bildet eine genial durchgeführte Bewässerungsanlage, eine halbe Stunde nordöstlich Pethach- Tikwahs, an dem hier dicht an die Orangengärten der Kolonie herantretenden Nähr el Audsche. Diesen, das ganze Jahr hindurch Wasser führenden Fluß, von dem bisher nicht ein Tropfen dem wasserbedürftigen Lande zugute kam, hat ein jüdisches Syndikat, die in Charlottenburg eingetragene, mit einem Kapital von 100 000 M. arbeitende Bewässerungsgesellschaft Palästina m. b. H., nutzbar gemacht. Mittels Motorkraft wird das Wasser aus dem Fluß gesogen und auf die Felder der Kolonie und in deren Orangengärten, soweit diese nicht mit eigenen Brunnenanlagen versehen sind, weitergeleitet. Die Anlage, die das erste derartige Bewässerungswerk Palästinas darstellt, ist überaus interessant und der näheren Betrachtung wert. Steil am Ufer einer der zahlreichen Windungen des Flusses .erhebt sich ein einstöckiges, mit flachem Dach versehenes Gebäude, dessen Erdgeschoß aus Eisenbeton besteht, während die obere Etage sowie das Dach aus Zementziegel errichtet ist. Das Ganze macht mit seinen hohen Spitzbogenfenstern und seinem zinnengekrönten Dache einen äußerst gefälligen und von den typischen Maschinenhäusern angenehm abstechenden Eindruck. Das Wasser des Flusses wird zunächst durch einen im unteren Stockwerke des Gebäudes aufgestellten 70 pf erdigen Sauggasmotor der Gasmotorenfabrik Deutz aufgesaugt und alsdann mittels einer ßorsigschen Kreisel¬ *) Pethach-Tikwah wurde in Wirklichkeit im Jahre 1878 gegründet. — Die Redaktion. Die Sanierung Palästinas Die Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina mit dem Sitze in Berlin versendet soeben ihren ersten Jahresbericht pro 1013. Die Gesellschaft macht sich die planmäßige Bekämpfung der in Palästina endemischen Seuchen, insbesondere der Malaria und des Trachoms, zur Aufgabe. Anfang 1013 wurde die jüdische Aerztegesellschaft gegründet und schon nach zwei Monaten konnte sie mit der praktischen Arbeit beginnen. Es wurden in Jerusalem zwei Institute ins Leben gerufen, die mit den von anderer Seite begründeten wissenschaftlichen Anstalten Zusammenarbeiten. Unser bekannter Gesinnungsgenosse Nathan Straus in New York gründete im Frühjahr 1012 ein Gesundheitsamt zur Bekämpfung der endemischen Krankheiten, insbesondere der Malaria. Das Gesundheitsamt nahm im August seine Tätigkeit mit der Bekämpfung der Malaria in der stark verseuchten jüdischen Kolonie Chedera und mit der Feststellung der Ursachen und der Verbreitung der Malaria in Jerusalem auf, um 1013 mit der Bekämpfung der Malaria in Jerusalem, mit serologischen und bakteriologischen Arbeiten und mit der Bekämpfung des Trachoms zu beginnen. Zurzeit sind in dem unter Leitung des Herrn Dr. Brünn stehenden Health Bureau drei Aerzte beschäftigt. Ungefähr um dieselbe Zeit wurde in Berlin auch eine „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem“' zu dem Zwecke begründet, „die Malaria und andere Infektionskrankheiten, von welchen Jerusalem heimgesucht wird, zu bekämpfen und eine Assanierung Jerusalems herbeizuführen. Zur Erreichung dieses Zieles werden insbesondere die in Jerusalem begründeten hygienischen Untersuchungsstellen für Malariaforschung und -bekämpfung unterhalten und sonstige zweckmäßige Maßnahmen getroffen.“ Um eine Zusammenarbeit der drei gleichartigen Organisationen zu ermöglichen, wurde nach längeren Verhandlungen ein internationales Gesundheitsamt in Jerusalem geschaffen. Dieses wird durch ein Kuratorium, das aus je einem Delegierten (bzw. dessen Stellvertreter) der drei beteiligten Gesellschaften besteht, verwaltet. Es wurden folgende Abteilungen geschaffen: 1. Abteilung .für Malaria, Leiter Prof. M ü h 1 e n s. Unterhalten vom Dtsch. Kom. z. Bekämpfung der Malaria. 2. Hygienische Abteilung, Leiter Dr. Brünn. Unterhalten vom Jewish Health Office. 3. Serologische und W u t s c h u t z - Abteilung, Leiter Dr. B e h a m. Unterhalten von der Gesellschaft jüdischer Aerzte usw. 4. Bakteriologische Abteilung, Leiter Dr. G o I d - berg. Unterhalten vom Jewish Health Office. 03

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