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Die Welt · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · p. 130

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Article
Der Rückzug
Date
1914-02-06
Page
130 (sequence 2)
Language
German
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130 DIETOELT Nr. 6 Technikum werden soll, und daß nach spätestens sieben Jahren der hebräische Unterricht für sämtliche Fächer obligatorisch sein müsse. Nur diejenigen Fächer sind ausgenommen, in denen nachweislich die geeigneten Lehrer und Lehrbücher nicht vorhanden sein werden, und unser Gewährsmann versichert ausdrücklich, daß die Beweislast natürlich denjenigen zufallen wird, welche ihr Vorhandensein bestreiten. Diese Interpretation des amerikanischen Beschlusses steht in schroffstem Gegensatz zu den Wünschen Dr. Paul Nathans. Die Amerikaner wollen die Durchführung der hebräischen Unterrichtssprache nicht von der Willkür leitender Kreise-öder von irgendwelchen praktischen Erwägungen abhängig machen. Nur die positive Unmöglichkeit der Einführung der hebräischen Sprache für irgend ein Fach soll eine Ausnahme begründen dürfen. Aber derjenige, der die Unmöglichkeit behauptet, hat die Beweislast für die Richtigkeit seiner Behauptung. Wir erfahren ferner, daß die jüdischen Kreise Amerikas mit dem Ausbau unseres eigenen Schuhverks durchaus einverstanden sind. Man ist der Ansicht, daß die auf das Technikum bezügliche Resolution die Vervollkommnung des hebräischen Schulsystems zur Voraussetzung hat, und daß man nur so die geeigneten Lehrer und Lehrbücher für das Technikum erhalten könne. Die amerikanischen Kuratoren sind sich der Tragweite ihres Beschlusses klar bewußt. Ihre Moskauer Kollegen werden immer mit ihnen solidarisch sein. Die Dinge haben sich wiederum zu ungunsten des Hilfsvereins verschoben. Auch Nathan und Simon werden, von der Logik der Tatsachen überwältigt, erkennen müssen, daß die jüdische Arbeit in Palästina keine Frage eines noch so klugen politischen Kalküls ist. Der Strom der nationalen Entwicklung geht über alle willkürlichen Konstruktionen hinweg, und der große jüdische Politiker unserer Tage kann nur ein Mann sein, der sich von diesem Strom tragen läßt und auf ihm seinen Zielen zusteuert. In letzter Stunde erhalten wir eine höchst interessante und unerwartete Bestätigung unserer Anschauungen über die Sachlage und über die Kampfesweise des Hilfsvereins. In der Morgenausgabe der „Vossischen Zeitung“ vom Mittwoch dem 4. Februar lesen wir folgende Zuschrift des Herrn James Simon: „Zu der Mitteilung, die die „Neue Jüdische Korrespondenz“ verbreitet, wonach Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan ihren Austritt aus dem Kuratorium des jüdischen Technikums in Haifa erklärt hätten, wird uns von Herrn Dr. James Simon geschrieben: „Die in der Sitzung der amerikanischen Kuratoren am 18. Januar gefaßten Beschlüsse erschienen Dr. Nathan und mir nicht annehmbar, insbesondere waren wir nicht geneigt, dem Ersuchen, mit den ausgeschiedenen zionistischen Kuratoren Dr. Schmarja Levin und Dr. Tschlenow aufs neue in Verhandlung zu treten, zu entsprechen. Wir hielten dies unvereinbar mit unsererWürde und Selbstachtung und gaben unserer Ansicht Ausdruck, daß unter diesen Verhältnissen unser Rücktritt geboten sein würde. Darauf hat Herr Jacob H. Schiff seither dringend an uns appelliert, daß wir uns nicht zurückziehen möchten und ein Weg zur Verständigung gefunden werden müßte. Die für den 22. Februar einberufene Kuratoriumssitzung wird Klärung schaffen.“ Das genügt. Man vergleiche damit die Zuschrift Paul Nathans an das „Berliner Tageblatt“, in der er uns der Falschmeldung beschuldigt und allen Ernstes den Versuch macht, die Beschlüsse der amerikanischen Kuratoren in seinem Sinne umzudeuten. Jetzt wäre es für ihn an der Zeit, auch James Simon zu desavouieren. James Simon gibt unumwunden zu, daß er und Nathan den Beschluß der amerikanischen Kuratoren als eine Niederlage empfunden haben. Auf diesen Beschluß hin erfolgte das Manöver der Rücktrittserklärung, das angeblich schon den Erfolg gehabt hat, daß Jacob H. Schi f f — James Simon scheint im Gegensatz zu Nathan die Stellung dieses ausgezeichneten Philanthropen im Kuratorium genau so einzuschätzen wie wir — die Herren dringend zur Rückkehr auffordert und ihnen seine guten Dienste anbietet. James Simon erklärt, daß er es mit seinerWürde und Selbstachtung nicht vereinen könne, mit Dr. Schmarja Levin und Dr. Tschlenow auch nur zu verhandeln. Für ihn besteht also die „Verständigung“ in der dauernden Ausschaltung der Zionistischen Organisation, in einer bedingungslosen Annahme der von ihm diktierten Forderungen und in einer völligen Unterwerfung der amerikanischen und russischen Kuratoren unter den Willen des Hilfsvereins. Die Herren unterschätzen die Würde und Selbstachtung der nichtdeutschen Mitglieder des Kuratoriums, die zwar alles daran setzen wollen, um einen ehrlichen Friedensschluß herbeizuführen, die aber keinesfalls gesonnen sind, sich die Friedensbedingungen von Berlin aus vorschreiben zu lassen. — Dr. Paul Nathan verrechnet sich auch dieses Mal. Der Zusammenbruch seines politischen Systems ist nicht mehr aufzuhalten. K. B. Beiträge für das Hebräische Schulwerk in Palästina (Jahresbeiträge und einmalige Spenden) nimmt das Zionistische Zentralbureau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8» entgegen. Aus Deutschland erfolgt die Ueberweisung am besten und gänzlich kostenlos auf das Postscheckkonto des Zionistischen Zentralbureaus: Berlin 11619. Aus Oesterreich und Ungarn überweise man vorläufig auf die Postscheckkonten der „Welt“: Wien 39 913a, resp. Budapest 15 655, gleichfalls ohne Kosten für den Absender. Abgesehen davon empfiehlt sich die Einzahlung auf unser Konto bei der Nationalbank für Deutschland, Berlin W, Depositenkasse Kurfürstendamm 211, resp. bei den Zahlstellen des Jewish Colonial Trust.

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