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Die Welt · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · p. 129

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Article
Der Rückzug
Date
1914-02-06
Page
129 (sequence 1)
Language
German
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DIE IMELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG — ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG Nr. 6. BERLIN, 6. Februar 1914 um?» rt"nnn 'X XVIII. JAHRG. Der Rückzug Noch vor acht Tagen hat sich Dr. Paul Nathan gegen unsere Auffassung des Beschlusses der amerikanischen Kuratoriumsmitglieder gewehrt; er erklärte im Berliner Tageblatt, „es ist keine Rede davon, wie das von ,offizieller* zionistischer Seite behauptet wird, daß die Unterrichtssprache am Technikum „prinzipiell“ hebräisch sein soll, sondern die Wahl der Unterrichtssprache bleibt den leitenden Männern überlassen, mit der Maßgabe, dem Hebräischen eine hervorragende Stellung zuzuweisen. Dieser Standpunkt entspricht durchaus den bisherigen Absichten des Kuratoriums." Dr. Nathan hat also den Beschluß der Amerikaner für einen Sieg seiner Anschauungen gehalten. Dennoch hat sich die Nachricht bewahrheitet, die die „Hazephirah“ und der „Jewish Chronicle“ brachten, daß die Herren James Simon und Paul Nathan ihre Aemter im geschäftsführenden Ausschuß des Kuratoriums niedergelegt haben. Die Wahrheit dieser Meldung ist uns authentisch bestätigt worden. Dr. Nathan hat die Einstellung der Arbeiten am Technikum angeordnet und es sind bereits 65 jüdische Arbeiter entlassen worden. Diese Maßregel kann nur den Sinn haben, daß Dr. Nathan sich nicht mehr in der Lage sieht, die Verantwortung für das Technikum zu tragen, und stellt sich so als Konsequenz der Rücktrittserklärung dar. Durch den Austritt dieser beiden Herren ist für uns eine neue Situation geschaffen. Der Schwerpunkt des Kuratoriums wird in Zukunft in Amerika, nicht mehr in Deutschland liegen, und wir sind überzeugt, daß die amerikanischen und russischen Kuratoriumsmitglieder bestrebt sein werden, das Technikum zu einem rein hebräischen Institut auszugestalten und wir so die Möglichkeit erhalten, unsererseits wiederum mit allen Kräften an dem großen Werke mitzuarbeiten. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß der Rücktritt James Simons und Dr. Nathans dem Gedeihen des Technikums auch materiell keinen nennenswerten Schaden bringen wird, und daß alle in dieser Richtung liegenden Befürchtungen grundlos sind. Der Austritt der beiden Herren zeigt uns, wie richtig wir bisher die Situation beurteilt haben. Die führenden Kreise des Hilfsvereins haben gemerkt^ daß sie im Kuratorium des Technikums allein stehen, und daß man in jüdischen Kreisen zum mindesten außerhalb Deutschlands für ihr Vorgehen kein Verständnis aufbringen konnte. Die Judenheit aller Länder freut sich an der jüdischen Entwicklung Palästinas und erblickt in der lebendigen hebräischen Sprache den stärksten Ausdruck des jüdischen Lebenswillens. Die Demission ist ein Zeichen der Schwäche, auch in dem Falle, daß die Herren im stillen auf eine Wiederwahl rechnen. Es besteht natürlich die Möglichkeit, daß Dr. Nathan die Demission für einen klugen politischen Schachzug hält, um seine erschütterte Position im Kuratorium wieder zu befestigen, ln seiner politischen Taktik hat er immerauf die ihm vertraute Psychologie der deutschen Assimilanten spekuliert, von denen er weiß, daß sie in jüdischen Dingen auf Prinzipien keinen Wert legen, um so liebevoller aber auf Personenfragen Eingehen. Dr. Nathan hofft vielleicht, daß das Kuratorium, wenn er mit seinem Rücktritt Ernst macht, alles versuchen wird, um ihn zum Wiedereintritt zu veranlassen. Er hält es wohl für möglich, den anderen Herren die Ueberzeugung von seiner Unentbehrlichkeit beibringen zu können. Wir meinen, daß Dr. Nathan den Augenblick für einen so gedachten Rücktritt schlecht gewählt haben dürfte. Im Kuratorium ist seine Person ein Programm, und die Frage, ob die Herren Simon und Nathan auch in Zukunft die verantwortlichen Leiter des Technikums bleiben, ist zugleich die Frage der Hebraisierung des Technikums. Die Berechnungen Dr. Nathans werden fehlschlagen. Von hervorragender amerikanischer Seite erhalten wir die ausführliche Bestätigung, daß unsere Beurteilung der Stellungnahme der amerikanischen Kuratoriumsmitglieder durchaus zutreffend war. Die amerikanischen Kuratoren gehen sogar noch weiter, als wir ursprünglich auf Grund des uns zugegangenen Telegramms haben annehmen können. Sie bestehen mit Entschiedenheit darauf, daß Hebräisch sofort die herrschende Sprache im

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