Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Article
- Max Nordaus Stellungnahme
- Date
- 1914-01-30
- Page
- 118 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 diei|eelt 118 wollen. Unser zurzeit durchaus gerechtfertigtes Vertrauen war auch die Folge der Popularität, der sich der Hilfsverein in den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen in Palästina selbst erfreute. Was nun die dem Technikum seitens unserer Organisation gewährte Bewilligung anlangt, muß folgendes berücksichtigt werden. Das Technikum ist eine selbständige Stiftung, die einem aus Vertretern verschiedener Länder und Richtungen bestehenden Kuratorium unterstellt ist. Sollten wir uns auch auf den sehr anfechtbaren Standpunkt stellen und die rein abstrakte .Formel akzeptieren, daß der Hilfsverein auf Grund seines Namens in den Schulen Palästinas assimilatorisch zu wirken bestimmt ist und daß die Zionisten diese Notwendigkeit voraussehen könnten, so wäre auch dies kein Grund gegen die Bewilligung für das Technikum. Denn beim Technikum hatten wir nicht mit dem Hilfsverein zu tun, sondern mit dem „Institut für technische Erziehung in Palästina". So weit zur Vorgeschichte. Was nun den jetzigen Kampf anlangt, unterschreibe ich freudig alles, was Sie gegeneinen vKampf mit dem „Hilfsverein" sagen. Wir brauchen tatsächlich mit dem Hilfsverein keine Händel zu suchen. Daß sich das hebräische Palästina gegen den Beschluß des Kuratoriums .aufbäumte, daß ein Schrei der Empörung durch die Reihen der um ihre Sprache ringenden Lehrer und Schüler der Hilfsvereinsschulen ging, als die Kursänderung klar geworden, daß Palästina, das so schwer um seine materielle Existenz kämpft, mit bewundernswerter Begeisterung und selbstloser Hingabe verhältnismäßig große Geldmittel aufgebracht hat, .um die hebräische Schule zu retten, all das kann ja nicht als ein Kampf gegen den Hilfsverein, sondern als ein aufgezwungener Verteidigungskampf für die hebräische Sprache bezeichnet .werden. Wenn früher hier und da manche Schärfen in die Erscheinung traten, so waren sie erstens bei einer so herausfordernden .Handlungsweise von gegnerischer Seite begreiflich, zweitens gehören sie in ein früheres, bereits abgeschlossenes Stadium, und drittens beruhen sie meistens auf Alarmnachrichten gegnerischer Preßorgane, die in ihrer Jagd nach Sensation, anstatt über die wesentliche Frage zu informieren, die Begleiterscheinungen stark aufgebauscht haben. All dies ist jetzt überwunden. Jetzt handelt es sich lediglich um die Förderung eines friedlichen, kulturellen, nationalen Erziehungswerkes in Palästina. Dazu brauchen wir Festigkeit und Opferfreudigkeit. Gestatten Sie mir, hochverehrter Herr Doktor, meiner Hoffnung Ausdruck geben zu dürfen, daß Ihre schönen Worte, mit denen Sie ja, abgesehen von den Nebenfragen der Vorgeschichte, diesen positiven Standpunkt vertreten, nach dieser Richtung nicht verfehlen werden, einen starken Eindruck in allen Kreisen unserer Gesinnungsgenossen zu machen und uns in unserer Arbeit anzuspomen. Mit herzlichen Zionsgrüßen Ihr ergebener gez. N. S o k o 1 o w. Schmarja Levins Vorträge In Wien Unser Wiener Berichterstatter schreibt uns: Das wachsende Interesse der Wiener Judenheit für den Kampf gegen die Beschlüsse des Hilfsvereins deutscher Juden und für das hebräische Schulwerk in Palästina drückte sich in einem Massenbesuche der beiden Vorträge aus, die Dr. Schmarja Lev in als Gast des jüdischen Kolonisationsvereins und der zionistischen Vereinigung „Neure Jehuda“ in Wien hielt. In seiner herzinnigen Weise schilderte er das Entstehen des neuen Jischub in Palästina, die gewaltige Emanation, die mit dem Augenblicke einsetzte, als an die Stelle der französisch-assimilatorischen Jugenderziehung in Erez-Israel die hebräische Schule trat. Der Hebraismus habe nicht bloß für das palästinensische Judentum Bedeutung. Das gehe schon aus der Tatsache hervor, daß sich in der Diaspora die hebräische Sprache in den letzten 30 Jahren mehr entwickelt habe, als in den vorangegangenen vier Jahrhunderten. Der jetzt entfesselte Zwist mit dem Hilfsverein deutscher Juden ist kein Kampf zwischen zwei Organisationen, sondern der langgeführte nunmehr zur Entscheidung drängende Kampf zwischen These und Antithese. Levin führte weiter aus: „Neunzig Prozent der Propaganda für das Technikum in Haifa habe ich geleistet (stürmischer, sich immer erneuernder Beifall). Ich habe in Amerika 42 Vorlesungen gehalten, habe immer nur von dem neuen nationaljüdischen Leben in Palästina gesprochen und von seiner herrlichsten Frucht, der neuerstandenen hebräischen Sprache, und ich betone mit aller Schärfe, daß alle diejenigen, die, durch meine Agitation bewogen, sich an den Leistungen für das Technikum beteiligten, dies unter der selbstverständlichen Voraussetzung taten, es handle sich um ein hebräisches Schul werk in dem von mir dargelegten Sinn e.“ Levins vornehme, von aller Gehässigkeit freie Beleuchtung des Verhaltens der leitenden Faktoren des Hilfsvereins übte auf das Publikum einen tiefen, nachhaltigen Eindruck aus, und wir hoffen auf das tatkräftige Mitwirken der breiten Wiener jüdischen Kreise bei den Sammlungen für das hebräische Schulwerk. Schmarja Levin sprach noch im größten Hörsaale der Wiener Universität zu der studentischen Jugend überaus anregend und erschöpfend über den Werdegang des neuen jüdischen Geistes in Palästina. Protestkundgebung in Saloniki Der jüdische Turnverein Makkabi in Saloniki ersucht uns um nachträgliche Veröffentlichung seiner in einer Versammlung vom 13. Dezember v. Js. einstimmig angenommenen Protesterklärung gegen die Beschlüsse des Kuratoriums: Die von dem jüdischen Turnverein „Makkabi“ einberufene Protestversammlung, die unter Teilnahme der Gesellschaften „Bene Sion", „Nordau“ und „Bibliotheque Israelite" am 14. Kislew 5Ö74 stattfand und von etwa 3000 Personen aus den verschiedensten Klassen der jüdischen Bevölkerung besucht war, hat einstimmig die folgenden Beschlüsse bezüglich der Sprachenfrage am Haifaer Technikum angenommen: 1. Wir protestieren mit allem Nachdruck gegen die Entscheidung der Berliner Kuratoren, wonach Deutsch als Unterrichtssprache am Technikum und der Mittelschule in Haifa eingeführt werden soll. 2. Da die Bildung einer spezifisch jüdischen Kultur, die Wiedererweckung der hebräischen Sprache und ihre Anwendung im gewöhnlichen Leben die Basis für unsere nationale Wiedergeburt bildet, sieht die Versammlung in der praktischen Durchführung der Kuratoriumsbeschlüsse eine ernste Gefahr für das Werk der jüdischen Renaissance. 3. Im Hinblick auf die verhängnisvollen Folgen, welche die praktische Durchführung der Beschlüsse wahrscheinlich für die nationale Bewegung haben würde, fordert die Versammlung das Kuratorium auf, seinen Entschluß nochmals zu prüfen und der hebräischen Sprache für die Studien am Technikum und der Mittelschule den ihr gebührenden Ehrenplatz einzuräumen. 4. Die Versammlung gibt ihrer Meinung Ausdruck, daß die jüdischen Interessen in Palästina durch die Annahme einer fremden Unterrichtssprache in den Schulen des heiligen Landes gefährdet würden, da die sehr delikaten politischen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung eine gewisse Zurückhaltung gebieten. 5. Die Versammlung spricht den demissionierenden Kuratoriumsmitgliedern, Dr. T s c h 1 e n o w , Dr. L e v i n und Achad Haam ihr volles Vertrauen aus. Die Aktion In Bulgarien In Bulgarien hat Herr Prof. Salomon Goldman n aus H a s k o v o eine Propagandatournee für das hebräische Schulwerk unternommen. In Philippopel wurden nach seinem Vortrag 750 Frcs. gesammelt. Die Sammlung wird fortgesetzt. In Tatar-Bazardjik wurden 250 Frcs. gesammelt und an den Kulturfonds „Kedem" abgesandt. In J amboli wurden einstweilen 150 Frcs. aufgebracht; ähnlich war das Ergebnis der ersten Sammlung in Haskovo. Auch in Rustschuk und Sofia sind Sammlungen für das hebräische Schulwerk eingeleitet worden.