Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. 110

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Article
Der Tatbestand
Date
1914-01-30
Page
110 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3315709-3316625-3316630-3351648--58916-3351718
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

110 Nr. 5 DIE3§0ELT Teilen der Organisation gute Worte zu geben; es hilft nichts mehr, einzelne Zionisten gegen den Zionismus, einzelne aus früheren Verhältnissen erklärbare Aeußerungen von Zionisten gegen ihre Urheber ausspielen zu wollen. . Die zionistische Organisation ist einig, geschlossen und ihres Weges klar bewußt. Unser Schulwerk in Palästina ist in guten Händen. Und es ist auch materiell gesichert. Bereits hat die bewußte Judenheit der ganzen Erde dem Appell unseres Actions-Comites geantwortet, indem sie in wenigen Wochen an hunderttausend Mark bar einzahlte. Alles, was für die Größe des Judentums und die Heiligkeit des Hebräischen Sinn hat, hat sich uns angeschlossen: das ist unser „moralischer Zusammenbruch“. Wir haben den Kampf nicht gesucht und nicht gewollt. Aber wir haben gezeigt, daß wir eine Macht sind, die Berücksichtigung ihrer gerechten Forderungen verlangen und erwarten darf. Wir sind nie gegen das Deutsche aufgetreten: unser Kampf war ein positiver, unser Ziel ein Aufbauen, nicht ein Zerstören. Wir bekämpfen auch nicht den Hilfsverein; aber wir durften nicht schwächlich zurückweichen vor dieser Organisation, die Wertvolles geschaffen hat, durch die unbeugsame Starrheit, durch die Unnachgiebigkeit eines einzelnen Führers aber alles in den Wind geschlagen hat, was sie mit vieler Mühe aufgerichtet hatte. Wir wünschen zu bauen, nicht zu kämpfen; aber wer uns herausfordert, wird uns gerüstet Pro domo Von Dr. Schmarja Levin Oer Kampf um das noch nicht eröffn et e technische Institut in Haifa und der Kampf um den 'Charakter der schon bestehenden Schulen in Palästina waren beinahe zu Ende. Im Kampf um den hebräischen Charakter des Technikums hatte sich herausgestellt, daß die Majorität der Kuratoriumssitzung eigentlich keine Majorität des Kuratoriums ist. Das beweisen zur Genüge die Beschlüsse der amerikanischen und der russischen Kuratoren. Der sogenannte Sieg in der Sitzung des Kuratoriums beruhte eben auf einem beabsichtigten oder unbeabsichtigten, jedenfalls durch geschickte Formulierung der Anträge veranlaßten Mißverständnis. Und auch der Kampf um den hebräischen Charakter der bestehenden Schulen war zu Ende. Denn die neuen Schulen, die Schulen mit der hebräischen Unterrichtssprache, sind ja nun gegründet. Und da Herr Dr. Nathan in seiner Broschüre behauptet, daß auch in den Schulen des Hilfsvereins die hebräische Sprache die frühere vorherrschende Stellung hat, wären also mit den neuen Schulen nicht Anstalten anderer Qualität ins Leben getreten, sondern bloß die Zahl der Schulen vermehrt worden. Mit einem solchen Ausgang wollten sich aber die leitenden Persönlichkeiten des Hilfsvereins nicht zufrieden geben; der leichten polemischen Kavallerie im „Hamburger Famillienblatt“, in der „Hilfe" und in einigen anderen Zeitungen läßt nun der Geschäftsführer des Hilfsvereins schwereres Geschütz folgen. Da die Broschüre des Herrn Dr. Nathan sich mit Anträgen beschäftigt, die ich gestellt habe, und mir besondere Aufmerksamkeit schenkt, indem sie mich zur Zielscheibe einiger Angriffe macht, muß ich einige Punkte noch einmal beleuchten. Herr Dr. Nathan spricht von der Sitzung des Kuratoriums am 26. Oktober v. J. und behauptet, er hätte durch die Aufnahme eines von den Herren Prof. Philippsohn und Ludwig Schiff gestellten Antrages einen Ausgleich anbahnen wollen. Wozu war für den Ausgleich die Wiederaufnahme eines von der Majorität abgelehnten Antrages nötig? Es wäre doch für die Majorität, die Herrn Dr. Nathan folgte, leichter und einfacher gewesen, den Antrag Philippsohn-Schiff gleich zuerst anzunehmen! Aber der Sinn dieses nur für die Eingeweihten ganz verständlichen Spiels mit Ablehnung und Wiederaufnahme besteht darin, daß Herr Dr. Nathan auch diesmal bemüht war, sich durch geschickte Formulierung die Entscheidung doch wieder selbst in die Hand zu geben. Herr Prof. Philippsohn, unterstützt von Ludwig Schiff, verlangte, daß ebenso, wie für Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer die deutsche Sprache durch Beschluß des Kuratoriums als obligatorische Unterrichtssprache festgelegt worden war, die hebräische Sprache als Unterrichtssprache mindestens für Geographie und Geschichte festgelegt werden solle. Daß die Minorität gegen diesen Antrag war, ist selbstverständlich; denn sie verlangte für die Mittelschule hebräisch als generelle Unterrichtssprache. Weshalb hat aber die Majorität gegen diesen Antrag gestimmt? Es lag doch in ihrer Macht, ihn anzunehmen. Sie lehnte aber den Antrag ab, weil mit seiner Annahme beinahe für alle Fächer eine obligatorische Unterrichtssprache festgesetzt gewesen wäre, und das wäre im Widerspruch zu dem so fein ausgeklügelten ersten Punkt der Richtlinien gestanden. Ich zitiere diesen Punkt: „Eine offizielle Unterrichtssprache, die für alle Fächer der Institute bleibend obligatorisch ist, wird nicht eingeführt." Das bedeutet etwas anderes, als wenn es hieße, daß für kein Fach eine obligatorische Unterrichtssprache eingeführt wird. Die deutsche Unterrichtssprache ist für die ihr vorbehaltenen Disziplinen bleibend obligatorisch. Der Punkt 1 der Richtlinien richtet sich ausschließlich gegen das Hebräische. Deshalb mußte der Antrag Philippsohn- Schiff fallen, weil er für das Hebräische wenn auch nur ein Fach gesichert hätte. Und eben diese Sicherung hatte Herr Dr. Nathan eliminiert, als er den Antrag der Herren Prof. Philippsohn-Schiff in geänderter Form aufnahm. Jetzt knüpfte er die Einführung der hebräischen Unterrichtssprache in dem Hauptfach Geographie und Geschichte — daß die Unterrichtssprache in Singen, Turnen und Zeichnen für den Charakter einer Mittelschule nicht maßgebend ist, sieht doch selbst der Laie — an Bedingungen. Die erste Bedingung war: „Insofern sich dies im Interesse der Schüler als wünschenswert herausstellt", und die zweite Bedingung: „Insofern die geeigneten Lehrkräfte, die hebräisch zu unterrichten imstande sind, zu beschaffen sind." Eine bescheidene Anfrage: "Herr Dr. Nathan behauptet doch, daß sogar in den Schulen des Hilfsvereins die Hauptfächer nach wie vor in der hebräischen Sprache gelehrt werden. Weshalb glaubt er, daß man gerade für die neue Schule geeignete Lehrkräfte nicht finden würde? Und vor allem: wer sollte darüber bestimmen, inwiefern diese beiden Bedin-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.