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Die Welt · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Article
Splendid Isolation
Date
1914-01-30
Page
106 (sequence 2)
Language
German
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106 DIE3§KLT zeigt uns am allerdeutlichsten, wie unvermeidlich dieser Kampf gewesen ist. Der Hilfsverein hat uns den Kampf aufgezwungen, weil er'glaubte, uns zerschmettern zu können. Er hat in seinem politischen Kalkül wahrscheinlich auf seine größere finanzielle Bereitschaft gerechnet; er hat nicht geglaubt, daß wir in kurzer Zeit die großen Mittel für ein eigenes Schulwerk würden aufbringen können, er hat die sittlichen Kräfte des neuen Jischub unterschätzt; er hat auf die Dauer seiner Suprematie im Kuratorium des Technikums vertraut, er hat schließlich gehofft, einen großen antizionistischen Konzern schließen zu können. Alle diese Berechnungen haben sich schon heute als falsch erwiesen. Der Hilfsverein steht allein da! Dr. Paul Nathan führt im Namen des Hilfsvereins den Kampf mit allen Mitteln weiter. Er versucht die Oeffentlichkeit über die wahre Lage der Dinge zu täuschen. Das Bureau des Hilfsvereins verschickt Nachrichten, die in der Manier an die Kriegsberichte .der Balkanstaaten erinnern. Wir haben dem „Berliner Tageblatt" mitgeteilt, daß Jakob H. Schiff den Beschluß des amerikanischen Kuratoriumsmitglieder mit unterzeichnet hat. Dr. Nathan berichtigt, Jakob H. Schiff, der ausgezeichnete Philanthrop, sei gar nicht Mitglied des Kuratoriums. Sehr richtig, aber er ist der Spender der 420 000 Maitc, er war immer der Wortführer der amerikanischen Kuratoren, insbesondere eines dieser Kuratoren, durch den er sich im Kuratorium vertreten läßt, des Herrn Mortimer Schiff, seines, einzigen Sohnes. Dr. Nathan deutet überraschenderweise den Beschluß der Amerikaner so sehr in seinem Sinne, daß er ihn für „den bisherigen Ansichten des Kuratoriums durchaus entsprechend" hält. Warum in aller Welt haben dann die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder sich durch das Ergebnis der Sitzung vom 26. Oktober zu einer neuen Beschlußfassung veranlaßt gesehen? Es gehört Mut dazu, den englischen Text im Wortlaut richtig anzugeben und in der deutschen Interpretation sich Irreführungen zuschulden kommen zu lassen. Was soll man zum Beispiel dazu sagen, daß Dr. Nathan die entscheidende Stelle falsch übersetzt? „With the understanding that hebrew as far as practicable shall be predominant" übersetzt er: „mit der Maßgabe, daß Hebräisch, soweit sich das als praktisch erweist, vorherrschend sei." Es gehört keine bedeutende Kenntnis des Englischen dazu, um zu wissen, daß practicable ausführbar, möglich heißt, keinesfalls aber praktisch, wofür es nur das Wort practic a 1 gibt. Man wird zugeben, daß dieses ein sehr sonderbarer Uebersetzungsfehler ist. Die Amerikaner verlangen die Vorherrschaft der hebräischen Unterrichtssprache schon bei der Eröffnung und Hebräisch als ausschließliche Unterrichtssprache nach sieben Jahren. Nur für den Fall, daß nachgewiesen werden kann, es gäbe für das eine oder das andere Fach noch keine geeigneten Lehrer oder Lehrbücher, dürfe eine Ausnahme gemacht werden. Dazu bemerkt Nathan, um die Uebereinstimmung seiner Anschauungen mit der Auffassung der Amerikaner zu beweisen : ,Jm Lehrplan nimmt der hebräische Unterricht gemäß der Entwicklung und der Bedeutung der h e brjL i s c h e n Sprache in Palästina einen breiten Raum eiiiu Das Hebräische wird so eingehend gelehrt, daß die Schüler imstande sein werden, die hebräische Literatur im Urtexte zu studieren und sich der Sprache als Umgangssprache zu bedienen. Auch für die religiöse Unterweisung wird in ausgiebiger. Weise gesorgt werden." Der unbefangene Leser des „Berliner Tageblatts", der sich noch nie über das Hebräische Gedanken gemacht hat, soll in einer ganz raffinierten Weise zu der Meinung gebracht werden, daß hebräische Unterrichts- Nr. 5 spräche und hebräischer Unterricht genau dasselbe ist. Hebräische Unterrichtssprache heißt aber, daß die obligatorischen Lehrgegenstände wie Mathematik, Physik, Geschichte usw. in hebräischer Sprache gelehrt werden, während hebräischer Unterricht, wie auch aus Nathans Darlegung hervorgeht, nur bedeutet, daß auch die hebräische Sprache als solche gelehrt wird. Alle Künste der Auslegung werden aber nicht vermögen, den Beschluß der amerikanischen Kuratoriumsmitglieder ins Gegenteil umzubiegen. Der Beschluß ist und bleibt eine Absage an die Politik des Hilfsvereins. Eine Stelle hat Paul Nathan sogar im englischen Text ausgelassen. Die Stelle lautet: "The Zionist. Organization should also undertake to procure moral and material support to the Institution. It was also recommended that Messrs. Ginzberg, Levin, and Tschlenow be requested to re-enter the Kuratorium.” In korrekter deutscher Wiedergabe: „Die Zionistische Organisation soll es übernehmen, der Anstalt moralische und materielle Unterstützung zu verschaffen. Es wurde auch empfohlen, die Herren Ginsberg, Levin und Tschlenow zu bitten, wieder ins Kuratorium einzutreten." Der Hilfsverein ist isoliert und mit ihm bleibt die deutsche Assimilation in glänzender Vereinsamung. __ K. B. Die russischen Kuratoren gegen die Beschlösse vom 26. Oktober 1913 Wie uns aus absolut sicherer Quelle mitgeteilt wird, haben die Kuratoren aus Rußland bereits am 8./21. Dezember v. Js. in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Kuratoriums die Forderung gestellt, eine Sitzung zur Revision der Beschlüsse vom 26. Oktober unverzüglich einzuberufen. In ihrem Schreiben erklären die Herren D. Wissotzky und J. Zetlin u. a. folgendes: Sie hätten in diesem Streit prinzipiell auf Seiten der ausgetretenen Mitglieder gestanden. Wenn sie dennoch in der Sitzung vpm 26. Oktober mit der Majorität gestimmt hätten, so geschah das einzig und allein aus dem Grunde, weil sie so der Vollendung und dem Gedeihen des Technikums im gegebenen Augenblick besser zu dienen glaubten. Die Ereignisse hätten ihnen aber bewiesen, daß die gefaßten Beschlüsse die ganze Zukunft der Haifaer Anstalten in Frage stellten. Das Gedeihen des Technikums hänge von den Sympathien der jüdischen Bevölkerung Palästinas und der Diaspora ab. Diese Sympathien würden offenbar nicht den gefaßten Beschlüssen entgegengebracht, die sich so also nicht nur prinzipiell, sondern auch taktisch als unrichtig erwiesen hätten. Ihre Aenderung erscheine daher unbedingt notwendig. Wie bekannt, verfügen die Moskauer Kuratoren über 6 Stimmen. Informationsmaterial zum Spracfaenkampf in Palästina Das Zionistische Zentralbureau stellt Informationsmaterial über, den Sprachenkampf auf Wunsch kostenlos zur Verfügung. Wir bitten die Gesinnungsgenossen ihre Wünsche baldigst dem Zentralbureau aufzugeben.

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