Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Article
- Splendid Isolation
- Date
- 1914-01-30
- Page
- 105 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316625-3316630-3351645--58904-3351713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG Nr. 5. ' BERLIN, 30. Januar 1914 urvfofc n"önn 'X V2V 'ü ,^-Q XVIII. JAHRG. SPLENDID ISOLATION Die Ereignisse der letzten Tage sind für den Hilfsverein nicht günstig. Ein groß gedachter politischer Schachzug ist gründlich mißlungen. Der Hilfsverein hat den Plan gehabt, dem Zionismus den Bund des geeinten Antizionismus gegenüberzustellen. Der antizionistischen Idee durch eine Kooperation der in Palästina arbeitenden jüdischen Organisationen in Zion selbst zum Siege zu verhelfen, das ist der entscheidende Schlag gegen alle nationaljüdischen Bestrebungen — so dachte man. Vergessen war der Hader langer Jahre mit der Alliance. Der gegen die „französische“ Alliance gegründete „deutsche“ Hilfsverein hat den Versuch gemacht, in Paris Bundesgenossen zu finden. Aus bester Quelle können wir berichten, daß die Alliance sich diesem antizionistischeh Bündnis gegenüber durchaus ablehnend verhalten hat. Man denkt in Paris nicht daran, dem Hilfsverein in seiner Germanisierungspolitik hilfreich zur Seite zu stehen. Auch die lea wird im Kampf gegen die hebräische Sprache dem Hilfsverein nicht Heeresfolge Noch schwerer wird es der Hilfsverein empfinden, daß im Kuratorium des Technikums, das er doch für seine Gründung hält, und in dem bisher sein Wille allein ausschlaggebend war, der Beschluß vom 26. Oktober überraschenderweise auf den entschiedenen Widerspruch zahlreicher Kuratoren gestoßen ist. Von den neun amerikanischen Kuratoriumsmitgliedern haben sich sieben im Gegensatz zu dem Beschluß vom 26. Oktober prinzipiell für die Hebraisierung des Technikums ausgesprochen. Sie fordern überdies die moralische und materielle Unterstützung seitens der zionistischen Organisation und den Wiedereintritt der Herren Ginzberg, Levin und Tschlenow. Die beiden Mitglieder aus Amerika, die verhindert waren, an der Sitzung teilzunehmen, — einer von ihnen, Herr Rosen wald, befindet sich auf einer Palästinareise —, stimmen den Beschlüssen ihrer Kollegen zu. Und jetzt erfahren wir, daß auch die russischen Kuratoren ihre Abstimmung bereuen und für einen prinzipiellen und taktischen Fehler halten. (Vgl. die Notiz auf der folgenden Seite.) Damit stimmen 14 Kuratoren von 23 gegen die Anträge der Vertreter des Hilfsvereins. Rechnen wir die Stimmen der ausgetretenen Kuratoren hinzu, wobei zu berücksichtigen ist, daß Achad Haam eine der sechs dem Hause Wissotzky zustehenden Stimmen führte, so ergibt sich heute ein Stimmenverhältnis* von 16 zu 7. Nur sieben Kuratoren stehen heute noch auf dem Boden der Beschlüsse jener-rverhängnisvollen' Sitzung. Auch im Kuratorium des Technikums steht der Hilfsverein also heute mit seinen Ansichten allein da. Welche Konsequenzen sich daraus für den Schulkampf' in Palästina ergeben, läßt sich noch nicht mit Sicherheit voraussehen. Die Stellungnahme der amerikanischen und russischen Kuratoren ist jedenfalls für uns ein großer Erfolg uncL als bedeutsames prinzipielles Anerkenntnis der Berechtigung und Notwendigkeit unserer Forderungen anzusehen. So sehr wir uns über diesen Stimmungsumschwung freuen, so unzweideutig müssen wir erklären, daß uns die Forderungen, die die amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums aufstellen, nicht genügen können. Wir verlangen unverändert für die Mittelschule obligatorischen hebräischen Unterricht für alle Fächer. Im Technikum muß mindestens ein Hauptfach sofort in hebräischer Sprache gelehrt werden, und die völlige Durchführung der hebräischen Unterrichtssprache muß an eine bestimmte, unabänderliche Frist gebunden sein. Demnach kann uns der Beschluß der amerikanischen Kuratoren nicht befriedigen. Wir vermissen vor allem die verschiedene Behandlung der hebräischen Unterrichtssprache für die Mittelschule und für das Technikum, und wir können uns nach den Erfahrungen, die wir in letzter Zeit gemacht haben, nicht damit zufrieden geben, daß auch bei der Festsetzung des obligatorischen hebräischen Unterrichts am Technikum nach Ablauf der gestellten Frist von sieben Jahren noch die Möglichkeit offen gelassen ist, die vollständige Hebraisierung zu hintertreiben. Unsere Forderungen sind zugleich die Forderungen des nationalen Judentums in Palästina. Das Technikum und die Mittelschule in Haifa sind jedoch nicht die einzigen Kampfobjekte. Nur eine Ausgestaltung des gesamten Schuhverks des Hilfsvereins im Sinne des nationalen Palästinas würde das Ende des Kampfes bedeuten. Die Situation hat sich im Kampfe immer günstiger für uns gestaltet. Unser eigenes Schulwerk besteht und ist gesichert. Die Wahrheit und das moralische Recht sind auf unserer Seite. Alle Lehrer von Charakter und wissenschaftlicher Bedeutung hat der Hilfsverein verloren. Daß diese Lehrer ihre sicheren Stellungen und alle materiellen Erwägungen für nichts geachtet haben, um allein aus ideellen Gründen, aus nationaler Begeisterung, den Kampf für die hebräische Sprache aufzunehmen,