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Die Welt · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · p. 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Article
Der Angriff des Hilfsvereins
Date
1914-01-23
Page
86 (sequence 4)
Language
German
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86 Nr. 4 Technikum arbeite, und solange die Herren das Geld brauchten, haben sie ihn und uns in diesem Irrtum gelassen, und heute hat Dr. Paul Nathan die Stirn, Schmarja Levin deshalb anzugreifen, weil er der Idee des hebräischen Technikums treu geblieben ist. Der kurze Absatz, den wir zum Abdruck gebracht haben, ist voll von persönlichen Verdächtigungen und Schmähungen. Auch dieses ist zum Guten: es gab noch Leute, die sich nicht vorstellen konnten, daß sie sich über Paul Nathan ihr ganzes Leben lang getäuscht hätten. Sie werden von heute ab sich nur daran zu erinnern brauchen, wie dieser Mann über Schmarja Levin zu sprechen gewagt hat. „Eine interne jüdische Angelegenheit“ Ende voriger Woche erhielten wir folgendes Telegramm aus Jerusalem, das bereits in einem Teil der Auflage unserer vorigen Nummer abgedruckt war: Jerusalem, den 14. Januar 1914. Die Herren Ben-Jehuda und David Jellin hatten mit dem deutschen Generalkonsul Schmidt eine längere Unterredung, in welcher sie ihm ausführliche Erklärungen über den Sprachenkampf machten. Der deutsche Generalkonsul erklärte, er habe von vornherein nicht den Eindruck gehabt, als ob die Bewegung gegen Deutschland gerichtet sei. Dieser Eindruck sei jetzt noch verstärkt. Er ist der Ansicht, daß die Sprachenfrage eine deutsche Interessen nicht unmittelbar berührende, interne jüdische Angelegenheit sei. Er müsse aber gegen die Art und Weise Verwahrung einlegen, in welcher gegen den Hilfsverein vorgegangen Kundgebungen der sephardischen Gemeinde in Wien Auf Veranlassung der jüdischnationalen akademischen Verbindung „Esperanza“ in Wien hat die dortige spaniolische Gemeinde an Herrn David Jellin in Jerusalem eine Zuschrift gerichtet, in der sie die jüdische Lehrerschaft Palästinas zu ihrem erfolgreichen Kampfe für die hebräische Sprache und Kultur beglückwünscht. Zugleich wandte sich die Gemeinde an den Jerusalemer Chacham Baschi Moses Franco mit einem Schreiben, in dem sie ihn ersucht, seinen Einfluß zugunsten der hebräischen Sprache geltend zu machen. Auch die Verbindung „Esperanza" selbst richtete an Rabbiner Franco ein hebräisches Schreiben, worin sie den Empfindungen der sephardischen Oet'fentlichkeit Ausdruck verleiht, die von dem Oberhaupt der Jerusalemer Sephardim erwartet. daß er seine Stimme für die Sache der hebräischen Sprache erhebe. Eine Kundgebung aus Ungarn (Dieser Bericht ist bereits in einem Teil der Auflage unserer vorigen Nummer erschienen.) Die Herren Oberrabbiner Dr. Alexander S. Jordan und Bankdirektor Wilhelm Klein in Szatmar (Ungarn) bitten uns um Abdruck folgender, an die Adresse der Leitung des Hilfsvereins gerichteter Zeilen: Das Recht, gegen gewisse Beschlüsse und Maßnahmen des Hilfsvereins Einspruch zu erheben, leiten wir nicht allein aus der Tatsache ab, daß wir in Ungarn die ersten unter den leider noch immer sehr wenigen Juden waren, welche die segensreiche Tätigkeit des Hilfsvereins gewürdigt und uns unter dessen Fahne gestellt haben; auch nicht aus der Tatsache, daß wir hier den ersten bescheidenen Versuch in unserem Heimatlande wagten, der hebräischen Sprache als Unterrichtssprache eine Heimstätte zu gründen. Unser Rechtstitel bedarf überhaupt keines besonderen Nachweises angesichts der ungeheuren Erregung, den die Entthronung der heiligen Sprache in den höheren Lehranstalten Palästinas überall hervorrief, wo noch nationaldenkende Juden leben und wo die Renaissance des Judentums eben von der Neubelebung der biblischen Sprache erwartet wurde. Jeder, der das biblische Gebot: ,,Stehe nicht still bei der Gefahr deines Nächsten“ ernst nimmt, jeder, der das tiefe Weh eines in seinen heiligsten Empfindungen gekränkten Volkes mitfühlen kann, hat das Recht und die Pflicht, in solchen Stunden der Gefahr sein Veto zu erheben. Die Wellenschläge der Entrüstung über den brutalen Gewaltakt in Jerusalem, wo jüdische Lehrer — weil sie unsere heilige Sprache jeder anderen vorziehen — aus jüdischen Schulen mit Brachialgewalt entfernt wurden, ließen auch uns nicht unberührt. So verfuhr einst Antiochus Epiphanes mit den Lehrern des Judentums, die es wagten, trotz des tyrannischen Verbotes die Jugend in der Gotteslehre zu unterweisen; so verfuhren Hadrians Schergen mit Rabbi Akiba, der die Liebe zur Lehre mit seinem Märtyrerblute besiegelte. Die wackeren jüdischen Lehrer des gegenwärtigen Palästina liefern den Beweis, daß das heilige Oel aus dem Krüglein der Makkabäer noch bis heute nicht ganz versiegt ist, wenn es gilt, die Lichtlein im schwerbedrohten Heiligtume Israels wieder anzuzünden. — Die Lichtlein sind angezündet! Und an Euch, die Ihr an der Spitze des Hilfsvereins steht, ist es, dafür zu sorgen, daß sie nur friedlich leuchten, nicht aber auch all die schönen Tempelbauten in Palästina, die des Hilfsvereins Opferwilligkeit geschaffen, in Brand stecken! — Kehret um, bevor es zu spät ist! Szatmar (Ungarn), Chanukah 5674. Protest der jüdischen Turnerschaft W estösterrei ch s Die Leitung des zweiten Kreises der Jüdischen Turnerschaft hat in ihrer Sitzung vom 9. d. M. nachstehende Resolution beschlossen: Die Leitung des westösterreichischen Kreises der Jüdischen Turnerschaft, als Vertreterin der national bewußten, turnenden Jungmannschaft Westösterreichs, schließt sich ganzen, aufrichtigen Herzens den Entrüstungskundgebungen an, welche der volksfremde, volksverräterische Beschluß des Deutschen Hilfsvereins hervorgerufen hat. Wir hatten uns glücklich geschätzt, unserer Jugend durch die Einführung der obligatorischen hebräischen Kommandosprache in unseren Vereinen einen schwachen Widerschein jener Entwicklung und Verbreitung unserer Volkssprache geboten zu haben, welche diese in Erez Israel erfahren, und mußten deshalb um so schmerzlicher diesen schmählichen Versuch einer gewaltsamen Drosselung unserer Nationalsprache empfinden. Doch um so größere Genugtuung gewährt uns der kraftvolle Widerstand und die selbstbewußte, tapfere Gegenwehr unserer wackeren palästinensischen Brüder, denen wir in ihrem schweren, für das ganze jüdische Volkstum bedeutsamen Kampfe nach unseren besten Kräften beistehen wollen. Kien m. p., phil. Brand m. p. Der gute Ton Die „Vossische Zeitung“ kündigt die Nathansche Broschüre in einer Art an, die diesem Blatte sonst fremd ist. Wir irren wohl nicht, wenn wir in dieser Ankündigung eine Art Selbstanzeige vermuten. Sie hat folgenden Wortlaut: Zionistische Wühlarbeit in Palästina Das kulturfeindliche und die Interessen der jüdischen Bevölkerung selbst auf das schwerste schädigende Treiben zionistischer Fanatiker in Palästina ist wiederholt von uns gekennzeichnet worden. Von der Rücksichts- und Skrupellosigkeit dieser alles Maß überschreitenden Agitation entwirft Dr. Paul Nathan, der Geschäftsführer des „Hilfsvereins der deutschen Juden“, in einer Denkschrift, die er unter dem Titel „Palästina und palästinensischer Zionismus“ soeben erscheinen läßt (Berlin, H. S. Hermann), ein abschreckendes Bild. An der Hand von urkundlichen Belegen und unwidersprechlichen Tatsachen wird der Beweis geführt, in welch frivoler und gewissenloser Weise man von zionistischer Seite dem seit Jahren segensreich wirkenden Schul- und Erziehungswerk des Hilfsvereins in Palästina entgegenzuarbeiten versucht. Kein Mittel des Terrorismus und der Aufhetzung der Bevölkerung, der jüdischen wie der mohammedanischen, blieb unversucht, um den blühenden Schulanstalten des Hilfsvereins in Jaffa und Jerusalem den Lebensnerv zu durchschneiden. Man umstellte die Schulhäuser, veranstaltete Straßendemonstrationen, suchte die Kinder durch Einschüch-

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