Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 4 (23.1.1914)
- Article
- Alljudentum
- Date
- 1914-01-23
- Page
- 79 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 4 79 DIE^EELT gleich auf die höchste Höhe schnellt; die geistige Produktion aber, die uns nottut, ist eben eine aus einem ganz schwer arbeitenden Milieu heraus und nicht die unfruchtbare Fruchtbarkeit der Muße; von dieser haben wir leider schon hier mehr als genug, sie hilft uns aber nicht weiter. So erscheint mir denn Herrn Kaufmanns Anschauung vom Galuth und von Palästina falsch. Aber ich hoffe nicht, ihm sein Unrecht so beweisen zu können, daß er es einsieht. Denn seine Auffassung entspricht einer bestimmten Art seines gesamten Denkens, die von der meinigen gänzlich geschieden ist. Er glaubt, das Leben des Volkes sei von bestimmten Gesetzen geregelt, die sich erfüllen müssen, und denen wir nicht ins Handwerk pfuschen können. Wenn er in „tief intuitiver“ Betrachtung des „gewaltigen, riesenhaften, urzeitlichen Organismus“ des Ostjudentums zur Ekstase fortgerissen wird, so sieht er das Volk nicht anders an als den Sternenhimmel, der, ewig unerreichbar, über uns schwebt. In Wirklichkeit aber ist es unmöglich, das Volk sich selbst oder der „Entwicklung“ zu überlassen, das Volk zu „erhalten“, wie sich viele ausdrücken, wenn man es wahrhaft erhalten will. Denn die bloße „Erhaltung“ ist Auflösung. Wenn wir das Volk den Kräften überlassen, die es regieren, so haben wir ihm das Todesurteil gesprochen. Wenn wir die „Naturgesetze“ geduldig auf unsern Nacken laden, so geht die Geschichte über uns hinweg. Wir müssen wagen, die Anbetung der geheiligten Wirklichkeit den reinen Willen entgegenzustellen; wir müssen wagen, das Naturnotwendige zu verneinen und an seine Stelle das uns Nötige, das Unmögliche, das Ideal zu setzen. Wir müssen lernen, daß wir geradeaus wollen dürfen, daß Durchführbarkeit und Undurchführbarkeit sinnlose Worte sind für den, der will. Das Volk ist ein Lebendiges, auf das wir wirken können trotz allen Gespenstern sozialer Gesetze. Ich wage es, den Sternenhimmel, der uns überwölbt, als etwas anzusehen, worauf wir wirken können, wenn wir wollen. Jedes Streben ist unsittlich im höchsten Sinne, das auf die Erhaltung eines gegenwärtigen unvollkommenen Zustandes gerichtet ist — und jeder gegenwärtige Zustand ist unvollkommen —, auf das Sichauswirkenlassen irgend welcher „Gesetze“; sittlich ist allein der Wille, das Unmögliche wahr zu machen; die Verneinung des Gegebenen; das Streben nach V ollkommenheit. Mag ein gelegentlicher Mitarbeiter der „Freistatt“ dies als „Verstiegenheiten“ bezeichnen und beantragen, daß man zwischen der Bejahung des Galuth, die Herr Kaufmann, und der Verneinung, die ich verlange, eine Mittellinie ziehe. Es bleibt mir doch sicher, daß es zwischen Ja und Nein keine Mittellinie gibt, außer der Grenzlinie, die wir in aller Schärfe wahren wollen. Hugo Herrmann. »IMMIIIIIIII iii»iii)iiiiii[iiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiminimiiiiiiiiiumimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiinuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiimiiiiiniiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimimiiiiiiiiiiiiiiiin FÜR UNSER SCHULWERK iiiiiiiiiiimiiiiiiittiiiiiiiiiiiiiiiiiniiijnuiiiuiiiiiiiniiiiiiiiHiiiiiiiuiiiiiiiiiuuiiiiiiHtitiiiiuiniiiiiiiiiiiiiiiiuiiiitiiiiuiiunmimniiiiitiiiiiiiiiiHiiiimiiimiiuiiiuiiimiiiimiiiimiuuiimiiimiiiiiiuiimmiu Die große Bewegung -für das hebräische Schul werk in Palästina ergreift jetzt auch die entfernteren Länder. In der Bukowina bereitet das zionistische Landeskomitee eine große Aktion für den Zentralfonds und für das Schulwerk vor. In England hat der Order of Ancient Maccabeans eine umfangreiche Versendung unserer Information Nr. 2 in die Wege geleitet. Von der englischen Ausgabe dieser Broschüre, von der auch die Zeitschrift „T he Zionist“ 1000 Exemplare an ihre Leser verschickt, sind heute bereits mehr als 10 000 Exemplare versandt worden. Mit besonderem Elan wird nach wie vor die Aktion in Deutschland betrieben. Hier verbreiten insbesondere die Vorträge von Dr. Schmarja L e v i n Aufklärung und erwecken überall Begeisterung. In Leipzig sprach am verflossenen Sonnabend Herr Dr. Levin vor ca. 800 Personen. 1500 Mark Beiträge wurden gezeichnet, darunter zum größten Teil Jahresbeiträge. In Hamburg sprach Dr. Levin am 15. Januar vor einem ungewöhnlich zahlreichen Publikum. Auch hier war die Stimmung begeistert, eine Sammlung wurde in die Wege geleitet, deren Endresultat sehr groß zu werden verspricht. Zur Zeit weilt Dr. Levin in Wien, wo er mehrere Vorträge absolvieren wird. Herr Dr. B i r a m sprach gestern in Halberstadt und unternimmt sodann eine Tournee durch Oberschlesien. Es sei an dieser Stelle nochmals betont, daß das Zionistische Zentralbureau sich den Organisationen und Vereinen für die Propaganda für das hebräische Schulwerk und für den Zentralfonds in weitestem Maße zur Verfügung stellt. Allen Wünschen auf Entsendung von Rednern wird nach Möglichkeit entsprochen werden, Drucksachenmaterial wird in jeder gewünschten Anzahl kostenlos geliefert und jede irgend mögliche Erleichterung der lokalen Arbeit wird gewährt. Die Vereine und Vertrauensleute mögen ihre Wünsche unverzüglich dem Zentralbureau zur Kenntnis bringen. Der dieswöchige Ausweis ist in mancher Hinsicht interessant. In ihm sind zum ersten Male auch größere Spenden solcher Freunde der hebräischen Entwickelung in Palästina ausgewiesen, die sich ausdrücklich als Nichtzionisten bezeichnen. So überwies Herr Geh. Medizinalrat Professor Dr. Leopold Landau, Berlin, einen Beitrag von 1000 Mark mit der Erklärung, daß er als Nichtzionist das hebräische Sc hui werk in Palästina zu fördern wünsche. Von weiteren Zuschriften dieser Art sei die eines nicht genannt sein wollenden Herrn aus Hamburg hervorgehoben, der uns schreibt: „Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, daß Sie in dem palästinensischen Schulkampf für die Sache des Hebräischen eintreten. Ich bin kein Zionist und bin ein Gegner des Zionismus, wünsche aber nicht zu fehlen, wenn es darauf ankommt, .der Wiederbelebung und Wacherhaltung der heiligen Sprache zu dienen. Ich sende Ihnen inliegend 50 Mark, als Jahresbeitrag für 1914, unter der Voraussetzung, daß er ausschließlich für die Förderung des hebräischen Schulwesens verwendet werden Besondere Erwähnung verdient auch der Ausweis über die erste Rate der Sammlung des Kartells Zionistischerverbindungen in Höhe von 1000 Mark. Das K. Z. V. hat bekanntlich die Verpflichtung übernommen, 5000 Mark für das Schulwerk zur Verfügung zu stellen. Wegen der Ueberweisung der Gelder machen wir auf Grund verschiedener Anfragen auf folgendes aufmerksam: Aus Deutschland erfolgt die Ueberweisung am besten und gänzlich kostenlos auf das Postscheckkonto des Zionistischen Zentralbureaus: Berlin 11619. Aus Oesterreich und Ungarn überweise man vorläufig auf die Postscheckkonten der „Welt“: Wien 39913 a, resp. Budapest 99999999999999998