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Die Welt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Article
Utopien
Date
1914-01-16
Page
54 (sequence 2)
Language
German
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54 DIE LT Kr. 3 Richtung, und an 4000 Orten beginnen ijm gleichen Augenblick 10 000 Vertrauensmänner des Jüdischen Nationalfonds ihre Arbeit, eine Armee von gut geschulten, treu ergebenen Zionisten. Es ist also nur ein Erfolg der guten Organisation, wird mancher meinen, und bei diesem ungeheuren Apparat ist das Ergebnis von einer Million vielleicht gar nicht so überraschend groß. Gewiß, die Million des Jüdischen Nationalfonds ist unmittelbar ein Produkt seiner wunderbaren Organisation. Aber diese Organisation ist wiederum ausschließlich die selbstverständliche Konsequenz der nationalen Hoffnungsfreudigkeit im Zionismus. Die zionistische Bewegung ist in den letzten Jahren immer radikaler in ihrem Nationalismus geworden. Die Anschauung hat sich durchgesetzt, daß es utopisch ist, von den guten Meinungen und dem theoretischen Wohlwollen der nichtzionistischen Welt für die Befestigung unserer Position in Palästina wirksame Förderung zu erhoffen. Wir haben uns bemüht, jeden Zionisten zu der Ueberzeugung zu erziehen, daß von ihm selbst, von seiner leidenschaftlichen, selbstlosen Hingabe, von seiner grenzenlosen Opferwilligkeit allein die Wiederbelebung der jüdischen Nation ausgehen kann, und diese bessere Gesinnung hat die Zionisten angespornt, zu geben und immer wieder zu geben, um ihrer eigenen Erlösung willen. Hunderttausende, die sehnsüchtig jene neue jüdische Wirklichkeit erwarten, haben dem Nationalfonds regelmäßig beigesteuert; Arme geben über ihre Verhältnisse, weil sie wußten: es gilt das Werk ihrer eigenen Zukunft. Unendlich viel nationale Sehnsucht liegt in den Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonds. Früher haben wir oft gefürchtet, daß neue Aktionen für andere zionistische Zwecke dem Nationalfonds schaden könnten. Man hatte immer noch jene alte unzionistische Vorstellung, daß es einen bestimmten Kräftevorrat auch im Zionismus gäbe, mit dem wir rechnen müssen. Die Jahre haben uns eines besseren belehrt. Je mehr wir für andere Zwecke verlangten, um so mehr gab man dem Jüdischen Nationalfonds. Wir erlebten jene unendliche Steigerung der Opferwilligkeit; wir merkten, daß die Einwände, die man sonst im jüdischen Leben bei Sammlungen immer wieder zu hören bekommt, wie etwa „ich bin schon zu sehr belastet“, „in diesem Jahre geht es nicht" oder „mein reicher Glaubensgenosse X. hat ja auch nicht mehr gegeben als ich" im Zionismus in dem Maße verschwanden, in dem jeder einzelne Zionist sich wirklich als Träger der jüdischen Entwicklung fühlte. Die Einheitlichkeit der Gesinnung führte uns zu jenen straffen und unzerbrechlichen Formen der Organisation, die den Neid unserer Gegner erregen. Das Sammelergebnis des Jüdischen Nationalfonds im vorigen Jahre ist ein wundervolles Zeichen für die quellende Kraft der zionistischen Ideen. Der „utopische" Zionismus allein hat es vermocht, jenes jüdische Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, das mit ehernem Ring Juden aller Länder in gemeinsame Arbeit hineinzwingt. Sichtbaren Fortschritt, in Wahrheit Entwicklung unserer Kräfte zu größerer nationaler Einheit, das bedeutet uns die Million des Jüdischen Nationalfonds. Wir fühlen, wie stark uns die praktische Arbeit gemacht hat, und hoffnungsvoll begrüßen wir die neuen Aufgaben, die uns jetzt erwarten. In der Arbeit werden wir wachsen! K. B. Gesinnungsgenossen! Der Aufruf des Actions- Comites für das hebräische Schul werk, in Palästina hat in der gesamten zionistischen Öffentlichkeit einen Widerhall erweckt, wie wir es ähnlich nur in der allerersten Zeit unserer Bewegung mit erlebt haben. Mit einer Opferfreudigkeit ohnegleichen haben sich die aktiven Zionisten in den Dienst der zurzeit wichtigsten Aufgabe unserer Organisation gestellt. Bei der Arbeit, die uns jetzt bevor steht, brauchen wir in erster Linie die bewährten Mittel unserer Propaganda und vor allem unsere Parteipresse. Über alles, was in Palästina in den letzten Monaten vor sich gegangen ist, hat die „Welt" die ausführlichsten und zuverlässigsten Berichte gebracht. Diese Berichte haben den stärksten Eindruck gemacht, weit über die zionistischen Kreise hinaus. Auch für die Folge wird unser Zentralorgan es als seine vornehmste Pflicht ansehen, in dem ernsten und schweren Kampfe, den wir entschlossen zu Bude führen müssen, an der Spitze zu marschieren. „Die Welt" soll unseren Freunden und Mitkämpfern eine reine und gute Waffe, ein wirksames Instrument für die Propaganda sein. Die Wirkung dieses wichtigsten Propagandamittels aber hängt von seiner Verbreitung ab. Wir sind sicher, dass auch unsere Freunde und Leser dies einsehen und gerade jetzt bei der Verbreitung der „Welt" mit aller Energie mitarbeiten werden. Unser Blatt kann nur dann Schritt halten mit der raschen Entwicklung unserer Bewegung, wenn alle Gesinnungsgenossen auch der „Welt" ihre ideelle und materielle Unterstützung angedeihen lassen. Es muss möglich sein, dass uns fast jeder unserer Abonnenten wenigstens einen neuen Abonnenten gewinnt. Kein Zeitpunkt ist dafür günstiger als diese Wochen des Kampfes. Was jetzt für „Die Welt“ getan wird, wirkt nach auf Monate und Jahre. Wir richten also an alle nnsere Freunde die eindringliche Bitte, umgehend bei dem Verlag „Die Well", Berlin W 15, Sächsische Strasse 8» Propagandamaterial zu bestellen und die Werbe-Arbeit unverzüglich aufzunehmen. Bier ist eine vorzügliche Gelegenheit für jeden einzigen Zionisten, mittelbar dem Zionismus die wertvollsten Dienste zu leisten. Verlag und Redaktion der „Welt“.

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