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Die Welt · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · p. 37

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Article
Protest der Kolonie Milhamia
Date
1914-01-09
Page
37 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 DIE3§£ELT 37 werden mit allen unseren Kräften gegen das deutsche Technikum kämpfen und in unserem Kampfe werden wir vor keinem Hindernis und keinem Opfer zurückschrecken, bis die Sprache unserer Väter und unserer Zukunft den vollen Sieg errungen hat. Mit aller Hochachtung Im Auftrag der Kolonie Milhamia: (folgen Unterschriften) Protest jüdischer Akademiker in Oesterreich Der Verband ehemaliger Hochschüler in Wien hat an den Hilfsverein der deutschen Juden folgende Zuschrift ge- Der Unterzeichnete zionistische Verband ehemaliger Hochschüler Oesterreichs protestiert auf das schärfste gegen das Vorgehen des Hilfsvereins der deutschen Juden in der Sprachenfrage am jüdischen Technikum in Haifa. Die zionistischen ehemaligen Hochschüler haben das jüdische Technikum als einen bedeutenden Faktor in der Entwicklung der jüdischen Kultur mit Begeisterung begrüßt und weisen das Vorgehen der Mehrheit des Kuratoriums um so entschiedener zurück, als ja zur Gründung des Technikums persönliche und finanzielle Hilfe zionistischer Kreise beigestellt wurde. Der zionistische Verband ehemaliger Hochschüler fordert den Hilfsverein deutscher Juden auf, sein Unrecht im Interesse des eminent wichtigen Kulturwerkes gut zu machen. Der Verband ehemaliger Hochschüler in Wien. Staatsbahnrat Ing. Emil Fried, Präsident Dr. Alfred Loewy, I. Vizepräsident Ing. Fedor Ackermann, II. Vizepräsident Dr. Ing. B. Marmorstein Ob.-Ing. Robert Stricker Ing. Julius Engel Dr. Otto Abeies Ing. Wilhelm Winter Dr. Paul Weisengrün Dr. L. Sofer Ing. Theodor Deutsch Dr. Ing. Arnold Karplus. Der Beschluß der Wiener Kultusgemeinde Wie wir in der letzten Nummer kurz berichteten, hat die Repräsentanz der Wiener israelitischen Kultusgemeinde in der Sitzung vom 29. Dezember 1913 beschlossen, die Ueberweisung der Zinsen der Lämelstiftung und die im Budget vorgesehene alljährliche Subvention der Lämelschule in Jerusalem so lange zu sistieren, bis sich die durch die Beschlüsse des Hilfsvereins deutscher Juden geschaffene Situation geklärt hat. Der Beschlußfassung, die einhellig erfolgte, gingen Referate der zionistischen Kultusräte Dr. Jakob Ehrlich und Ob.-Ing. Robert Stricker voran, in welchen die Vorgänge seit dem schwenviegenden Beschlüsse des Berliner Kuratoriums in Sachen der Unterrichtssprache am Technikum zu Haifa eingehend besprochen wurden. Die Haltung des Wiener israelitischen Kultusvorstandes in dieser Angelegenheit erfüllt uns mit Genugtuung. Sie zeigt, daß weite jüdische Kreise, die dem Zionismus ferne stehen, ja ihn vielfach bekämpfen, eine gewisse Verantwortung für das nationaljüdische Palästinawerk fühlen, dem hebräischen Schul- und jungjüdischen Erziehungswerke in Erez Israel Achtung, jetzt schon häufig auch mittätige Liebe entgegenbringen und seine gesunde, hoffnungsvolle Entwicklung in den jetzigen Bahnen fortschreiten sehen möchten. Namentlich die Wiener israelitische Kultusgemeinde hat seit Jahren Interesse für das zionistische Palästinawerk an den Tag gelegt und der Präsident unseres engeren Actions- Comites, Herr Professor Warburg, durfte anläßlich der Eröffnung des Wiener Zionistenkongresses betonen, daß sich die Wiener Kultusgemeinde in manchen praktischen Arbeiten unseren Bestrebungen anschließt und als eine der allerersten durch direkte Unterstützung palästinensischer Bestrebungen ein Vorbild gegeben habe für sämtliche andere Kultusgemeinden. Sie fördert den B e z a 1 e 1 und das hebräische Gymnasium in Jaffa durch Subventionen und hat den Gemeinderabbiner, Herrn Dr. Max Grunwald, nach Palästina entsendet, um über den Geist in den Schulen und Anstalten, sowie über das Leben und die Entwicklung in den Kolonien authentisch informiert zu werden. Herr Dr. Grunwald, der am 19. November 1912 dem Vorstande seinen Bericht unterbreitete, betonte ganz besonders die große Bedeutung des Hebräischen für das neue Palästina. Aus diesem Geiste heraus will der Beschluß des Kultusvörstandes in Sachen der vom Hilfsvereine verwalteten Lämelschule verstanden sein. Die Vertreter dieser großen und wichtigen Gemeinde konnten sich bei aller sonstigen Gegnerschaft dem Eindrücke nicht entziehen, den die Berichte unserer beiden Gesinnungsgenossen im Vorstande über den vom Zaune gebrochenen Kulturkampf und die letzten Vorfälle in Palästina auf sie machte. Sie haben mit ihrer vorbildlichen Beschlußfassung der Situation Rechnung getragen, wenn sie sich auch natürlich für die Zukunft nicht präjudizierten. Protestversammtung in New York In einem von der Organisation für hebräische Sprache „Ä chieber“ in New York veranstalteten Protestmeeting im Clintonsaale wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der die amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums aufgefordert werden, die Durchführung der in Berlin gefaßten verhängnisvollen Beschlüsse mit allen Mitteln zu verhindern. Eine zweite Massenversammlung wurde von dem sehr angesehenen Orden Bnei Zion einberufen, an dessen Spitze der bekannte jüdische Politiker Joseph Barondess steht. Dieses in einem der Riesensäle New Yorks, der Beethoven- Hall, abgehaltene Protestmeeting wies einen massenhaften Besuch aus allen jüdischen Gesellschaftskreisen auf. Die Versammlung wurde von Lawyer Spreuregen mit einer hebräischen Ansprache eröffnet. Mit den bekannten Beschlüssen und der ganzen Schulpolitik des Hilfsvereins in Palästina beschäftigten sich in längeren Ausführungen Mr. Louis L i p s k y. Redakteur A. Goldberg, Rev. Masliansk v, Lawyer Schick und Joseph Barondess. Es wurde unter großer Begeisterung eine energische Protestresolution gegen das Vorgehen des Hilfsvereins angenommen. Eine Enquete der „Hazephirah“ Die hebräische Tageszeitung „Hazephirah“ in Warschau veranstaltet eine Enquete unter den hervorragenden Vertretern des öffentlichen jüdischen Lebens in Rußland über die Sprachenfrage am Haifaer Technikum. U. a. veröffentlicht das Blatt eine Unterredung mit dem hervorragenden Rechtsanwalt und bekannten Verteidiger im Beilis-Prozeß O. O. Grusenberg, der sich in scharfen Worten gegen das Vorgehen des Hilfsvereins in Palästina ausspricht. Rechtsanwalt Grusenberg kann es nicht begreifen, wie die Menschen es vermögen, allein auf die Macht ihres Geldbeutels gestützt, in ein ihnen fremdes Gebiet einzudringen und in demselben ihre eigenen Absichten und Meinungen geltend machen zu wollen. Die Arbeit in Palästina kann nicht rein philanthropische Zwecke verfolgen: diejenigen, die diese Arbeit angeregt haben und für sie ihre besten Kräfte hingeben, sehen viel mehr in ihr, als die Beglückung eines Häufleins orientalischer Juden. Für sie bildet sie ein Mittel zur Schaffung eines Zentrums der jüdischen Renaissance, und an der Spitze der gesamten nationalen Renaissance steht für sie die Renaissance der nationalen Sprache. Welches Recht hat denn der Hilfsverein, sich dieser Auferstehungsarbeit in den Weg zu stellen, der palästinensischen Judenheit seine Ansichten und seine Tendenzen aufzudrängen? Eins von beiden: Will der Hilfsverein wirklich in Palästina arbeiten, so muß er der Stimme der dortigen Bevölkerung Gehör schenken, wenn er aber dies nicht tun will, so soll er Palästina mit seiner Arbeit verschonen und seine Tätigkeit in ein Land verlegen, mit dem nicht so viele Hoffnungen des jüdischen Volkes verknüpft Zum Schluß der Unterhaltung sprach Rechtsanwalt Grusenberg seine persönliche Genugtuung und Freude darüber aus, daß der Versuch zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Palästina so glänzende Erfolge erzielt hat. Es sei moralische Pflicht eines jeden Juden, diesen Versuch in jeder Weise zu fördern.

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