Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Article
- Die Denkschrift der Hilfsvereinslehrer
- Date
- 1914-01-02
- Page
- 12 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316625-3316626-3350868--58389-3350988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
12 Nr. 1 die^elt Durch diese Bestrebungen soll in den Schulen des Hilfsvereins das Studium der deutschen Sprache als Kultursprache durchaus nicht leiden. Deutsch sollte im Gegenteil noch mehr als bisher gepflegt werden, — und es sollen diejenigen Schüler, welche für diese Sprache in ihrem späteren Leben Verwendung finden werden, ihrem Studium die erforderliche Zeit und die nötigen Kräfte widmen. Aber ihre Schulbildung soll unseren Kindern in unserer, in ihrer Sprache vermittelt werden. Von diesen Gedanken geleitet, welche sich aus einer jahrelangen Beschäftigung mit Schulfragen ergeben, haben wir die Schlußfolgerung gezogen : Da ß d ie hebräische Sprache ein begründetes Recht darauf hat, als Unterrichtssprache sämtlicher Unterrichtsfächer an unseren Schulen ein geführt zu werden. Wir hoffen, daß der Hilfsverein der Deutschen Juden, der selbst durch Begründung von Kindergärten und Volksschulen zur Fortentwicklung des Hebräischen bisher soviel beigetragen hat, unsere hier ausgedrückte Meinung beachten und unsere Wünsche gütigst berücksichtigen wird. Hierdurch wird der Hilfs verein der Deutschen Juden der jüdischen Welt .im allgemeinen und der palästinensischen Judenheit insbesondere zeigen, daß er von der Vorsehung dazu berufen ist, in der Renaissance- Epoche unseres Volkes die Sprache der Väter im Lande der Väter wieder zu begründen und neu zu befestigen. Jerusalem, November 1913. In ausgezeichneter Hochachtung Für das Lehrerseminar: (gez.) David J e 11 i n, Prorektor der Lehrerbildungsanstalt und der Handelsrealschule u. Lehrer a. d. Edler v. Lämel-Schule, Joseph Me johas, A. M. Lüpschitz. Für die Edler v. Lämel-Schule: Joseph Riwlin. Für die Mädchenschule: Vera Pinczower, leitende Lehrerin der Mädchenschule, Ch. L. S u 11 a, leitender Lehrer des Kindergärtnerinnen-Kursus. Kundgebung der palästinensischen Jugend Die Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem, des Lehrerseminars und der Handelsrealschule in Jerusalem, sowie die Schülerinnen des Lehrerinnenseminars in Jaffa veröffentlichen folgenden Aufruf an die studierende jüdische Jugend: Wir Schüler der höheren Lehranstalten in Palästina, denen die hebräische Sprache als die wichtigste Grundlage unserer nationalen Wiedergeburt gilt, sehen in den Beschlüssen des Kuratoriums des Haifaer Technikums eine Untergrabung des gesamten jüdischen Kolonisationswerks in Palästina, einen Verrat an allem, was dem jüdischen Volke heilig ist und einen verwegenen Anschlag auf alle jüdischen Eigenwerte. Der jüdische Jüngling in Palästina schwört, gegen die Zerstörer des jüdischen Renaissancewerkes mit aller Kraft und Hingabe zu kämpfen. Wir sind dessen gewiß, daß die jungen Leute, die um der jüdischen Renaissance willen nach Palästina kommen, mit.uns sind. Wir verhängen hierdurch den Boykott gegen alle, die als Schüler oder Lehrer in das zu errichtende Technikum eintreten werden, sowie gegen alle, die auf irgendeine Weise zum Fortbestand und zur Festigung des Technikums als einer fremdnationalen Unterrichtsanstalt beitragen werden. Mögen alle diejenigen, die sich anschicken, im Haifaer deutschen Technikum zu lernen und zu lehren, damit rechnen, daß sie hier auf ein feindliches Milieu und auf offene, entschiedene Gegnerschaft der gesamten jüdischen Gesellschaft in Palästina stoßen werden. An alle Kreise der jüdischen Bevölkerung aber wenden wir uns mit der Bitte: Helft uns in unserem heiligen Kampfe gegen diese Frevler, die unsere Sprache entweihen! Die neuen hebräischen Schulen in Palästina Aus Jerusalem wird uns berichtet: Die sämtlichen Hilfs Vereins - Lehrer der Mittelschule in Haifa, der Knabenschule in Jaffa, der Mädchenschule in Jerusalem, sowie die überwiegende Mehrzahl der Lehrer des Lehrerseminars und der Knabenschule in Jerusalem haben ihre Aemter niedergelegt und neue Schulen mit ausschließlich hebräischer Unterrichtssprache begründet. Das neue Lehrerseminar in Jerusalem unter der Leitung des früheren Hilfsvereins-Direktors David Y e 11 i n zählt bereits 80 von den 95 Zöglingen des Hilfsvereinsseminars. Von den 150 Schülern der Hilfsvereinsschule in Jaffa sind 110 zur neuen hebräischen Knabenschule übergegangen, ähnlich bei den anderen Schulen. Dr. Paul Nathan, der Geschäftsführer des Hilfsvereins, und dessen Generalsekretär Dr. Kahn, die seit mehreren Wochen zur Schlichtung des Schulstreits in Palästina weilten, sind am 23. Dezember unverrichteter Dinge wieder abgereist. Rücktritt der Lehrer der Hilfsvereinsschule in Haifa Unter dem Eindruck des gewalttätigen Vorgehens der Hilfsvereinskreise in Jerusalem haben sämtliche Lehrer des Hilfsvereins in Haifa ihre Stellen niedergelegt. Die Mittelschule des Hilfsvereins in Haifa wurde geschlossen. Sämtliche Lehrer und fast alle Schüler werden zur neuen hebräischen Mittelschule übergehen, die schon in den nächsten Tagen eröffnet werden wird. Protest der Kolonie Medschdel Die Bewohner der jüdischen Kolonie Medschdel (Magdala) in Galiläa haben in einem Telegramm an Dr. Nathan ihrem Schmerz und ihrer Empörung über den Beschluß des Kuratoriums Ausdruck verliehen und die Leiter des Hilfsvereins dringend ersucht, dem einmütigen Wunsch der jüdischen Bevölkerung Palästinas nach Einführung der hebräischen Unterrichtssprache in allen Schulanstalten Rechnung zu Erneuern Sie sofort Ihr Abonnement, da Sie sonst keine Garantie für die pünktliche Zustellung der Nummern im nächsten Quartal haben. Die Ueberweisung der Abonnementsbeträge aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn erfolgt kostenlos mittels Postschecks, die wir sämtlichen Beziehern, deren Abonnement abläuft, direkt zugesandt haben. Aus dem Auslände überweist man Beträge an uns am einfachsten per Postanweisung. wo dies nicht möglich ist, per Scheck auf europäische Banken oder in Briefmarken. Reklamationen bei unpünktlicher Zustellung der Blätter in Deutschland richte man nicht an uns, sondern immer an das Postamt des Bestellbezirkes. Bestellungen auf Einbanddecken für den Jahrgang 1913 der „Welt“ wolle man unverzüglich aufgeben. Preis einer Einbanddecke inkl. Porto und Verpackung Mark 2.50. Exemplare der „Welt“ auf holzfreiem Papier werden nuran ganzjährige Abonnenten geliefert. Abonnements ffir Deutschland und Oesterreich - Ungarn M. 18_ pro Jahr, ffir alle Qbrigen Länder M. 24.— pro Jahr. Verlag „Die Welt“ BERLIN W 15, Sächsische Str. 8.