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Die Welt · 1914-01-02 · 1 (2.1.1914) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
1 (2.1.1914)
Article
Vergiftete Waffen
Date
1914-01-02
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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6 Nr. 1 blE2§KLT Wie aber die ganze Unwahrheit immer weniger gefährlich ist, als die halbe Wahrheit, so liegt die größte Gefahr in einer Legende, die jetzt abermals vom „Hamburger Israelitischen Familienblatt“ lanciert wird, der man aber auch anderwärts begegnet, und die das Zeug in sich hat, zu einem Strick verarbeitet zu werden, mit dem man die Zionisten wieder einmal als „jüdische Antisemiten“ an den Galgen hängen möchte. Das genannte Blatt fügt seiner Wiedergabe der Hilfsvereinserklärung folgende ihm aus Berlin zugehende Mitteilung an: „Die zionistische Hetze gegen die palästinensischen Hilfsvereinssch ulen scheint man in deutschen Landen zum Verhandlungsgegenstand öffentlicher Volksversammlungen seitens der Zionisten machen zu wollen. Daß diese Frage in zionistischen Versammlungen mit der gleichen Leidenschaftlichkeit behandelt wird, wie seinerzeit die Kampagne gegen den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, versteht sich bei dem Temperament, besonders der Berliner Spielart des Zionismus, von selbst. Auch in Köln findet dieser Tage eine Zionistenversammlung statt, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigen wird. Ein wie bedenkliches Spiel die Zionisten in diesem Falle, da es sich um einen Kampf gegen die deutsche Sprache handelt, treiben, ist daraus ersichtlich, daß sich bereits die großen deutschen Tageszeitungen mit dem Gegenstand beschäftigen. Wie hier verlautet, wird die Angelegenheit in nächster Zeit wohl auch im Reichstag zur Sprache kommen, und man nennt bereits einen bestimmten, nicht jüdischen Parlamentarier, der den Zionismus von der Tribüne des Reichstags aus einer scharfen Kritik zu unterziehen gedenkt.“ Die versteckte Denunziation, die der Berliner Korrespondent des Blattes sich leistet, daß „es sich um einen Kampf gegen die deutsche Sprache handelt“, wollen wir nur niedriger hängen, damit jedermann sieht, mit welchen Mitteln hiergegen den Zionismus vorgegangen wird! Jeder weiß, daß wir lediglich einen Kampf für die hebräische Sprache führen, und daß wir von allem Anfang an gerade auch im Interesse der deutschen Sprache das Vorgehen des Hilfsvereins für ungeschickt und unzweckmäßig erklärt haben — und wer das nicht weiß, sich aber informiert, ehe er Nachrichten verbreitet, der mußte sich von den Tatsachen selbst überzeugen lassen, daß es der Hilfsverein ist, der de facto die deutsche Sprache in Palästina schädigt! Doch das nur nebenbei — sollte diese denunziatorische Politik nunmehr von Palästina hierher übertragen werden, so gilt, was wir bereits vor zwei Wochen an dieser Stelle gesagt haben: wir werden uns zu wehren wissen! Wenn man uns aber damit zu schrecken sucht — oder uns gar die Schuld daran zuschieben will —, daß die nichtjüdische Öffentlichkeit sich bereits mit dem Gegenstand zu befassen beginnt, so ist das ein Schlag ins Wasser. Wir haben das Urteil nichtjüdischer Stellen, die sich ernsthaft mit der Angelegenheit befassen wollen, nicht zu scheuen, obwohl nicht wir es sind, die den Streit vor das Forum der Tagespresse gebracht haben. Die zionistische Leitung sowohl wie der Hilfsverein hatten sich zunächst mit ihren Mitteilungen stets nur an die jüdische Presse gewandt, wie im stillschweigenden Einverständnis, daß es sich hier um eine rein jüdische Sache handle. Da änderte sich die Situation mit einem Male. Vom „Berliner Tageblatt“ und der „Frankfurter Zeitung“ bis in die kleinsten Provinzblätter gelangte jenes vom W. T. B., dem offiziösen deutschen Nachrichtenbureau, verbreitete Telegramm, das wir in Nr. 51 der „Welt“ veröffentlichten, und das wir hier zum besseren Verständnis nochmals wiedergeben: Berlin. Wir werden um Veröffentlichung folgender Meldung aus Jerusalem ersucht: Seit Wochen versuchen zionistische Agitatoren in den Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem und Jaffa den geordneten Betrieb zu stören. Die Mehrzahl der ansässigen jüdischen Bevölkerung ist gegen die Agitatoren, welche vor Gewalttätigkeiten nicht zurückscheuen und infolgedessen den Eindruck friedlicher jüdischer Arbeit in Palästina durch ihr Auftreten zu gefährden drohen. Das war am 13. Dezember 1913. Vorher hatte sich einzig die „Köln. Ztg.“ am 9. Dezember in einer Jaffaer Korrespondenz, die den Hilfsvereinsstandpunkt so klar vertrat, daß über ihren Ursprung kein Zweifel sein kann, mit der Sache beschäftigt. Am 16. Dezember folgte dann das zweite Telegramm des Wolffschen Telegraphenbureaus, das folgendermaßen lautete: Jerusalem, 15. Dezember. Ein Teil der Lehrer in den Jerusalemer Schulen des Hilfsvereins der deutschen Juden hat einen Streik unter Hineinziehung der Schüler zur Teilnahme inszeniert, um auf diesem Wege zu erzwingen, daß das Hebräische, abgesehen von der Unterweisung in den Sprachen, ausschließliche Unterrichtssprache wird. Dieser Streik hat bereits zu Exzessen geführt. Von hier aus werden jetzt Gerüchte verbreitet über Gewalttaten der Polizei gegen die wegen ihres Streiks vom Amt suspendierten Lehrer. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Infolge der drohenden Haltung einer lärmenden Menge in der Straße, an der die Anstalten des Hilfsvereins und das Gebäude des deutschen Generalkonsulates liegen, und wegen Entführung von Schülern, eilte der deutsche Generalkonsul, dessen Schutz sämtliche Anstalten des Hilfsvereins in Jerusalem unterstehen, herbei und requirierte die Polizei. Kein Lehrer wurde gewaltsam entfernt, gegen keinen irgendeine polizeiliche Handlung vorgenommen, trotzdem die suspendierten Lehrer unter Verletzung des Hausfriedens Hetzreden an die Kinder hielten. Es folgte ein Telegramm, das der „Berliner Lokalanzeiger“ am 18. Dezember in folgender Form veröffentlichte : Die Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem leiden, wie bereits früher gemeldet, seit einiger Zeit unter den Angriffen gewisser zionistischer Elemente. Einer telegrapischen Meldung zufolge, wurde am Dienstag der Unterricht im Seminar durch Fensterein werfen und Werfen von Stinkbomben gestört. Der Gouverneur entsandte infolge dieser Vorgänge und der lärmenden Straßenansammlungen von streikenden Schülern und Lehrern Polizei zum Schutze der Kinder in den Schulen. Seitdem ist die Ruhe nicht mehr gestört worden. Die Hetzer fahren jedoch mit gewalttätigem Terrorismus fort. Selbst kleine Kinder werden gezwungen, ihr deutsches Schulheft zu zerreißen. Treue Lehrer werden unter Androhung schwerer materieller und sozialer Schädigung durch Abordnungen aufgefordert, kontraktbrüchig zu werden und sofort die Schulen zu verlassen. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Eltern protestierte erregt gegen die terroristischen Elemente, die nicht davor zurückweichen, ohne Wissen der Eltern Kinder zu verschleppen, und sprach die Erwartung aus, daß dem gefährlichen Treiben durch die Entrüstung der gesitteten Kreise Europas Einhalt geboten werde. Und aus dem weiteren Pressebetrieb des Hilfsvereins sei schließlich noch die folgende Depesche der „Voss. Ztg.“ zitiert, die am 28. Dezember erschien: Gegen die Hebraisierung des Technikums in Haifa. Unser ständiger Korrespondent in Konstantinopel drahtet: Der ,.0smanische Lloyd“ erfährt aus Haifa, daß die dortigen mohammedanischen Notabein das Eingreifen des Unterrichtsministers gegen die (von den Zionisten angestrebte) Hebraisierung des jüdischen Technikums und die daraus folgende Ausschließung der nichtjüdischen Eingeborenen erbaten. Die Notabein erklären, das Technikum sei von einzigartigem Wert für die gesamte Bevölkerung. Es wird niemand so naiv sein, anzunehmen, diese Nachrichten seien von zionistischer Seite lanciert worden — es wird uns aber hoffentlich auch niemand einreden wollen, das Interesse des Wolffschen Telegraphen- Bureaus und der deutschen Zeitungen für die jüdische Entwicklung Palästinas sei plötzlich so brennend ge-

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