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Die Welt · 1912-12-25 · 52 (25.12.1912) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
52 (25.12.1912)
Date
1912-12-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1628 PlE^ELf-—- - - — - Vf --iwr-.— Nr Wynberg. In der fast überfüllten Zionist Hall erstatteten am 8. September in einer Versammlung der Wynberg Zionist Association die Delegierten von Wynberg, die Herren L, Le vy , 1. Vudelman und M. F r y, Bericht über die Cape Provincial Conference. I?» NACHRICHTEN Für die Einheit des deutschen Judentums In Berlin wurde soeben ein Komitee zur Erhaltung der Einheit der deutschen judenheit auf breitester Basis gegründet, welches es sich zur Aufgabe setzt, gegen die drohende Gefahr einer schismatischen Zerklüftung innerhalb der deutschen Judenheit Vorbeiigungsmaßregeln zu treffen. Dieser Bewegung kann sich jeder Jude anschließen, der dieses Programm des Komitees anerkennt. Dem Komitee gehören Herren aller Richtungen an. Nationaljüdische Bestrebungen in Italien Ein erfreuliches Zeichen für den Aufschwung des jüdischen Lebens in Italien bietet der in Florenz angeregte Gedanke einer Studienstiftung für einen jüdischen Lehrer in Italien, der zur praktischen Erlernung der hebräischen als lebenden Sprache einige Zeit in Palästina verbringen und sich so unser nationales Idiom aneignen soll, uin es dann auch als solches lehren zu können. Die Sammlung wurde überall sehr beifällig ausgenommen und hat schon eine beträchtliche Summe ergeben. Es steht zu hoffen, daß der zu diesem Zwecke nötige Betrag bald aufgebracht wird. Ebenso erfreulich ist es, daß das Komitee der jüdischen Gemeinden Italiens nun schon zum zweitenmal zusammengetreten ist, wie auch im Laufe dieses Monats in Turin der zweite Kongreß der jüdischen Jugend sich versammeln wird. Es sind dies sehr willkommene Anzeichen dafür, daß sich in Italien jüdisches Leben neu zu regen beginnt. Die in diesen Kongressen zu erörternden Fragen sind von der größten Wichtigkeit für das italienische Judentum; u. a. zielen sie auf eine einheitliche Organisierung desselben hin. 30 jähriges Stiftungsfest der Verbindung Kadimah in Wien Die erste zionistische Studentenverbindung Kadimah in Wien feiert im Januar 1913 den Ablauf ihres 60. Semesters. Das Festprogramm lautet: 27. Januar: Begrüßungsabend. 26. Januar: Ball. 29. Januar: Festkonvent. 30. Januar (vormittags): Besuch des Grabes Herzls; (abends): Kommers. 31. Januar: Zionistisches Meeting. 1. Februar: Festbummel auf der Aula der Universität. 2. Februar: Ausflug. Rosenthals Mörder\zum Tode verurteilt (Von unserem Berichterstatter.) New York. Die vier Mordbuben, die den Spielhausbesitzer Hermann R o s e n t h a 1, auf Anstiftern des Polizeileutnants Becker, erschossen haben, sind nunmehr sämtlich zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt worden. Nach deutschem Recht wäre dieser Urteilsspruch schwerlich möglich gewesen, hier in Amerika hingegen, wo der persönlichen Initiative von Richter und Jury ein viel größerer Spielraum gelassen ist, faßt man dieses Todesurteil als ein hartes, aber berechtigtes Abschreckungsmittel für ähnliche Elemente unter den Einwanderern auf. Man kann sich eines Schauers nicht erwehren, wenn man das Leben dieser vier jüdischen Mörder überblickt und dadurch eine Vorstellung davon erhält, wie tief Laster und Verbrechen sich in das Mark des jüdischen Proletariats auf der New Yorker Ostseite eingefressen haben. Und doch hat dieser tieftraurige Prozeß und die Woge des Antisemitismus, die er entfesselt hat, sein Gutes gehabt: er hat denen, die sich gern etwas vormachen und den Kopf in den Sand stecken möchten, plötzlich über die wahren Verhältnisse und auch über die Wurzeln der Uebel in der amerikanischen Judenheit die Augen geöffnet und hat jüdische Gesellschaften und Persönlichkeiten, die bisher durch tiefe Unterschiede in der Auffassung ihres Judentums getrennt waren, zu gemeinsamer Arbeit verbunden. Allenthalben regen sich Bestrebungen zur Hebung jüdischer Moral und Kultur — vielleicht wird es den amerikanischen Juden nun auch einleuchten, daß auch die Vereinigten Staaten nicht „das gelobte Land", sondern die „Diaspora" sind, und damit wäre der erste Schritt zum Zionismus getan. Bundessenator Isidor Rayner (Von unserem Berichterstatter.) N e w York. An einer Nervenentzündung verschied am 25. November Bundessenator Isidor Rayner von Maryland, eines der bedeutendsten demokratischen Mitglieder des Senates, ln ihm verliert Amerika eine seiner hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten im öffentlichen Leben. Bundessenator Isidor Rayner wurde am 11. April 1850 als Sohn eines der hervorragendsten deutschen Juden William S. Rayner, des treuesten Freundes des großen, so mutig in der Sezessionszeit für die Union einstehenden Rabbiners David Einhorn, in Baltimore geboren. Isidor erhielt eine vorzügliche Erziehung, widmete sich mit großem Erfolge in seiner Geburtsstadt der Rechtspraxis und zeichnete sich als Reformdemokrat in der Gesetzgebung Marylands, noch mehr aber im Repräsentantenhaus des Kongresses aus, in welches er dreimal gewählt wurde. Internationalen Ruf gewann Rayner im Jahre 1901 als Verteidiger des Admirals Schley vor der Untersuchungskornmission in Washington, in dem von den Freunden Admiral Sampsoiis gegen Schley wegen dessen Verhalten in der Seeschlacht von Santiago eingeleiteten Verfahren. Bei der Verteidigung Schlevs bewies Rayner einen Scharfsinn, eine Schlagfertigkeit, einen edlen Eifer für Wahrheit und Gerechtigkeit und eine Beredtsamkeit, wie sie niemals übertroffen worden sind. David Heinrich Müller gestorben Wien. Am 21. d. M. ist hier der hervorragende jüdische Orientalist David Heinrich Müller, Professor der semitischen Philologie an der Wiener Universität, im Alter von 66 Jahren gestorben. Müller genoß namentlich als ausgezeichneter Kenner der südarabischen Dialekte hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Er hat sich auch um die Erforschung der althebräischen Metrik sowie um die hebräische Lexikographie bleibende Verdienste erworben und war ferner als tüchtiger Assyriologe bekannt. In früheren Jahren gehörte er auch dem Lehrkörper der Jüdisch-Theologischen Lehranstalt in Wien an und las dort über hebräische Grammatik und jüdische Religionsphilosophie. Von seinen Schriften zur Bibelwissenschaft sind zu nennen: Ezechiel-Studien, Wien 1895; Die Propheten in ihrer ursprünglichen Form, 2 Bde, Wien 1896; Strophenbau und Responsen, neue Beiträge, Wien 1898; Neue Wahrnehmungen bezüglich der prophetischen Kunstformen, Wien 1910. Müller schrieb ferner u. a.: Südarabische Studien, 1877; Die Burgen und Schlösser Südarabiens, 2 Bde., 1879/81; Die Mehri- und Soqotri-Sprache, 3 Bde., 1902—07; Die Gesetze Hammurabßs und ihr Verhältnis zur mosaischen Gesetzgebung sowie zu den 12 Tafeln, 1903. Spezifisch jüdisch-wissenschaftliche Gegenstände behandelte Müller in den Schriften: Rezensionen und Versionen des Eldad Ha-Dani (1892) und Die Haggada von Serajevo (1898). Müller war Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften und Mitherausgeber der Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes. Tod des orthodoxen Oberrabbiners von Czernowitz (Von unserem Berichterstatter.) Czernowitz. Am 18. d. M. starb hier das Oberhaupt der orthodoxen Juden, Benjamin Weiß, im Alter von 70 Jahren. Rabbiner Weiß erfreute sich während seiner mehr als vierzigjährigen Wirksamkeit in Czernowitz sowohl wegen seiner Autorität in der jüdischen Gelehrsamkeit als auch wegen seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften allgemeiner Hochachtung und Beliebtheit. Er besaß ferner eine bedeutende weltliche Bildung und verblüffte in seinen gelegentlichen deutschen Predigten durch schwungvollen, bilderreichen Stil. Allgemein nachgerühmt wird ihm Gerechtigkeitsliebe und Weltklugheit, so daß in zahlreichen Fällen sich sogar Nichtjuden seinem schiedsrichterlichen Urteil unterwarfen. Der zionistischen Bewegung stand er sympathisch gegenüber, ohne diese Gesinnung allerdings ostentativ zu bekunden. Anläßlich seines 40 jährigen Raboinerjubiläums verlieh ihm der Kaiser

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