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Die Welt · 1912-12-13 · 50 (13.12.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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156G Nr. 50 DIE30&ELT sprachen bestand. Herr Idelsohn sang das „El mol eh rachamim“. Das Cheschwan-Heft des „Hachinuch“ enthält eine Reihe wichtiger Arbeiten. I)r. R o s e n s t e i n - Jaffa schreibt über den Unterricht der Mathematik in den Schulen, Ethan Jerusalem über die erzieherische Bedeutung der Naturkunde, Prof. Hensels Darstellung von Rousseaus Pädagogik wird von K r i t s c h e w s k y übertragen. Auerbachs Buch „Türkei“ unterzieht Pre ß einer sachlichen und recht ausführlichen Kritik. R e i c h a r d - Haifa bietet eine Probelektion in der Botanik. Außerdem bringt das Heft noch Arbeiten von Hemfeld, Bar-Tobia u. a. dürfnis nach gut eingerichteten Hotels in den jüdischen Kolonien gezeitigt. Bis jetzt nahmen die Kolonien Sichren- Jakob und G e d e r a h (Katra) darin eine bevorzugte Stellung ein. In letzter Zeit hat nun der Kolonist C h a r! a p in Rech o - b o t h einen recht hübschen Bau in schöner Lage für Hotelzwecke aufführen lassen. Rechoboth ist nämlich sowohl bei den Touristen als auch bei den palästinischen Städtern wegen seines gesunden Klimas und seiner intelligenten Bewohnerschaft als Sommerfrische sehr geschätzt. Es befindet sich daher dort noch ein zweites Hotel in einem gemieteten Hause, das sich ebenfalls eines sehr regen Zuspruchs erfreut. Auch in N e ß - Zionah wurde dieser Tage ein Hotel eröffnet. Die palästinischen Schriftsteller haben ein Sammelbuch herausgegeben, das hauptsächlich literarisch wirken will. Von den größeren belletristischen Arbeiten sind Erzählungen von A g n o n: „LelotlT* (Nächte) und von () r 1 o f f: „Haiiaar Bumo“ (Der Knabe Bumo) zu nennen. Agnon verläßt hier den volkstümlichen Stil, den er mit so großem Erfolg in seiner letzten größeren Erzählung „Hajah He-Akobh Le-Mischor“ gehandhabt hat, und versucht sich in der verfeinerten modernen Darstellungsweise, die sich an H a m sun anlehnt. Sprachlich entfaltet er auch in der neuen Arbeit ein großes Können, aber eine tiefe Wirkung bleibt ihm hier versagt. Fast genau das Gegenteil gilt von L. A. Orloff, der sich auf das moderne Erzählen gut versteht, aber sprachlich nicht befriedigt. „Frl. Finkel“ von K. L. Siimann ist ein anspruchsloses, aber in allen Einzelheiten gut durchgeführtes Bild aus dem Leben junger Juden in Palästina. Die Gedichte von F i c h m a n n, S c h e i e r, L u s i z k y , R i m o n , S o 1 o d o r und Ch. L. B. sind fast durchweg gediegen. Das Buch, das in Jerusalem gedruckt und hübsch ausgestattet ist, enthält noch einen Essay von L a c h o w e r über „Theodor Herzl“ und zum Schluß eine Arbeit von Rabbi B e n j a m i n (Feldmann), die sich mit Achaad-Haams letzten Aeußerungen über Palästina und die Araberfrage im Sinne gemeinsamen Arbeitens au dem wirtschaftlichen Fortschritt Palästinas befaßt. Kleine Nachrichten Klavierlehrer Mosche Schallt aus Petersburg, der sich mehrere Jahre mit jüdischer Musik befaßte, ist in Jaffa angelangt, wo er an der Musikschule auch durch Erteilung theoretischen Unterrichtes wirken wird. ln diesem Jahre sind am Jaffaer Gymnasium sechs neue Lehrer hinzugekornmeni: Ing. Kapiansky (Mathematik), Berger (Physik), W a 1 d s t e i n (hehr. Literatur),- B a r k u s (Hebräisch), Busagio (Arabisch) und Frau Busagio (Französisch). Die Jaffaer „Toynbee Halle‘‘ kündigt für die nächste Woche fünf Referate wissenschaftlichen Inhalts an. ln allen Schulen finden große Vorbereitungen für das Chanukahfest statt. Sir Wilkocks, der von seinen technischen Arbeiten in Aegypten bekannt ist, weilte einige Tage in Jerusalem und in Jericho. Man bringt seine Reise mit Plänen einer ägyptisch-syrischen Gesellschaft in Verbindung, die die ehemaligen Dschiftlik-Ländereien vom Staate erwerben will, um Baumwolle und andere bewässerte Kulturen anzubauen. Hotelwesen in den jüdischen Kolonien Palästinas Die erfreulicherweise immer wachsende Zahl der jüdischen Palästinareisenden, die naturgemäß auch unsere Kolonien in steigendem Maße aufsuchen, hat schon seit langem das Be¬ Eröffnung der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethach-Tikwah Am 1. Kislew wurde, wie ursprünglich festgesetzt, die landwirtschaftliche Mittelschule in Pethach-Tikwah eröffnet. Für das erste S c h u I j a h r ist folgender Lehrplan aufgestellt worden: H ebräisch 4 Stunden wöchentlich G esehiehte, jüdische und allgemeine 4 „ ,, Geographie 2 ,, „ Französisch 3 Arabisch (fakultativ) 2 Botanik 2 Geometrie 2 Algebra 2 Chemie 2 Agrikulturchemie 2 ,, „ Zeichnen 3 Praktische Arbeit im Gemüsebau und in der Bienenzucht 2 'i >> Die Unterrichtssprache ist selbstverständlich das Hebräische. Der Lehrplan berücksichtigt allerdings in erster Reihe die Schüler aus Pethach-Tikwah selbst. Doch ist der Leiter der Schule, Dr. agr. Pickholz, der Ansicht, daß die dem Lehrplan zugrunde gelegten Prinzipien es auch auswärtigen Schülern ermöglichen werden, die Landwirtschaft theoretisch und praktisch zu erlernen. Dazu kommt, daß Pethach-Tikwah mit seinen mannigfachen Kulturen der geeignetste Ort für eine derartige Schule ist. Vom palästinensischen Orangenmarkt Der Balkankrieg beeinflußt bis zu einem gewissen Grade auch den hiesigen Orangenmarkt, da die Besitzer der Pflanzungen alljährlich ein großes Quantum Orangen nach Konstantinopel, Saloniki, Smyrna usw. zu schicken pflegten, was unter den gegenwärtigen Umständen ausgeschlossen erscheint. Andererseits heißt es, daß in diesem Jahre die Orangenernte in Spanien und Italien infolge vieler Regengüsse ungünstig ausgefallen sei, was wieder die Chancen für den palästinischen Orangenexport verbessert. Man zahlt in Palästina durchschnittlich per Kiste 3,25 Frs. Die Vertriebs- Gesellschaft „Pardeß“ setzt ihre Bemühungen zur Gewinnung neuer Absatzgebiete fort. In den nächsten Tagen wird ein führendes Mitglied dieser Gesellschaft, Herr Golomb, nach Odessa reisen, um dort die Einfuhr der palästinischen Orangen zu organisieren. Auch Australien gewinnt als Absatzgebiet immer mehr an Bedeutung, da es im Winter keine eigenen Orangen hat und die palästinische Orange den weiten Transport gut verträgt. Indessen bleibt noch immer Liverpool der hauptsächliche Einfuhrhafen für die palästinische Orange.

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