Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1496, . .- DIE LT ' ■ ■ ' .—.r..jNr. 48 M. üeier Vorträge halten werden. — Arn 17. November sprach Dr. Korngriin in Wasch kan tz über „Unsere Palästinaarbeit“, konferierte hierauf mit dem Arbeitskomitee, welches unter der Leitung seines Präsidenten, des Lehrers Ehrlich, eine sehr eifrige Tätigkeit entwickelt hat, lind besuchte schließlich die ausgezeichnete hebräische Schule. — Am 19. d. M. besuchte Dr. Korngrün die Stadt S e r e t h, wo ein sehr rühriges Arbeitskomitee tätig ist. An der Spitze stehen Dr. Weinstein und Prof K at z. Zu besuchen sind noch die Städte R a d a n t z, Kotz m a r, S t o r o z y n e t z, Z a s t a w n a. Ein Vortrag Dr. Theilhabers (Von unserem Berichterstatter.) Budapest Am 17. November d. j. sprach in einer von der zionistischen Hochschulvereinigung „Makkabaea" veranstalteten Versammlung unser Gg. Herr Dr. Felix A. Theilhaber über das Thema „Der Untergang der deutschen Juden“. Der Vortrag fand im Festsaale der Kultusgemeindc vor einer überaus zahlreichen und distinguierten Zuhörerschaft statt. Es zeigt sich, daß unsere Veranstaltungen allmählich ein ständiges und immer zahlreicheres Publikum finden, wodurch das Verständnis für unsere Bewegung stetig gefördert wird. Es ist dies in erster Reihe unseren hervorragenden ausländischen, Gesinnungsgenossen zu danken, welche uns jetzt viel häufiger als früher aufsuchen und bei den Nichtzionisten begreiflicherweise ein größeres Interesse erwecken können, als wir. Es wäre im Interesse unserer Bewegung im höchsten Grade wünschenswert, daß die Besuche und Vorträge ausländischer Gesinnungsgenossen auch künftig recht zahlreich seien. Herr Dr. Theilhaber erörterte die in seinem bekannten Buche ausführlich behandelten Probleme der deutschen Juden, die Taufbewegung, die Mischehe und die Frage des Nachwuchses, um sodann auf die Notwendigkeit einer jüdischen Volkspolitik, die durch die zionistische Bewegung repräsentiert wird, hinzuweisen. Er brachte auch neues Material bei, welches demnächst veröffentlicht werden soll. * Czernowitz, Am 13. d. M. sprach auf Einladung der jüdisch-nationalen akademischen Verbindung „H asmonä a“ Dr. F. Theilhaber über „Die Zertrümmerung der deutschen Juden". Der Vortrag war zahlreich besucht. Proßnitz. Die Winterarbeit unserer Ortsgruppe wurde durch zwei Vorträge des Herrn Kurt Blumen feld aus Berlin eingeleitet, der am 17. Oktober über „Probleme des modernen Judentums“ und am 14. November über „Zionistische Arbeit und ihre Erfolge“ sprach. Beide Versammlungen waren außerordentlich gut besucht, und Herr Blumenfeld erntete für seine Ausführungen stürmischen Beifall. Erfreulich ist, daß sich die hiesigen jüdisch-nationalen Vereine zu gemeinsamer Arbeit zusammengeschlossen haben, indem ein Parteirat gegründet wurde, in welchem alle Vereine vertreten sind. Dadurch besitzen wir in Proßnitz eine testgefügte Parteiorganisation und hiervon läßt sich viel Gutes für die Zukunft erhoffen. Nachdem die jüdisch-nationalen Vereine mehr als ein Jahr obdachlos waren, wurde jetzt durch den Parteirat eine geräumige Wohnung gemietet, in welcher das jüdische Kasino untergebracht wird, so daß wir jetzt wieder, allerdings mit schweren Opfern, ein eigenes Heim besitzen werden. Im Laufe dieser Woche wurde hier ein Verein jüdischnationaler Handlungsgehilfen begründet. Die Zahl der Schekelzahler und die Einkünfte des Jüdischen Nationalfonds haben sich im Laufe dieses Jahres in Proßnitz verdoppelt. Die zionistische Ortsgruppe hat für diesen Winter eine Reihe von zionistischen und allgemeinen Vorträgen vorgesehen und als Vortragende prominente Persönlichkeiten gewonnen. [Schweiz Basel, ln unserer Ortsgruppe referierte Herr Dr. S. Brunschwig über die im gegenwärtigen Moment aktuelle Frage: Welchen Einfluß eine eventuelle Neugestaltung des türkischen Reiches auf die zionistische Politik ausüben würde. — Herr stud. jur. Karl Meier berichtete über den N. F. und dessen erfolgreiche Tätigkeit im Lande unserer Hoffnung. Eine lebhafte Diskussion schloß sich an. Serbien Der Tod .'eines Zionisten (Von unserem Berichterstatter.) Belgrad. Wie die serbischen Blätter melden, ist der Belgrader Kaufmann Mosche Amar, Reserveleutnant der Kavallerie, einer der aktivsten jungen Zionisten, bei Feresovits gefallen. Nach der Schlacht bei Kuinanovo rückten die serbischen Truppen gegen Feresovits vor. Leutnant Amar wurde mit einer Abteilung von 40 Reitern vorgesandt, um das Terrain zu besichtigen. Vor Feresovits kam ihm der Bürgermeister mit einigen Bürgern entgegen und meldete ihm, daß sich in der Stadt kein Militär befände und daß die Stadt sich ruhig ergeben würde. Nachdem Amar den Truppenkommandanten von dieser Mitteilung benachrichtigt hatte, erhielt er den Befehl, in die Stadt einzurücken. Das Innere der Stadt schien ruhig zu sein, als plötzlich aus den Häusern und den Nebenstraßen bewaffnete Arnauten hervorstürzten und auf die serbischen Reiter Feuer gaben. Schon nach den ersten Schüssen fiel Leutnant Amar. Acht Reitern gelang es, sich mit den Säbeln den Weg durch die Stadt zu bahnen und dem Truppenkommandanten von dem Ueberfall der Arnauten Meldung zu machen. Als die Serben kurz darauf in die Stadt einmarschierten, fanden sie am Marktplatz nur noch einige verstümmelte Leichen vor. Moscha Amar war ein tüchtiger junger Kaufmann und ein eifriger Zionist. Er war Gründer und Ausschußmitglied des zionistischen Jugendvereins „Gideon“, und in den letzten Jahren einer der Initiatoren und Arrangeure fast aller zionistischen Veranstaltungen. Amar stand im Alter von 26 Jahren und war Teilhaber der bekannten Belgrader Engrossistenfirma Samuel S. Amar & Sohn. Ehre seinem Andenken. Frankreich Paris. Am 23. November fand im Saale Kowarski ein gut besuchter Diskussionsabend des Vereins „Mebassereth Zion" über das Thema: „Das Problem der jüdischen Jugend" statt. Voraus ging ein Referat über „Die jüdischen Tagesfragen". Die Referenten waren die Herren Baumgarten und Roukhomowsky. England •| Ü Eine Zionistenkonferenz in London (Von unserem Berichterstatter.) London. Der Wunsch, neue Kräfte heranzuziehen und den englischen Zionismus auf eine festere Basis zu stellen, brachte den Joint Zionist Council auf den Gedanken, eine Konferenz einzuberufen, in der die jetzigen Leiter und früheren Mitarbeiter in Verbindung treten könnten. Die Konferenz, die im Hotel Great Central vorigen Sonntag unter dem Vorsitze Dr. H i r s c h s stattfand, war gut besucht, obwohl eine Anzahl hervorragender Gesinnungsgenossen, wie Dr. Gaster, Mr. Herbert Bentwich, Mr. L. Kessler, am Erscheinen verhindert waren. Dr. Hirsch führte aus, daß die Konferenz vor allem einen praktischen Zweck haben sollte. Nicht um für oder wider die Bewegung zu sprechen wären sie da, sondern um den Zionismus in England zu fördern. Was weiß der gewöhnliche englische Jude vom Zionismus? Haben die englischen Juden auch einen annähernd richtigen Begriff von der Bewegung? Viele haben gewiß von kolonisatorischen Unternehmungen in Palästina gehört, aber haben sie sich je der Mühe unterzogen, nachzufragen, woher die Mittel dazu genommen werden? Es gibt verschiedene Aufgaben des Zionismus — kolonisatorische, kulturelle, finanzielle und politische —, von welchen die englischen Juden keine blasse Ahnung haben. Der Grund, warum der Zionismus so schwach unter den englischen Juden ist, ist in ihrer Unwissenheit zu suchen. Die Verbreitung von Kenntnissen über den Zionismus wäre aber nur eine der Aufgaben der Konferenz. Es ist nötig, eine kompakte Masse zionistischer Arbeiter unter den englischen Juden zu schaffen, deren Anteil an der zionistischen Arbeit kläglich klein ist. Weitere Referate hielten Mr. S. Landman über „Die kolonisatorische Arbeit des Zionismus"; Mr. Leon Simon über „Kultur"; Mr. Paul Goodman über „Finanzen" und Mr. Benjamin Grad über „Politik".