Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316561--56754-3350709- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 47 - DIENTE LT 1461 diesen Zweck zu Gebote stehenden Mittel nicht ausreichend, weshalb wir uns hiermit an Gesinnungsgenossen und Vereine mit der höflichen Bitte wenden, uns durch Zuwendung von Büchern und Zeitschriften in hebräischer, jüdischer, deutscher und polnischer Sprache zu unterstützen. Sendungen sind an Herrn Israel Läufer, Sieniawa, Galizien, zu richten. I°°° NACHRICHTEN Literarischer Abend An unsere Leser/ Die diesjährige Chanukkahnummer der „ Welt“ erscheint am 6. Dezember a. c. und wird neben litera rischen und belletristischen Beiträgen eine Anzahl bisher unveröffentlichter Reproduktionen, u. a. auch vom Bezalel, enthalten. Cer „Verein jüdischer Studierender aus Rußland“ in Berlin veranstaltet am Donnerstag, den 28. November, S1 - Uhr, in den Sophiensälen (Virchow-Saal), Sophienstr. 17 18, einen literarischen ,V o r t r a g s a b e n d. Der bekannte jüdische Schriftsteller S. J. Onoichi wird aus eigenen Werken vorlesen. Eintrittskarten zu 2 u. 1 M. sind zu haben: im Vereinsbureau (Friedrichstr. 141, Tel. Ztr. III, 86), in der Buchhandlung M. Gonzer (Oranienburger Str. 26) und an der Abendkasse. Vom Bezalel In einigen Wochen wird Herr Prof. Boris Schatz sich mit einer reichen Kollektion von Waren aus den Werkstätten der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem nach Amerika begeben. Dort sollen Ausstellungen der Bezalel-Erzeugnisse veranstaltet werden, und es ist zu hoffen, daß diese Ausstellungen die Popularität des Bezalel in Amerika erheblich steigern werden. Sowohl für den Absatz von Waren wie für die Gewinnung von Freunden und Förderern des Bezalel wird die Reise des Herrn Prof. Schatz von großem Nutzen sein. Auch durch ihre sonstige Ausstattung dürfte sich diese Nummer zur Propaganda besonders bei den Makkabäerfeiern sehr gut eignen. Wir empfehlen daher unseren Lesern, insbesondere aber den Vereinen und Vertrauensmännern, rechtzeitig eine Anzahl von Exemplaren der Chanukkahn ummer zu bestellen. Wir berechnen: 10 Exemplare mit M. 5, ~ 25 „ „ „ 11,25 50 „ „ » 20- 100 „ „ „ 35- Austritte aus dem Judentum in Ungarn Nach dem Ungarischen Statistischen Jahrbuch sind im Jahre 1910 in Ungarn 512 Juden (263 Personen männlichen, 249 weiblichen Geschlechts) aus dem Judentum ausgetreten. In demselben Jahre traten 124 Personen (43 männlich^ 81 weiblich) zum Judentum über. In den letzten 15 Jahren sind im eigentlichen Ungarn insgesamt 5046 Personen aus dem Judentum ausgetreten, in Kroatien-Sla vonicn betrug die Zahl der Austretenden von 1898 bis 1910 285. Bestellungen (nur gegen Voreinsendung des Betrages oder Nachnahmej richte man an den Verlag „Die Welf ‘ BERLIN W15, Sächsische Str. 8 Der heutigen Gesamtauflage liegt eine Bestellkarte bei, die wir zu benutzen bitten. LITERARISCHE RUNDSCHAU Adolf Rothschild: Erlebtes. Erzählungen für die Jugend und ihre Freunde. Verlag von Louis Lamm, Berlin 1012. Friedrich Fürst Wredc: Die Goldschilds. Die Geschichte einer jüdischen Familie. Dritte Auflage. Ernst Hofmann A Co., Berlin. 1912. Benedictus L e v i t a: Der König von Juda. Eine Geschichte, die einmal wahr werden könnte. Dieterichsche Verlagsbuchhandlung (Theodor Weicher) Leipzig 1912. Ir. schlichter, anspruchsloser Weise erzählt Adolf Rothschild, Lehrer in Bremen, der „Jugend und ihren Freunden“ von dem Leben in jüdischen Gemeinden, schildert liebe Gestalten, jung und alt, deren freundliche Erscheinung heimelige Gefühle in uns erweckt. Das Werkelten will in angenehmer, eindringlicher Art lehr e n , die kleinen Leser zum Nachdenken anregen, und erreicht diesen Zweck in ansprechender Form. Dabei hat es der Verfasser verstanden, ohne die sonst so beliebte Unterstreichung der „Moral“ den Kindern die Einheit jüdischen Wesens in allen seinen Erscheinungsformen lebendig vor die Augen zu fuhren. Das jüdische Wesen findet auch in dem flüssig geschriebenen Roman des Fürsten Friedrich Wrede, der zum erstenmal vor 15 Jahren in der „Welt" erschienen ist, eine packende Darstellung. An dem Werdegang einer jüdischen Familie, die aus der Enge einer mährischen Kleinstadt ihren Weg nimmt in die verwirrende Vielgestaltigkeit der österreichischen Residenz, wird die Entwicklung der westeuropäischen Judenheit gezeigt vom festen Pol religiöser Sicherheit, die noch in den 50 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts allgemein herrschte, zu der inneren Zerrissenheit, die unserer Zeit ihren Stempel aufdrückt. David Goldschild, ein jüdischer Mediziner, hat in hoffnungsfreudiger Begeisterung auf den Barrikaden gekämpft gegen die Feinde der Freiheit, gekämpft mit dem Glauben, daß die wahre Gleichheit nunmehr ihren Thron aufrichten werde inmitten der Völker. Doch seine Zuversicht wurde zuschanden: die ehemaligen Unterdrückten hatten sich die Hilfe der Juden gerne gefallen lassen, versagten ihnen aber den Anteil am gemeinsam errungenen Recht. So wird der älteste und edelste der Goldschilds mit der Zeit ein resignierter Alter. Audi die Erfahrungen an seinen Vettern Raphael und Isak Goldschild verleiden ihm das Weiterführen des Kampfes um die Gleichberechtigung. Raphael war als Jüngling ein frommer Schwärmer gewesen, ließ sich dann infolge seiner Liehe zu einem einfachen Weinbauernrnädchen taufen, und verstand es schließlich, als - Paranientenhändler das Ideelle mit dem