Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 ---------------------------- Kleine Nachrichten In Haifa hat sich ein Komitee jüdischer Frauen gebildet, um Spenden für den Roten Halbmond zu sammeln. Der Chachambaschi von Jaffa und der dortige Oberrabbiner A. J. K u k veröffentlichen einen schwungvollen Aufruf, in welchem die jüdische Bevölkerung aufgefordert wird, zugunsten derjenigen armen Familien, deren Ernährer ins Feld gezogen sind, Spenden zu sammeln. Nach einer Meldung der Jerusalemer hebräischen Zeitung „Moriah“ hat die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika Herrn Samuel Edelmann zu ihrem Vizekonsul in Jerusalem ernannt. In letzter Woche ist wieder recht viel Regen niedergegangen. Jetzt werden im ganzen Lande die Bestellungsarbeiten aufgenommen werden können. Aus italienischen Fabriken kommen jetzt Briefe an palästinische Kaufleute, den durch den tripolitanischen Krieg unterbrochenen Geschäftsverkehr jetzt wieder aufzunehmen. Dozent Dr. Y aliud ah aus Berlin hielt in Jerusalem im Saale der Lämelschule zwei Vorträge über die jüdische Poesie in den ersten Zeiten der Bibel. 1459 Im Arbeiterklub in Pethach-Thikwah hielt S, J i b n a e 1 i einen Vortrag über das Thema: „Der Jemenite daheim und in Palästina.“ Todesfall In Jerusalem starb vor kurzem Herr Joel Moses Salomon, der zu den Gründern und ersten Kolonisten von Pethach- Tik wah gehörte und sich um das jüdische Kolonisationswerk in Palästina große Verdienste erworben hat. Mit seinem Freunde David Gutmann gründete er im Jahre 1878 in Jerusalem eine Gesellschaft jüdischer junger Leute, die mit geringfügigen Mitteln den Boden von M u 1 e b b i s (Pethach- Tikwah) erwarb und ihre Mitglieder dort als Ackerbauer ansiedelte. Als die ersten Ansiedler infolge der Malaria und anderer Widerwärtigkeiten die Kolonie verließen, blieben Salomon und Gutmann allein in der verödeten, von den arabischen Nachbarn bedrohten Kolonie zurück und bewirkten dadurch, daß das Terrain, auf dem sich jetzt die schönste und größte jüdische Kolonie Palästinas befindet, in jüdischem Besitz blieb. fooo o o o o|) C— [ o o o o o o o 1 AUS DER BEWEGUNG jf o o o o o o o o o o o o o Böhmischer Distriktstag (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Der Delegiertentag der Zionisten des Distrikts Böhmen hat Sonntag, den 17. November 1912, im Festsaal des jüdischen Rathauses in Prag stattgefunden. Der Obmann des abtretenden Distrikts-Komitees, Dr. Ludwig Singer, begrüßte alle Delegierten und insbesondere auch den Sekretär des Acti'ons-Comites, Kurt B 1 u m e n f e 1 d. Hierauf wurde folgendes Bureau gewählt: Als Vorsitzender Ernst Bechert (Teplitz), als Vizepräsidenten: Max Sondek (Kolm) und Dr. Alfred Engel (Prag), als Schriftführer: M. LJ. C. Franz Eckstein (Prag) und M. LJ. C. Gustav Asclierma n. n (Prag). Vorsitzender Bechert weist in längerer Rede auf die Vorgänge im Orient hin, durch welche wir uns in unserer Arbeit nicht irre machen lassen dürfen. Sekretär Blumenfeld überbringt die Grüße des A. C., das entschlossen ist, alle Ortsgruppen in ausgiebigster Weise in ihrer Arbeit zu unterstützen. Hierauf erstattet der Schriftführer des I>. K., Dr. Hugo Fl e r r m a n n, den Rechenschaftsbericht. Es gibt in Böhmen gegenwärtig 34 zionistische Ortsgruppen; neu gegründet wurden in diesem Jahre Krumau, Mies, Pribrarn, Wottitz, Dobris; Bodenbach ist gesichert und wird demnächst konstituiert. Aber abgesehen von dem Erschließen neuer Orte ist das Ansehen unserer Organisation allenthalben, insbesondere in Prag, in dauerndem Wachstum. Gerade die jungen Vereine sind sehr rührig, und die alten müssen von neuem Geist erfüllt werden. Ein erhöhtes Augenmerk hat das D. K. der Propaganda in dem tschechischen Sprachgebiet zugewandt, wo großartige Erfolge erzielt wurden. Durch die Herausgabe einer tschechischen Agitationsbroschüre, durch zahlreiche Versammlungen, mancherorts mehrere Male, wurde der Geist flauer Assimilation in diesen Gegenden erschüttert. Der Referent dankt für die Unterstützung in dieser Arbeit dein Studenten verein „Theodor Herzl“. In kultureller Hinsicht hat das D. K. die Herausgabe der Kinderheftchen zu Purim und Chanukah durch den Verein „Bar Koch ha“ unterstützt und die Bemühungen um die hebräische Sprache gefördert; eine eingerichtete Leihbibliothek konnte infolge verschiedener Mängel nicht den erwarteten Erfolg erzielen. Einer der wichtigsten Erfolge des D. K. war es, daß es seinen Bemühungen gelungen ist, das Prager jüdische Blatt „Selbst w e h rkC in den Besitz der Partei zu brimgen. Auch das von der Prager Gruppe der „Poale Zion“ in tschechischer Sprache herausgegebene Blatt wurde vom D. K. gefördert. Infolge der stets wachsenden Agenden ist es nötig geworden, ein zionistisches Bureau in Prag einzuricliten, was durch die verständnisvolle Unterstützung des A. C. möglich wurde. Einstweilen untersteht das Bureau einer freiwilligen Arbeitskommission unter Leitung des D. K. Referent dankt insbesondere den Studentenkorporationen und dem Beamten verein für die Mitarbeit. Das Verhältnis zu den zionistischen Behörden war das denkbar erfreulichste. Den Kassabericht erstattete der Kassierer des D. K. Herr Emil Thein. Die Einnahmen für Schekel betrugen 2377 Kr. und es sind noch Nachträge von etwa 200 Kr. zu erwarten. Die Parteisteuereingänge betrugen 3137,45 Kr., wovon 800 Kr. an das Wiener Z. K. abgeführt wurden. Der Vermögensstand wird mit 1480,22 Kr. für das nächste Jahr vorgetragen. Den N.-F.-Bericht erstattet Herr Prof. J. Wertheimer. Es wurden in der Berichtsperiode (11 Monate) 20 877,86 Kr. abgeführt. Für den Zentralfonds hat Böhmen bereits 3049 Kr. abgeführt, steht somit unter den westösterr. Distrikten weitaus an erster Stelle. In der Debatte über die Berichte sprechen die Herren Hirsch (Karlsbad), Ing. S I o n i t z (Prag), Pacovs k v (Prag), der die Notwendigkeit der Einbeziehung der Turn- und Sportpflege betont, Dr. Emil Margulies (Leitmeritz), Moritz L ö w y (Prag), Lieben (Prag), Dr. E n g e I (Prag), Welt sch (Prag), Dr. Hirsch (Komotau), Schiff Au Big), Pollak (Pribram). Es wurden insbesondere vielfach N.-F.- Angelegenhciten erörtert. Auch mehrere Mitglieder des D. K. greifen wiederholt in die Debatte ein. In der Mittagspause besichtigten die Delegierten die im nahen „ Rudolf inum“ eröffnete Kunstausstellung, in deren Rahmen auch der BezalcI einige seiner schönsten Erzeugnisse ausgestellt hat. In der Nachmittagssitzung gelangen die Anträge Dr. Margulies auf Absolutorium für das D. K., H o j t a s c h (Gablonz) auf Entlastung der N.-F.-Kommission nebst Dank an den N.-F.-Kommissär und das Bureau, ferner eine Resolution Paco vsky betreffend die Förderung der Turnbewegung zur einstimmigen Anna h in e. . Hierauf ergreift Sekr. Kurt BI umente Id das Wort zu seinem Referate über: „Die nächsten Aufgaben der Ortsgruppen“. ln einem 1Vl> ständigen Vortrag legt er die aus den Prinzipien des Zionismus folgenden Arbeitsmethoden dar. Das Referat Blumenfelds war das wertvollste Ergebnis des D. T. Hoffentlich werden die Delegierten seine Anregungen in ihren Ortsgruppen durchführen. Hierauf erstattet Dr. Ernst Gütig das Referat über die Presse. Er setzt auseinander, in welcher Weise die „Selbstwehr“ gefördert werden muß, und beantragt, das poale-zionistische Blatt „Zidovsky lidovy list“ zu subventionieren. Leber diesen Antrag entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Schließ-