Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1437 Nr. 46 DIE^ELT „wo die Sonne trüb durch Nebel blickt, wo der Sturm nicht braust, nur leichte Winde müd sich schaukeln . . Oie jüdischen Liebeslieder ähneln wahrhaftig einem blassen, jungen Mädchen irgendwo in Littauen. Ihr wundert euch, wenn ihr sie seht, über die Einfachheit ihrer Kleidung, über die Farblosigkeit der ganzen Erscheinung, und es scheint, auch1 ihr Gesicht ist ebenso reizlos, einfach, nichts Verlockendes in den Bewegungen, in den Linien. Und dennoch könnt ihr nicht gleichgültig vorübergehen: Etwas zieht euch an in diesem Mädchengesicht, und wenn ihr euch dann besinnt, was das sein mag, erkennt ihr: es ist der Zauber, der in ihren traurigen Augen eingeschlossen liegt, in diesen Augen, in denen sich die stille, stumme Wehmut widerspiegelt. Und es kann dann leicht geschehen, daß ihr glauben möchtet, auf diesem schmalen, blassen Gesicht ruhe mehr Schönheit als auf den temperamentbelebten Gesichtern und in den flammenden Augen der Mädchen, die da, die schwarze Mantillc Überwerfen, lustwandeln unter dem ewig blauen Himmel Andalusiens. Die jüdischen Liebeslieder mit den spanischen zu vergleichen, wäre allerdings lächerlich. Ich meine die jetzigen jüdischen Lieder. Denn einst, als auch die Juden im Glanz der Sonne badeten, nahe, innig-nahe der Natur, da wußten auch sie Mädchenlippen mit blutroten Granaten zu vergleichen, konnten auch sie ein Liebeslied schaffen, das da heißt: Das Hohelied . . . Im jüdischen Volkslied finden wir Frömmigkeit, Innigkeit, Stolz, Gläubigkeit, Optimismus und die stille Melancholie der Abenddämmerung. Sucht aber nicht darinnen, was sie zu geben nicht imstande sind. Für den Snob, der nach zierlich gedrechselten Worten und Versen sucht, der starke Farben und Töne begehrt, ist hier nichts zu finden. Diese Lieder sind geschaffen worden von armen, blassen Juden, von tief und wahrhaft gläubigen, aber in steter Not und stetem Schrecken lebenden Menschenkindern. Der jüdische Volksdichter scheint gefühlt zu haben, welche Kritik man an dem jüdischen Volksliede üben könnte, und es mutet wie eine Verteidigung an, wenn es in einem Liede heißt: „Zi fiehlst (Fühlst du), main Fraind, wos is dos asejns, A Folk, a klains, un grejß (groß) der Faind? . . . Ohn Waffen, ohn Mut, un liot nit kain Schutz, Un hefker (der Willkür preisgegeben) sain Guts un hefker sain Blut . . In einem Punkt allerdings stimmen wir mit dem Volkspoeten nicht überein. Nein, den Mut hat der Jude noch nicht verloren. Zum stärksten Akkord im jüdischen Volkslied schließen sich zusammen die Motive des Glaubens und der Hoffnung. . . . Schluß des redaktionellen Teiles Vom Bezalel Bei dem Unterzeichneten gingen ein, durch Herrn Jacob Bodek, Lemberg: N. N. durch Dr. Korkis 4 Kupons des J, C. T. Kr. 2.40, Fräulein Leonie Sußmann Erträgnis einer Jugendbibliothek Kr. 8.—. Ferner durch Frau Clara Jacoby - Barm aper, Agram: B. Reschnitzer, O. Rasenfeld, Mitgliederbeiträge je Kr. 5.—. Ferner durch S. S. Rubens, Amsterdam: jüdischer Nationalfonds-Handel S. S. Rubens M. 20.—, Fräulein Seline Bernstein, Watergraafsmeer Fl. 2.50. Ferner durch Frau Pevsner: Independent Order B’nai B’rith in Mobile Dollar 100.—. Bertrand Hamburg, Schatzmeister des Vereins „Bezalel“. Bei dem Jewish Colonial Trust, London sind eingegangen:!!; Für die Mittelschule Tachkemoni in Jaffa: per Max Wollsteiner, Berlin.JL 141.10 Für das Hebräische Gymnasium in Jaffa: per Max Wollsteiner.AL 70.70 Für das Jüdische Museum, Jerusalem: per Max Wollsteiner.. M. 5,— Für den Bezalel: per J. N. F., Bureau for American.8 2.— per J. Levy, Northingham.. £ 3.3 Eingegangen bei der Administration der „Welt“: Für die Israelitischen Musikschulen in Palästina: H. Braride, München .M. 5.— Eis- und Kühlmaschinen, In allen Ländern, in denen die Kultur ihren Einzug gehalten hat, macht sich das Bestreben geltend, die Errungenschaften der Technik für die Bedürfnisse der Menschheit nutzbar zu machen- Dies gilt besonders in bezug auf die Wirkungen der durch Maschinen erzeugten Kälte, welche sich auf allen Q-ebioten, auf welchen mit leicht verderblichen Waren gerechnet werden muß, vorzüglich bewährt hat; das Nahnvngs- und Genußmitteigewerbs ist sogar heutzutage ohne künstliche Kälte nicht mehr denkbar. Es mag gewiß naheliegend sein, die in der gemäßigten Zone gratis zur Verfügung stehende Winterkälte in Form von Wassereis zu ernten und für die heiße Jahreszeit aufzuspeichern. Aber die oft fragwürdige Herkunft des Natureises in Verbindung mit der Umständlichkeit und den dadurch bedingten sehr hohen Kosten der Ausnützung brachten es mit sich, daß gegenwärtig alle Betriebe, welcne Kälte für ihre Zwecke benötigen, zur künstlichen Kühlung übergegangen sind. Dal3 die Kühlmaschine / für die warme und heiße Zone f eine unbedingte Notwendigkeit jr ist, bedarf nach dem Gesagten;L wohl kaum noch der Be- F gründung. Die Leiter von Hotels undWarenhäusern usw., ja selbst Haus- und Villenbesitzer sehen sich genötigt, mit Rücksicht auf die klimatischen Verhältnisse der Aufstellung einer Kühlmaschine ernstlich nahe zu treten. Allerdings muß bei der Konstruktion gewissen Vorbedingungen Rechnung getragen werden, welche die Kühlmaschine zur Verwendung in den Tropen geeignet macht. — Eine Maschine, welche all diese Anforderungen in jeder Weise erfüllt, ist die „Astra-Eis- und Kühlmaschine“, welche ihre Brauchbarkeit selbst unterJden schwierigsten Verhältnissen hervorragend bewiesen hat, was in der gut durchdachten Konstruktion, Verwendung erstklassigen Materials und der hochsoliden Arbeitsausführung begründet ist. Nähere Auskunft erteilt das Bergedorfer Eisenwerk A. G. in Bergedorf hei Hamburg;>4. 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