Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1400 die Spezialisten vorwärts, die sich rasch eine zahlungsfähige Kundschaft von Juden und Arabern erwerben. Ein tüchtiger Tierarzt könnte leicht Beschäftigung finden, doch ist die Aufnahmefähigkeit Palästinas für Tierärzte sehr gering. Juristen und Philologen haben hier vorläufig keine Aussichten, es sei denn, daß sie sich nach Konstantinopel begeben, dort diese Wissenschaften in türkischer Sprache Nr. 45 studieren und dabei auch das Arabische erlernen. Gebildete Lehrer für Türkisch und Arabisch fehlen hier ganz, und für solche hat Palästina noch genügend Raum. Bei alledem ist natürlich vorauszusetzen, daß unsere Gesinnungsgenossen etwas Hebräisch verstehen. Die Vervollkommnung ihrer hebräischen Sprachkenntnisse wird sich hier an Ort und Stelle leicht aus der Praxis ergeben. diee^elt € AUS DER BE WEGUNG l o o o o o o o o o o o o Fjl i Die X Landeskonferenz der Zionisten in Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Die X. Landeskonferenz der Ungarländischen Zionistischen Organisation tagte am 27. und 28. Oktober in Budapest. Außer den Delegierten waren auch eine Anzahl von Vertrauensmännern und Gästen zugezogen worden. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident der Landesorganisation, Herr Ingenieur Benjamin B e r e g i. Er begrüßte die Vertreter der Zentralleitung, das Mitglied des E. A. C. Herrn Dr. Scheniarjah Levin sowie den Parteisekretär Herrn Dr. Philipp Korn grün, welche zu uns kamen, um uns mit Rat und Tat beizustehen. Sodann besprach er die Lage der Bewegung in Ungarn. Es ist bekannt, daß der Zionismus in Ungarn bei weitem nicht so stark ist, wie nach der großen Zahl der hier lebenden Juden zu erwarten wäre. Die Gründe hierfür sind mannigfach. in erster Reihe ist in Betracht zu ziehen, daß die ökonomische Lage des Judentums in Ungarn im allgemeinen eine mißliche ist. Der Kampf ums Dasein nimmt die gesamte Kraft der Juden derart in Anspruch, daß dabei ihr Interesse für das Wohl des (iesamtjudeiitunis verloren geht. Dennoch trat in den ersten Jahren der Organisation eine in Ungarn immer wiederkehrende Erscheinung zutage. Der Zionismus wurde Modesache, das Eener der Begeisterung loderte empor, um dann rasch zu verglimmen. Es war eben das in Ungarn übliche Strohfeuer, welches in ganz kurzer Zeit erlischt. Die Begeisterung flaut ab, und nichts Positives bleibt zurück. Schrittweise muß dann wieder alles zurückerobert werden. Die zionistische Landesorganisation geht auch diesen Weg. Ein weiterer Grund der langsamen Entwicklung bestellt darin, daß das jüdische öffentliche Leben in Ungarn noch auf einer äußerst primitiven Stufe steht. Die Zionisten müssen, um es zu stärken, auch in nichtzionistischen Vereinen Mitarbeiten, und sie achten streng darauf, daß der antizionistische Geist zurückgedrängt wird. Die größte jüdische Aktion des letzten Jahres, die Einigungsbewegung des Judentums in Ungarn, fand im offiziellen Organe der Organisation, im „Zsidö Szemle" ihren ersten publizistischen Verfechter. Die Zionisten beteiligen sich auch weiterhin an dieser Aktion. Die eifrige Mitarbeit bei den nichtzionistischen Vereinigungen hatte zur Folge, daß man die Arbeitskraft der Zionisten schätzen gelernt hat. Die Feindseligkeit gegen die Zionisten ist im Schwinden. Wir sind daher auf dem rechten Wege und unsere Aufgabe muß fortan sein: durch ständige Arbeit die Sympathie der Judenheit Ungarns für unsere Bewegung und für Palästina zu gewinnen. Nach der mit Beifall aufgenommenen Eröffnungsrede wurde das Bureau konstituiert. Die Herren Wilhelm Klein (Szatmär), Ignaz Lustig (Ungvär), Dr. Bela Oesterreicher (Budapest) und Arnold Merbl (Temesvär) wurden in das Präsidium gewählt. Lebhaft akklainiert, ergriff das Mitglied des E. A. C., Herr Dr. Scheniarjah Lev in, das Wort und überbrachte uns in herzlichen Worten die Grüße der Zentralleitung. Dann kam er auf die Schwierigkeiten zu sprechen, mit denen die westeuropäische Judenheit seit der Emanzipation zu kämpfen hat. Wir müssen gute Staatsbürger sein, aber wir dürfen niemals auf das Recht verzichten, für die Zukunft des gesamten Judentums, für unsere Zukunft zu arbeiten. Die Worte des Herrn Dr. Levin lösten lebhafte Beifallskundgebungen aus. Parteisekretär Dr. Josef S c h ö n f e 1 d erstattete nun den Geschäftsbericht. Er führte u. a. aus: Unsere zehnjährige zionistische Arbeit war auf die innere Struktur des Judentums in Ungarn nicht ohne Einfluß. Wenn wir einen Vergleich anstellen zwischen dem Zustand des ungarischen Judentums vor zehn Jahren und heute, so wird jedermann die Wirkung unserer Bewegung feststellen müssen. Es muß nun die Zeit kommen, wo die innere Erstarkung der Bewegung der äußeren Erstarkung gleichkommt. Zu diesem Zwecke wurde das Parteisekretariat eingerichtet, über dessen Wirken vorläufig noch kein Urteil gefällt werden kann, da es nur ganz kurze Zeit besteht. Es ist aber zu hoffen, daß das Parteisekretariat alle an seine Existenz geknüpften Hoffnungen erfüllen wird. Hierzu ist aber die tätige Mitarbeit sämtlicher Zionisten notwendig. Nach der Mittagspause erstattete Dr. Ludwig Dömeny den Bericht der Nationalfonds-Kommission. Die Berichtsperiode umfaßt die Zeit vom 16. Mai 1911 bis zum 15. Mai 1912. Während dieses Zeitraumes wurden für den J. N.-F. 11 600 Kronen gesammelt. Die Spenden wurden in 203 Ortschaften gesammelt. Daraus geht hervor, daß das Nationalfonds-Bureau in Ungarn eine große organisatorische Arbeit zu leisten hat. Die Betriebskosten des Bureaus haben sich verringert und werden sich bald im Rahmen der Betriebskosten anderer Nationalfonds-Bureaus bewegen. Die Einnahmen seit dem 16. Mai d. J. ergaben gegenüber dem Vorjahre ein besseres Ergebnis, so daß die Endsumme vom Jahre 1912 die Endsumme von 1911 wohl überschreiten wird. Das Wort erhielt nun Gg. Samuel Bettelheini (Preßburg) zu seinem Referate: „Die Vergangenheit und Zukunft der zionistischen Bewegung in Ungarn." Seine interessanten Ausführungen, die auch beachtenswerte Anregungen für die zukünftige Arbeit enthielten, fanden lebhaften Beifall. In der Debatte wies Ludwig Simon (Makkabaea, Budapest) auf die Wichtigkeit der Jugendorganisation und Propaganda hin und bat, auf diese Zweige der Organisationstätigkeit ein besonderes Augenmerk zu richten. Dr. Elias Blank (Märmarossziget) stellte bezüglich der Nationalfonds- Arbeit Anträge. Der Parteisekretär des E. A. C., Herr Dr. Kor n grün, beanstandete, daß die Arbeit nicht systematisch vor sich geht. Den aus anderen Ländern (Galizien usw.) eingewanderten Juden müßte eine große Aufmerksamkeit geschenkt werden, auch die Nationalfonds-Kommission müßte eine intensivere Tätigkeit entfalten. — Ihm erwiderten Herr