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Die Welt · 1912-11-01 · 44 (1.11.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
44 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1364 DIE3MELT Nr. 44 tätig' gewesen ist, nachdem er seine Fachstudien auf der Wiener Hochschule für Bodenkultur mit ausgezeichnetem Erfolge absolviert hatte, betraut. Die Schule wird einen vierjährigen Kursus umfassen und folgende Unterrichtsgegenstände sind in Aussicht genommen: Hebräisch, Französisch, Arabisch (fakultativ), Geschichte, Geographie, Mathematik, Chemie, Botanik, Physik, Zeichnen, Feldvermessung, Meteorologie, Zoologie, Geologie lind Mineralogie. Von der Agrikultur werden folgende Fächer unterrichtet werden: Bodenkunde, Pflan/enbaukunde, Viehzucht- und Heilkunde, Milchwirtschaft, Pflan/cnpathologie, Betriebslehre und landwirtschaftliche Buchführung, agrarpolitische Gesetzgebung in allgemeiner Uebersiclit, landwirtschaftliche Handelskunde, Arbeiten im Laboratorium, sowie in Feld und Garten. Aufgenommen werden Schüler, die eine Bürgerschule oder ein Untergymnasium absolviert haben. Für das nächste Jahr haben bereits Dr. Mettnann- Jaffa, Eisenstein, Direktor M u g r a b i sowie ein arabischer Lehrer ihre Mitwirkung zugesagt. Die Schule, für die bereits geeignete Räume gemietet wurden, wird in einem Monat, am 1. Kislew, eröffnet werden. Das Schulgeld beträgt 150 Frcs. jährlich. In den Vorstand wurden gewählt: Kolonist O o 1 o m b , Agr. P a s e a 1, Dir. M u g r a b i, Jeschaja Streit, Agr. Co h u und S a 1 o m o n. Außerdem wurde Herr J. R a b i ii o w i t z zum ehrenamtlichen Sekretär gewählt. Aus den Städten Jerusalem, 13. Oktober. Letzten Sonntag fand hier unter zahlreicher Beteiligung die Linweilning der neuen Jeschibah statt, die Herr Gerson Koben im Vororte „Giw’ath Schaul" erbaut hat. Der Saal der Jeschibah war überfüllt, so daß sehr viele draußen stehen mußten. Einige der anwesenden Rabbiner luelten Ansprachen an das Publikum, in welchen sie auf die Bedeutung der Anstalt für die Pflege des Talmudstudiums hinwiesen. Hierauf wurden mit Musik und Tanz zwei Thorarollen abgeholt, Geschenke, die der neuen Jeschibah gestiftet worden waren. Da die Herausgabe der orthodoxen Zeitung „Moriah" in letzter Zeit finanziellen Schwierigkeiten begegnete, hielten Vertreter orthodoxer Kreise eine Beratung ab, in welcher Weise das Blatt zu erhalten sei; zu diesem Zwecke wurde ein Komitee eingesetzt. Die „Moriah" ist bisher zweimal wöchentlich erschienen. Jetzt erscheint sie bereits viermal wöchentlich, und nach ihren .Angaben wird sie in nächster Zeit zu einer Tageszeitung umgewandelt werden. Im hiesigen Institute der Dominikaner sind gewisse Veränderungen vor sich gegangen. Die hiesigen Dominikaner gehören gewissermaßen einer wissenschaftlich-fortschrittlichen Richtung an. Ihre Bibliothek ist wohl die reichhaltigste in Jerusalem und sie steht jedem wissenschaftlich Arbeitenden, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, zur Verfügung. Seit 1392 geben sie eine „Revue Biblique“ heraus, die auf dem Gebiete der Bibel forsch ung Wertvolles geleistet hat. In letzter Zeit scheint man jedoch in kirchlichen Kreisen mit ihnen wenig zufrieden zu sein. Infolgedessen hat ihr geistliches Oberhaupt seine hiesige Stelle niedergelegt und wird überhaupt bis auf weiteres Palästina verlassen. Die „Revue Biblique" w ird in eine „Revue Palestinienne orientale“ umgewandelt werden und wird sich von nun au von der eigentlichen BibeForschung fern halten. Zirka 60 Freiwillige veranstalteten letzten Donnerstag eine patriotische Kundgebung, der sich bald viele hundert Personen anschlossen. Der Gouverneur Muhaddi Bey hielt eine zündende Ansprache, in welcher er darauf bin wies, daß in dieser Stund': der Bedrängnis Muslims, Juden und Christen sich zum Schutz des Vaterlandes in Treue und Eintracht vereinigen müssen. Ein alter Mann trat hervor und sagte: „Zweimal bin ich in den Krieg gezogen, jetzt bin ich zu alt dazu und darum bitte ich, meine beiden Söhne an meiner Statt anzunehmen. Wenn es nottut, stelle ich auch mein ganzes Vermögen zur Verfügung." Jaffa, 13. Oktober. Wegen der Mißstände in Tel-Awiw bezüglich der Wohnungsfrage, über die bereits in dem Aufsatz „Die Bausaison" in Nr. 39 der „Welt" berichtet wurde, fand kürzlich eine Versammlung der Mieter statt. Das eigentliche Referat hielt Dr. A. B. Rosenstein, der die jetzigen Zustände beleuchtete. Zum Schluß schlug er vor, daß die Mieter sich zu einem Verein zusammenschließen, der folgendes erstreben sollte: Herabsetzung der Miete, Verlegung des Umzugstermins auf einen Sommertag, weil der jetzt übliche Umzug im Winter mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden ist; ferner soll von nun an die Miete vierteljährlich im voraus bezahlt werden, während die Miete bis jetzt für das ganze Jahr im voraus entrichtet werden muß. Nachdem noch J. B a r s i 1 a i (Eisenstadt) über seinen Vorschlag betreffs einer Häuserbaugesellschaft gesprochen und Dr. Schermann sowie Sekretär Blume nfeld einige sachliche Bemerkungen vorgebracht hatten, erklärten sich die Anwesenden mit den Vorschlägen Rosensteins einverstanden, zu deren Realisierung ein Komitee eingesetzt wurde. Dem Komitee gehören an: Frau Dr. Thon , Dr. Schermann, Blumenfeld, Rosenstein und T vv e r s k y. Da die baldige Erbauung neuer ansprechender Wohnviertel der geeignetste Weg zur Lösung der jetzigen Wohnungskalamität ist, kann man es mit Freude begrüßen, daß es jetzt gelungen ist, in der Nähe von Tel-Awiw ein größeres Bauterrain zu erwerben. Am Chol-Hamoed fand hier im großen Saale des Gymnasiums ein Konzert des Violinlehrers H o p e n k o statt, das mit großem Beifall aufgenommen wurde. Weniger glücklich war die Aufführung eines Schauspiels von Schalom Asch, da die besten Kräfte — Frl. Veron, Gnessin und T e i t e 1m a n n — abwesend waren. — Ueber die Konferenz des „Hapoel Hazair" werde ich im nächsten Briefe berichten. Aus den Kolonien Rischon le-Zion. Seit mehr als einem Jahre ist man hier mit der Anlegung einer Wasserleitung beschäftigt. In letzter Zeit ist man mit den Arbeiten fertig geworden. Jetzt wird dem Gemüsebau in unserer Kolonie gewiß viel mehr Pflege zukommen. Hier sind bereits 3 jemenitische Familien in die neu erbauten Baracken eingezogen. Rechoboth. Unsere Kolonie hat auch für das kommende Jahr den Vertrag mit dem „Hasehomer“ erneuert, und zwar ward die Kolonie für das nächste Jahr (das ein Schaltjahr ist) 21 500 Frcs. für Bewachung der Kolonie und der Pflanzungen bezahlen. Trotz der Höhe des Betrages ist die Kolonie mit dem „Haschomer" zufrieden, da die frühere nichtjüdische Bewachung infolge der vielen Diebstähle noch viel kostspieliger war. Kinereth. Die amerikanische Vereinigung „Ha’ikkar Haza’ir" (Der junge Landwirt), die die Farm Kinereth gepachtet hat, hat in letzter Woche den Betrieb bereits übernommen. Ben-Schemen. Die Verwaltung der N.-F.-Farmen hier und in Hulda hat beschlossen, im nächsten Wirtschaftsjahr mehr neue Arbeiter heranzuziehen, damit ihnen Gelegenheit zur Erlernung der landwirtschaftlichen Arbeiten geboten wird.

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