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Die Welt · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 ' D1E3&ELT= 1327 v Die Juden und die Politik Von Dr. S. M. M€lamed, London Zunächst einige Zahlen und Daten, In den europäischen Parlamenten sitzen 120 Juden als Abgeordnete der verschiedenen Völker und beraten mit über deren Schicksal. Im gegenwärtigen englischen Kabinett sitzen drei Juden. Dem Ministerium Poincare gehört ein Jude namens Klotz als Finanzminister an. In Dänemark ist ein Jude namens Brandes ebenfalls Finanzminister. Selbst China hat jetzt einen jüdischen Staatsminister in der Person des Herrn Fischer. In den letzten fünf Jahren waren zwei Juden die Regierungschefs zweier Großmächte, Luz a 11 i in Italien und Monis, ein Brauereibesitzer aus Bordeaux, in Frankreich. Jüdische Unterstaatssekretäre gab es in den letzten Jahren in Italien, in der Türkei, in England und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Juden als Führer großer Parteien gibt es heute in allen zivilisierten Staaten, Haase und Bernstein in Deutschland, Adler in Oesterreich, R e i n a c h in Frankreich, Winaver und Sliosberg in Rußland, Strauß in den Vereinigten Staaten usw. Die Gründer der großen politischen Parteien in Deutschland waren alle ausschließlich Juden. Stahl war der Schöpfer des neuen preußischen Konservatismus, Lassalle hat die sozialdemokratische Partei begründet, Lasker und Bamberg er die liberalen Fraktionen, und noch früher galt Jacoby als das Licht der deutschen Demokratie. Die Tory-Demokratie hat der Jude D' Israeli geschaffen, und den modernen englischen Liberalismus mit seiner anti-individualistischen Tendenz haben Juden mitbegründen helfen. Ein Jude, Gersehuni, hat dem russischen Despotismus unheilbare Schläge versetzt und ein anderer Jude hat die russische Revolution zu einem großen Kladderadatsch geführt. Ein jüdischer General, Labruegue, wurde von der französischen Regierung mit der Mission betraut, nach Petersburg zu gehen, um sich mit dem russischen Generalstab über wichtige strategische und militärpolitische Fragen zu einigen. Es ist auch wichtig festzustellen, daß die größten Staatsrechtslehrer der Gegenwart Juden sind. Man denke nur an die Namen von Ass er, J e 11 i n e k, Cohen u. a. Mit einem Worte: die Juden sind als Politiker überall obenan, sowohl als Regierungschefs, wie als Führer revolutionärer Parteien. Damit ist aber das Kapitel „Juden in der Politik" noch bei weitem nicht geschlossen. Zwei große jüdische Denker der Gegenwart haben, bewußt oder unbewußt, ganze politische Schulen geschaffen. Der Revisionismus in der deutschen Sozialdemokratie ist ebenso an Hermann Cohen orientiert, wie der revolutionäre Syndikalismus in Frankreich an Henri Bergson. Noch vor kurzem hat die „Neue Freie Presse" auf die intuitive Philosophie Bergsons als auf den theoretischen Ausgangspunkt des revolutionären Syndikalismus hingewiesen. Dieser Syndikalismus ist einerseits ein Faktor im politischen Leben Frankreichs, andererseits ist er der Henker des intellektuell motivierten Sozialismus, den ein Jude, Marx, begründet hat. Daß der Revisionismus ein. , Tages über die starre Orthodoxie den Sieg davontrageil wird, kann für keinen zweifelhaft sein, der den Gang der Dinge in Deutschland mit offenem Auge betrachtet. Also wieder überall die Juden. Sie bauen und sie zerstören in der Politik, sie gründen politische Parteien und vernichten sie ... . immer die Juden. Die germanischen oder anglo-sächsischen Israeliten mosaischer oder keiner Konfession, die von einer Mission des Judentums unter den Völkern faseln, können wahrhaftig stolz sein... Wir Juden aber müssen uns schämen, wir müssen nachdenklich werden, wir müssen die tiefe Tragik, die in diesen Zahlen, Daten und Fakten liegt, verstehen lernen. Es gibt große Politiker, die — in der Regel kleine Juden sind; es gibt aber keine jüdische Politik. Jede Politik eines Volkes geht vom Volksganzen aus und ist für das Volksganze bestimmt, der Ausgangspunkt ist die Gesamtheit der Nation und der Zielpunkt die politische Zukunft dieser Nation. Theoretisch haben auch wir seit Herzl eine solche Politik, aber praktisch . . . zanken sich Paris und Berlin über die Frage: soll man die Juden für die französische oder für die deutsche Politik nutzbar machen? Praktisch sind wir Zionisten nur ein Bruchteil des Volkes, praktisch stellen wir zwar den allgemeinen jüdischen Willen dar, aber nicht den Willen aller . . . Juden, weil die Massen im Sozialismus versumpft sind und die Millionäre sehr wenig jüdische Ehre im Leibe und noch weniger politischen Verstand haben. Die Tatsache, daß Juden am politischen Leben der Völker in so hervorragendem Maße sich beteiligen, hat wenig gute und viel schlechte Folgen. Die Christliche Umwelt weiß nicht, daß die meisten dieser jüdischen Politiker gar kein Verhältnis zu ihrem eigenen Volke haben. Kommt ein Augenblick, wo politische Interventionen zugunsten der Juden notwendig sind, so enthalten sich die christlichen Politiker dieser Interventionen, weil sie in ihrer Naivität glauben, ihre jüdischen Kollegen würden intervenieren, und naturgemäß wollen sie diesen nicht vorgreifen. Manches christliche Mitglied des englischen Unterhauses hätte seine Stimme für die verfolgten russischen Juden erhoben, wenn das englisdie Unterhaus nicht 16 jüdische Mitglieder zählte. Das gleiche gilt gewiß für andere Parlamente. Diese jüdischen Politiker können und wollen nicht für ihre unterdrückten Stammesgenossen politisch eintreten, denn sie wollen, da sie Juden sind, Ueber-Engländer sein, und alles vermeiden, was den Verdacht erregen könnte, daß sie nicht Vollblut-Engländer mit ausschließlich englischen Interessen seien. Hier ein Beispiel. Anläßlich der letzten Judenmetzeleien in Marokko wurde Lord Rothschild angegangen, sidi für seine unglücklichen Volksbrüder politisch zu verwenden. Er sollte Sir Edward Grey ersuchen, für die marokkanischen Juden bei der französischen Regierung ein gutes Wort einzulegen. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß, da Marokko nicht Rußland ist, Sir Edward Grey Rothschilds Bitte nachgekommen wäre, aber Rothschild, der, obwohl er seinen Adel auf die Frankfurter Judengasse zurückführt, ein englischer Lord ist, antwortete: Als englischer Lord kann ich den'marokkanischen Juden ein paar tausend Schilling schenken, nicht aber für sie politisch intervenieren. Ich hätte diese unerhörte Antwort nicht geglaubt, wenn ich sie nicht mit meinen eigenen Ohren von einem Intimus Rothschilds auf einer kleinen Versammlung von englisch-jüdischen Notabein, zu der ich merkwürdigerweise auch eingeladen war, selbst gehört hätte. Die sogenannten jüdischen Politiker weigern sich, einer „Internationalen jüdischen Gesellschaft" selbst philanthropischen Charakters, anzugehören, um nicht in den Verdacht der Aufrechterhaltung einer allgemeinen jüdischen Soli-

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