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Die Welt · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 ■ -------- ...... - - DIE3 natürlich nur die Juden und seine Härte trat sofort zutage. Denn trotz der strengen Handhabung des Gesetzes konnten die Behörden die ganze Summe der Steuern nicht eintreiben. Die jüdischen Abgeordneten stellten auf Grund statistischer Untersuchungen fest, daß die Schanksteuern gerade um die Hälfte zu hoch bemessen seien. Sie stellten daher den Antrag, das Schanksteuerkontingent auf i/2 Million Kronen zu reduzieren. Der Antrag wurde nach einer lebhaften Debatte, in welcher als erster Prof. Dr. L. Kellner das Wort ergriff, fast einstimmig angenommen. In seiner Rede schilderte Prof. Kellner die triste Lage des jüdischen Schänkers, wies dann auf die Bedeutung der Juden für die .Industrialisierung der Bukowina hin und schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, aus den jüdischen Schänkern, die man inzwischen durch zu harte Maßregeln „nicht abschlachten" möge, in absehbarer Zeit Wirte zu machen, hier und in — Palästina. Zu dieser Frage sprachen ferner die Abgeordneten Dr. N. Wender und. Dr. Straucher. Obwohl die jüdischen Abgeordneten im letzten Momente einhellig vorgingen und einen Erfolg ihrer Bestrebungen zu verzeichnen haben, so läßt sich doch der Vorwurf nicht unterdrücken, daß diese so eminent wichtige jüdische Interessenfrage nicht gemeinsam von den jüdischen Abgeordneten studiert und in einem Sinne von Anfang an eingebracht worden ist. Die Folge davon war nämlich, daß von jüdischer Seite anfangs zwei in gewissem Sinne divergierende Anträge, die sich auf das mehrfach erwähnte Schanksteuergesetz bezogen, eingebracht und erst im Finanzausschüsse vereinheitlicht wurden. In der Debatte über den „Bericht des Schulausschusses" hielt Abg. Dr. Straucher eine längere Rede, in welcher er die Verwaltung der Schulbehörden einer scharfen Kritik unterzog. Insbesondere protestierte er gegen die Uebergehung jüdischer Bewerber bei der Besetzung von Lehrerstellen und gegen den jüngst von den deutschen Stadtschulräten gemachten Versuch einer Konfessionalisierung der Czernowitzer Volksschulen. Zum Schluß verlangte er die Anstellung eines jüdischen Bezirksschulinspektors und die Gründimg von Lehrerbildungsanstalten. Für die ganze Bukowina besteht nämlich nur eine einzige Lehrerbildungsanstalt in Czernowitz, in welche obendrein nur eine ganz beschränkte Zahl von jüdischen Zöglingen aufgenommen wird. * Der Bukowinaer Landtag wurde mit Rücksicht auf die Einberufung des Parlaments in Wien für den 22. Oktober bereits am 19., bevor die ganze Tagesordnung erledigt war, geschlossen. Die Einigungsbestrebungen des Judentums in Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, ließ sich endlich das zur Fortführung der Einigungsbestrebungen eingesetzte Komitee herbei, das erweiterte Hunderterkomitee zu einer Sitzung für den 22. d. M. einzuberufen. Als einen ganz sonderbaren Akt der Staatsweisheit müssen wir es auffassen, daß die Verhandlungen im vorhinein für streng geheim erklärt wurden, die Berichterstatter der Presse nicht zugelassen und auf die später zu veröffentlichenden amtlichen Communiques vertröstet, endlich einigen in Budapest wohnhaften Mitgliedern keine Einladungen zugestellt wurden. Dabei wurde ausdrücklich betont, daß der Eintritt nur gegen Vorzeigung der Einladung gestattet ist. Dieses — gelinde gesagt — höchst kleinliche Spiel, die Furcht vor der Oeffentlichkeit, vor der ■ELT - - 1325 Kritik, die Geheimtuerei und Wichtigmacherei bezeugen zur Genüge, daß die Führung der Autonomiebestrebungen sich nicht in den rechten Geleisen bewegt. Zurzeit liegt noch kein amtliches Communique über den Verlauf der Beratungen vor. Jüdische Statistik in Amerika (Von unserem Berichterstatter.) New York. Zahlen reden! Keine Zeit hat das deutlicher eingesehen als die unsere, die mit Bezug auf fast jedes Wissensgebiet sagen kann: im Anfang war die Statistik. Es wird heutzutage sehr viel über Juden und Judentum geschrieben, und bei einer solchen Fülle von Material kann es nicht ausbleiben, daß darunter manches subjektiv und hypothetisch ist und daher mehr geeignet, zu verwirren als aufzuklären. Um so freudiger ist es zu begrüßen, daß es eine Sammlung rein wissenschaftlichen Zahlenmaterials, eine Zusammenstellung nackter Tatsachen und Daten gibt, die in ihrer Gesamtheit ein deutlicheres Bild der jeweiligen Lebensepoche des jüdischen Volkes geben, als manche dickbändigen Werke dies vermögen. Diese Zusammenstellung bietet das amerikanische jüdische Jahrbuch, dessen 14. Band soeben erschienen ist*). Außerordentlich übersichtlich angelegt und mit größter Sorgfalt ausgearbeitet, gibt das Jahrbuch einen kürzeren Ueberblick über die Anzahl der Juden aller Länder, sowie — ebenfalls nach Ländern geordnet — eine Angabe der wichtigsten Ereignisse während des verflossenen Jahres, um auf die Haupterscheinungen im jüdischen Leben Amerikas in gesonderten Abschnitten näher einzugehen. Zahlen reden! Wenn man z. B. die Bevölkerungsziffern der verschiedenen Länder, überblickt und mit früheren Jahrbüchern vergleicht, so hat man 'ein deutliches Bild von Richtung und Tempo der jüdischen Wanderung. Ganze Bände erzählen die Zahlen für die jüdische Einwanderung in Amerika, die bis jetzt 1 632 399 Köpfe betrug. Sehr interessant ist ein chronologischer Vergleich der jüdischen Bevölkerungsziffern in den Vereinigten Staaten. Jahr Zahl der Juden 1818 3 000 1880 230 257 1912 2044 762 Besonders vielsagend sind diese Ziffern, wenn man sich die Verteilung der jüdischen Bevölkerung über die einzelnen Staaten ansieht, die merkwürdig ungleich ist und sehr wichtige Schlüsse auf Lebensführung, Beschäftigung, auf den Hang zu Stadt- oder Landleben usw. zuläßt. Man kann sich auch an Hand der trockenen Zahlen darüber informieren, was in den einzelnen Ländern geschehen, aber auch was nicht geschehen ist. So verraten z. B. die aus Deutschland, England und Frankreich gemeldeten Daten eine lebhafte Tätigkeit auf dem Gebiet jüdischer Organisationen, zahlreiche Auszeichnungen bedeutender Persönlich keiten und seitens der Regierung häufiges Eingehen au. Wünsche jüdischer Körperschaften. Auf der anderen Seite sprechen viele Ereignisse von mehr oder minder weitreichender Bedeutung von einer allen drei Ländern gemeinsamen antijüdischen Unterströmung, die sich oft als aktive oder passive Resistenz äußert. *) The American Jewish Year Book 5673, herausgegeben von Herbert Friedenwald für das American Jewish Committee, Verlag: The Jewish Publication Society of America, Philadelphia, i

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