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Die Welt · 1912-10-02 · 40 (2.10.1912) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
40 (2.10.1912)
Date
1912-10-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40 DIEÄELT 1243 ordentlich erhöhen, sondern es würde damit ein Sammelpunkt für die besten Elemente unserer Jugend geschaffen werden. Ohne den nötigen Unterbau werden wir aber niemals in Jerusalem das höhere Schul- und Bildungswesen, von dem wir alle träumen, erhalten und daher dürfen wir das Jerusalemer Gymnasium, das schwer um seine Existenz ringt, nicht seinem Schicksal überlassen. Betrachten wir nun die trockenen Zahlen, so gewinnen wir folgendes Bild: Es sind kaum zwei Jahre vorüber, seit man für die Schule neue Lehrkräfte gewonnen hat, und die Zahl der Schüler erreicht bereits fast die Höhe der Schülerzahl im deutsch-protestantischen Jerusalemer Gymnasium. Interessant ist, daß diese Schüler den verschiedensten Schichten und Gemeinden Jerusalems angehören, den Aschkenasim, Sefardim, Bucharern usw. 15 Schüler besuchten früher christliche, zum Teil auch reine Missionsanstalten. Insgesamt sind in diesen beiden Jahren 60 neue Schüler aufgenommen worden. Im abgelaufenen Jahre gab es 3 Vorbereitungs- und 4 Gymnasialklassen. Dabei hat die Schule mit einem Defizit von ca. 5000 Frds. zu kämpfen. Wie mir Herr Salomon Schiller, der Leiter des Jerusalemer Gymnasiums, auf Grund eingehender Berechnungen mitteilte, würde das Jerusalemer Gymnasium nach vier Jahren, wenn es bereits sämtliche Klassen besitzen wird, jährlich ca. 40 000 Frcs. für die laufenden Ausgaben benötigen. Da nun 20—25 000 Frcs. aus Schulgeldern eingehen werden, so wird das Gymnasium einen jährlichen Zuschuß von 15—20 000 Frcs. erfordern. Das ist ungefähr der Betrag, den die Jaffaer jüdische Mädchenschule jährlich braucht und auch vom Odessaer Komitee erhält. Jeder Unbefangene wird ohne weiteres zugeben, daf3 es eine Ehrensache für unser Volk ist, unter diesen Umständen das Jerusalemer Gymnasium zu erhalten und auszugestalten. Wenn wir Juden auch den anderen Nationen nicht sobald in der Errichtung von Prachtbauten in Jerusalem werden nacheifern können, so wollen wir doch zumindest das uns Erreichbare nicht verabsäumen: die gediegene Ausbildung unserer Jugend. Geben wir der Hauptstadt Jeruschaiajim das, was Jaffa bereits erhalten hat: ein jungjüdisches Zentrum! o o o o o o o C o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG |f o o o o o o cP| )) |o o o o oo oj Deutschland Köln. Donnerstag', den IQ. September, fand unter überaus zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis von Frau Fann y W o 1 f f s o h n statt. Neben den offiziellen Vertretern der Kölner jüdischen Körperschaften sind aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands, Englands u. a. m. Delegierte zionistischer Organisationen und Freunde des Wolffsohnschen Hauses erschienen, um der allzufrüh Verstorbenen die letzten Ehren zu erweisen. Das Engere Actions-Comite war durch Herrn Dr. Levin vertreten, die Zionistische Vereinigung für Deutschland durch Herrn Dr. Hans Gideon H e ymann. Ferner bemerkte man die Direktoren der Jüdischen Kolonialbank, Jakobus Kann- Haag, Josef C o w e n - London, sowie die Herren Dr. Friedemann-Wiesbaden, Dr. Leszinsky, Dr. Zwirn- Berlin, Dr. Wei n b e r g - Dortmund, Dr. G o 1 d b e r g - Neuenahr, Dr. Epstein- Duisburg li. a. m. Die Halle des Deutzer Friedhofes, auf dem vorläufig die Verstorbene zur Ruhe gebettet wurde, konnte die große Zahl der Erschienenen nicht fassen, so daß die Trauerfeier am Grabe stattfand. Rabbiner Dr. Rosenthal, der das Zeremonial vollzog, schilderte in ergreifenden Worten den großen Verlust, den die jüdische Gemeinde in Köln durch das Hinscheiden von Frau Fanny Wolffsohn erlitten hat. Unersetzlich aber sei der Verlust für David Wolffsohn, dem sie in seiner aufopfernden Arbeit für das gesamte Judentum fördernd zur Seite stand, ihn auf allen seinen großen Reisen begleitend und Leid und Freud mit ihm teilend. David Wolffsohn, den die Kölner Gemeinde mit Stolz den ihren nennt, möge in seinem großzügigen Wirken für Palästina und die Linderung der jüdischen Not Trost finden. Rabbiner Dr. Hannover hielt einen warmherzigen Nachruf, den er hebräisch einleitete und gab, in Würdigung des zionistischen Ideals, der Trauer um die Heimgegangene beredten Ausdruck. Dr. Schmarja L e v i n sprach irn Namen des Zionistischen Actions- Gomites hebräisch. David Wolffsohn, führte er u. a, aus, der so oft einen Kampf nach außen führen mußte, hatte die Genugtuung, daß er in seinem Hause auf volles Verständnis rechnen durfte. Seine Frau war ihm vom ersten Moment an eine treue Helferin und Stütze. Dr. H ey m an n - Berlin sprach im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und in Vertretung der Kölner Zionistischen Ortsgruppe, Dr. Boden heim er sprach namens des Nationalfonds und des Frauenverbandes für Kulturarbeit in Palästina, dem Frau Wolffsohn als Ehrenvorsitzende angehörte, und wies auf die David und Fanny Wolffsohn-Stiftung hin, die für Errichtung von Arbeitern ei mstätten in Palästina bestimmt ist und ein ewiges Denkmal der treuen jüdischen Gesinnung der Verstorbenen bleiben wird. Dr. Adolf Friedemann sprach im Namen der persönlichen Freunde des Wolffsohnschen Hauses, denen die Verblichene durch ihr freundliches und entgegenkommendes Wesen in besonderer dankbarer Erinnerung bleiben wird. Kennzeichnend für ihre echtjüdische Gesinnung sei ihr auf dem Krankenbette in den letzten Wochen innigst geäußerter Wunsch, daß ihre irdischen Ueberreste nach Erez-Israel überführt werden mögen. Alle Reden waren von einem tiefempfundenen Mitgefühl für Herrn David Wolffsohn erfüllt. Hamburg-Altona. Am 19. September erstattete Dr. G. H alpern ein ausführliches Referat über die Jahreskonferenz. In der sich anschließenden Diskussion vertrat Dr. Kalmus den Standpunkt der „Opposition". Die als Ablösung der Roschhaschanah-Gratulationen gespendeten 2 Jemeniten-Häuser werden nach den verdienstvollen langjährigen Vorstandsmitgliedern de~ hiesigen Ortsgruppe, Frau Hanny Huldschiner und Schriftsteller Dr. Richard Huldschiner, die Hamburg für unbestimmte Zeit verlassen, benannt. Österreich Palästina-Abend der Poale Zion (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Die Wiener Poale-Zionisten veranstalteten verflossenen Sonnabend einen Vortragsabend, der sehr stark besucht war. Herr S. Kaplanski-Kaplan hielt ein ausführliches, mehrstündiges Referat über seine in Palästina gesammelten Erfahrungen, schilderte zunächst ohne Schönfärberei den gegenwärtigen Zustand der Kolonien, um dann eingehend den Z u - sammenhang zwischen der Arbeiter- und Bauernfrage zu erörtern. Das System der Ika-Administration hat bekanntlieh auf die Kolonisten der präzionistischen Zeit nicht günstig gewirkt. Es

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