Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 38 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Preisausschreiben Das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds beabsichtigt die Herausgabe einer neuen Marke und ladet hierdurch alle Künstler ein, sich am Wettbewerb um die Anfertigung eines passenden Entwurfes zu beteiligen. Bedingungen: 1. Die Marke soll die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds, der bezweckt, Land in Palästina zur Besiedlung durch Juden zu erwerben, in klarer, allgemein verständlicher Weise zum Ausdruck bringen. 2. Sie soll die Aufschrift „Keren Kajemeth Le Jisroel" in hebräischer Quadratschrift tragen. 3. Das Format der ausgeführten Marke wird ca. 2\U X 3 cm betragen, und steht es den konkurrierenden Künstlern frei, Hoch- oder Querformat zu wählen. Auch können die Entwürfe in größerem Maßstabe ausgefertigt werden; es ist dann jedoch in der Zeichnung die spätere starke Verkleinerung zu berücksichtigen, damit die Wirkung bei der verkleinerten Ausführung nicht beeinträchtigt wird. 4. Die Entwürfe sind in einer Farbe auszuführen. 5. Der Jüdische Nationalfonds erwirbt durch die Auszahlung der Preise das Eigentums- und Reproduktionsrecht der preisgekrönten Entwürfe. <). Der 1. Preis beträgt 300 M., der 2. Preis 150 M. Wir behalten uns das Recht vor, weitere Entwürfe zum Preise von 100 M. zur Ausführung zu erwerben. 7. Die Entwürfe sind vor dem 1. Januar 1913 dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds, Köln a. Rh. (Deutschland), Neumarkt 33, portofrei einzusenden, das auch gerne veitere Auskunft erteilt. 8. Dem nur mit einem Kennwort bezeichneten Entwurf t ein verschlossenes Kouvert beizufügen, welches das Kennort und den Namen des Künstlers enthält. Nach der Preiserteilung wird das Kouvert eröffnet und der Name des preisgekrönten Künstlers veröffentlicht. 9. Das Preisrichteramt haben in liebenswürdiger Weise übernommen: die Kunstmaler E. M. Lilien und L e s s e r Ury, beide in Berlin, als Kunstsachverständige, Rechtsanwalt Dr. M. 1. B o d e n h e i m e r - Köln als Vertreter des Jüdischen Nationalfonds. 10. Die Entscheidung über die Ausführung bleibt dem Direktorium des Jüdischen Nationalfonds vorbehalten. 11. Spätestens anfangs Februar 1913 erfolgt die Bekanntmachung der Entscheidung. 12. Die nicht preisgekrönten und nicht erworbenen Entwürfe sind von den Urhebern nach Bekanntmachung der Entscheidung zurückzufordern. Für Entwürfe, die bis zum 1. April 1913 nicht zurückgefordert sind, wird keine Verantwortlichkeit übernomlmen. Generalversammlung der Geulah Die Gesellschaft „Geulah" hielt Mitte August d. J. ihre Generalversammlung in Odessa ab. Den Vorsitz führte Herr M. Ussischkin, als Sekretär fungierte Dr. M. G lücksohn. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes wurde eingehend besprochen und eine besondere Kommission mit der Prüfung desselben betraut. Eine lebhafte Debatte entspann sich über den zukünftigen Arbeitsplan der Gesellschaft in Palastina. Herr Ettinger verlas ein Schreiben des Waad von Rischon le Zion, worin der Gesellschaft der Dank ausgesprochen wird für einen in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kolonie vollzogenen Landerwerb. Herr Ussischkin teilte mit, daß die Gesellschaft in letzter Zeit mit den anderen in Palästina tätigen Institutionen, wie der P. L. D. C., dem J. N. F., dem Odessaer Komitee, der Agudath-Nelaim zusammengearbeitet habe und verspricht sich von diesem Zusammenwirken auch in der Zukunft gute Ergebnisse. Der Reingewinn der Gesellschaft betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 2635 Rbl. Für den Kupon Nr. 2 der Anteilscheine wurde eine Dividende von 3 Rbl. festgesetzt. Deutschland Berlin. Die Berliner zionistische Vereinigung hatte die Tagung der Jahreskonferenz benutzt, um durch eine große Propagandaversammlung am 4. September mit der Agitation einzusetzen. Der große Saal des Restaurants Tiergartenhot war dicht gefüllt. Etwa 1000 Personen hatte der werbende Ruf der zionistischen Vereinigung, allen zionistischen „Sommertraditionen" zum Trotz, zusammengeführt. Herr Kurt H 1 u - menfeld, der die Versammlung leitete, begrüßte die Erschienenen mit einem kurzen Hinweis auf die Bedeutung der eben beendeten Tagung des „Kleinen Kongresses". Ais erster Redner — es sprachen vorwiegend Delegierte der Jahreskonferenz — ergriff Dr. Emil Marguli es (Leitmeritz) das Wort und erörterte das psychische Prob Fem unserer Bewegung: daß sie weit über den Rahmen einer Partei hinausgehe und daß der Jude im Zionismus erst seine Gemeinschaftssehnsudit befriedige. Arnold Wiener (Kattowitz) beleuchtete in begeisternden Worten die Idee des Glaubens an sich selbst, die im Zionismus enthalten sei und die den blutleer gewordenen religiösen Anschauungen der westlichen Juden neues Blut zuführe. Lebhafter Beifall lohnte beide Redner und steigerte sich noch, als Adolf Stand (Lemberg) und J. K a p I a n s k y - Kaplan (Jaffa) mit ihren lebensvollen Schilderungen und warmherzigen Ausführungen die Versammlung hinrissen. Gg. Stand zeichnete in großzügiger Weise das jüdische Leben des Gstens, wo sich das Judentum durch den Zionismus wunderbar verjünge und Gg. Kaplansky, der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrt war, gab knappe Schilderungen des neuen jüdischen Lebens in Palästina, das zu den alten Idealen der Einheit und soziafen Gerechtigkeit wiederkehre. Als letzter Redner sprach, von reichem Beifall gelohnt, R. Licht he im (Berlin), der mit markanten Worten auf die Bedeutung der gegenwärtigen Arbeiten des Zionismus hinwies, der immer mehr die Judenschaft zur Mitarbeit heranzwinge. In seinem Schlußwort wies Gg. Blumenfeld auf die deutschen und speziell Berliner Verhältnisse im Judentum hin und forderte die Anwesenden auf, sich der Mitarbeit an der gemeinsamen Sache nicht zu entziehen. Am Schlüsse der Versammlung meldeten zahlreiche Teilnehmer ihren Beitritt zur B. Z. V. an. S. S. Berlin. Die Flugschrift des K. Z. V. hat, wie die große Zahl der bisherigen Bestellungen zeigt, in zionistischen und nichtzionistischen Kreisen außerordentliches Interesse hervorgerufen und sich damit als wertvolles Agitationsmaterial erwiesen. Wir machen Ortsgruppen und Vereine darauf aufmerksam, daß wir in der Lage sind, die Broschüre, die sich durchaus nicht nur an Akademiker wendet, zu Werbezwecken bei Bestellungen von 10 Exemplaren an zu dem außerordentlich billigen Preise von 30 Pf. pro Heft abzugeben und würden es begrüßen, wenn die Ortsgruppen und Vereine von diesem günstigen Angebot recht zahlreichen Gebrauch machen würden. Bestellungen nimmt die Expedition des Zionistischen Studenten, z. H. des Herrn Karl Glaser, Berlin W. 15, Düsseldorfer Straße 65, entgegen. Österreich Nikolsburg. Der hiesige jüdische Turnverein veranstaltete Sonntag', den 8. September ein Propagandaturnen, welches unter der Leitung des Herrn cand. med. Herbert G log au einen glänzenden Verlauf nahm. Die jungen Turnerinnen und Turner zeigten trotz kurzer Vorbereitung erstaunliche Leistungen. Der Verein, dessen Bestand nunmehr gesichert ist, wira bereits in allernächster Zeit in einer eigenen neuen Turnhalle seine Tätigkeit fortsetzen. Holleschau. Die jüdische akademische Ferialverbindung „Zephyra" hat unter der Leitung des hiesigen Rabbiners Dr. J. Freimann einen allgemein zugänglichen Ferialkurs für jüdische Geschichte und Literatur eröffnet. - Bei dem bereits am Sonntag, den 25. d. M. gehaltenen ersten Vortrage: „Der jüdische Kaufmann in kulturhistorischer Beleuchtung" fand sich ein zahlreiches Publikum aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung ein. Diese populär-wissenschaftlich gehaltenen Vorträge des Herrn Dr. J. Freimann finden