Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 38 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Direktoriumssitzungen des Jüdischen Nationalfonds Gelegentlich der Jahreskonferenz in Berlin fanden mehrere Sitzungen des N.-F.-Direktoriums statt, welche diesmal eine besonders reichhaltige Tagesordnung zu bewältigen hatten. Die erste Sitzung wurde bereits Freitag, den 30. August, im Zentralbureau abgehalten, die beiden folgenden Sitzungen fanden am 4. und 5. September im Logenhaus statt. An den Sitzungen nahmen folgende Herren teil: Dr. Boden- Ii e i in e r , Dr. Fl a n t k e , Ing. Keßler, Dr. Tschlenow und W o lf f s oh n. Herr Ing. Kremeiiezk y , der am Erscheinen verhindert wir, nahm auf schriftlichem Wege zu einzelnen Punkten Stellung. Der ersten Sitzung wohnten auch die Herren Dr. J a c o h s o n , Dr. L e v i n und S o k o 1 o w als Mitglieder des E. A. C. bei. Ferner waren anwesend die Herren H o o f i e n , Groß, A w a d i o w i t z und N e u - m a n n. Ein großer Teil der Verhandlungen betraf Gegenstände, die sich im Vorbereitungsstadium befinden und sich daher vorläufig der Berichterstattung entziehen. Das wichtigste Ergebnis ist die Tatsache, daß, nachdem die Herren Dr. Bodenheinier und Dr. Tschlenow bei ihrer Anwesenheit in Palästina die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß der Nationalfonds sein Tätigkeitsfeld bedeutend erweitern muß, das gesamte Direktorium nunmehr auch dahingehende Beschlüsse gefaßt hat. Allerdings hängt die Ausführung dieser Beschlüsse zum großen Teil von einer entsprechenden Steigerung der Einnahmen ab. Bekanntlich ist nämlich der N.-F. mit seinen Anlagen in Palästina bei einem Vermögen von über drei Millionen Mark hart an der Grenze der 75 °o angelangt, die er nach seinen Statuten nicht überschreiten darf. Die N.-F.-Verwaltung vertraut jedoch auf die Liebe unseres Volkes für seinen Nationalschatz und die Erkenntnis aller Zionisten, daß das ersehnte Kolonisationstempo vornehmlich durch die rasche Vermehrung der N.-F.-Eingänge bedingt ist. Um den Anforderungen einigermaßen zu entsprechen, müßte der N.-F. in diesem Jahre eine Million und in den nächsten jähren gleichfalls je eine Million als Einnahme erreichen. lieber die gefaßten Beschlüsse sei Nachstehendes mitgeteilt: Arbeiter h e i m s t ä 11 e n. Wie schon an anderer Stelle berichtet, fallen unter diesen Titel sowohl die Häuser für die Jemeniten-Familien wie auch für alle anderen Arbeiterkategorien. Am aktuellsten ist zurzeit die Beschaffung von Unterkunft für die Jemeniten. Nachd e m d i e bereits früher bewilligt e n 53 000 F r c s. voll k o in m e n in Anspruch genommen sind und nur ein kleiner Teil der Je m e n i t e n untergebracht ist, soll zwecks Ermöglichung weiterer Bauten die Propaganda für die Hauss p e n d e v o n 1000 Pres, mit aller Kraft und in den weitesten jüdischen Kreisen geführt w e r d e n. E r w e i t e r u n g der A r b e i t e r h e i m e in P e t h a c h - T i k w a h und C h e d e r a. Diese beiden Arbeiterheime für Ledige, welche ursprünglich mit '20 000 Frcs. veranschlagt waren, mußten in einem größeren Maßstabe gebaut werden, so daß die Kosten ca. •iOOOO Frcs. betragen. Um einen Zubau am Arbeiterheim in Chedera vorzunehmen, bewilligte das Direktorium weitere SÜ00 Frcs. Wirtschaftsgebäude in Dagania. Die Kosten dieser Gebäude, deren Errichtung infolge der Mafruzierung des Bodens und der Erweiterung des Genossenschaftsbetriebes notwendig geworden war und die sich nunmehr auf 67 000 Frcs. belaufen, wurden vom Direktoriuni genehmigt. Zurücknahme Daganias von der P. L. D. C. In Uebereinstimmung mit dem letzterwähnten Beschluß, soll der Erbpachtvertrag mit der P. L. D. C. bezüglich Daganias aufgelöst und diese Besitzung unter gewissen Voraussetzungen der Siedlungsgesellschaft verpachtet werden. Vergrößerung der Depots für langfristige Kredite bei der P.LD.C. Bekanntlich hat der N.-F. schon seit einigen Jahren der Anglo-Palestine Company größere Fonds für langfristige Kredite zur Verfügung gestellt. In der letzten Bilanz figurieren Depots für langfristige Agrarkredite mit 135 000 Frcs. und langfristige städtische Kredite mit 262 000 Frcs. Auf Grund eines Beschlusses der Direktoriumssitzung vom März d. J. waren die Herren Dr. Bodenheimer und Dr. Tschlenow anläßlich ihrer Anwesenheit in Palästina ermächtigt worden, mit der A. P. C. ein Abkommen dahin zu treffen, daß derselben im Laufe von drei Jahren jährlich 150 000 Frcs. für weitere langfristige Kredite in Depot gegeben werden. Das Direktorium nahm nun von einem Konzeptabkommen Kenntnis, das zwischen den genannten Direktoren und der A. P. C. in Palästina getroffen worden ist und das die Grundlage für die abschließenden Verhandlungen mit dem Direktorium der A. P. C. bilden soll. Vieh Wirtschaft in Ben-Schemen. Auf Antrag des Palästina-Amtes wurde beschlossen, eine Viehwirtschaft in Ben-Schemen einzurichten und die Mittel für die Bauten (Arbeiterhäuser, Stallgebäude) sowie für Ankauf der Kühe zu bewilligen. Wirtschaftsgebäude für die Siedlungsgenossenschaft. Das Direktorium beschloß, die erforderlichen Mittel für die Errichtung dieser Gebäude zur Verfügung zu stellen. Gewährung von Grund und Boden für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem. Dem Direktorium lag ein Gesuch des Herrn Dr. Zipper, Lemberg vor, für das zu errichtende Gebäude den Boden zur Verfügung zu stellen. Das Direktorium erklärte sich im Prinzip geneigt, den Boden unter ähnlichen Bedingungen wie beim Hebräischen Gymnasium in Jaffa zu gewähren, sobald der Fonds von 100 000 Kr. für das Gebäude aufgebracht ist und das Weiterbestehen des Gymnasiums gesichert erscheint. Gewährung von Grund und Boden f ü r d i e Tachkemoni-Schule in Jaffa. Gemäß einem vorliegenden Ansuchen des „Misrachi", erklärte sich das Direktorium im Prinzip geneigt, der Tachkemoni-Schule unter ähnlichen Beding-ungen wie beim Hebräischen Gymnasium in Jaffa den Boden zur Verfügung zu stellen. Es wurden noch eine Reihe von Beschlüssen betreffs der Mädchenfarm am Tiberias-See, der Villenkolonie auf der Halbinsel Kerak und anderer Unternehmungen in Palästina gefaßt, über die später berichtet werden soll. Zum Schluß nahm das Direktorium davon Kenntnis, daß Herr S. Hoofien aus dem Hanptbureau ausscheidet, tum nach Palästina zu übersiedeln, und sprach ihm für die dem J. N.-F. geleisteten Dienste herzlichen Dank aus.