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Die Welt · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1070 DIE 2 Jerusalemischen Talmuds mit Textvergleichungen und einem gemein verständlichen und zugleich kritischen Kommentar herauszugeben. Die vorliegenden Bände, die die Zustimmung aller Fachmänner gefunden haben, zeugen von dem Gelingen dieses Unternehmens. Der jerusalemische Talmud hat in dem Jerusalemer Luncz seinen besten Erneuerer und seinen treuesten Dolmetsch gefunden. Und nun feierten sie in Jerusalem den Mann und sein Werk. Alle vereinigten sich in seltener Eintracht zu der herzlichen Huldigung. Denn es ist wieder ein besonderer Charakterzug des Jubilars, daß er in seiner echten Duldamkeit und Güte die Herzen aller gewonnen hat. Diesem Umstände ist es auch zu danken, daß es Luncz gelungen ist, in Jerusalem eine humanitäre Anstalt zu schaffen, für die er begreiflicherweise das feinste Verständnis hat und die zu den bestverwalteten Institutionen Jerusalems gehört: Das Blind en- Institut. Viele Glückwünsche wurden, mündlich und schriftlich, am Tage der Feier laut. Am tiefsten jedoch mag den Jubilar jener Wunsch berührt haben, der die Vollendung der Talmud Jeruschahni-Edition durch die tätige Förderung jener jüdischen Kreise, die für jüdische Wissenschaft Interesse haben, zum Gegenstande hatte. Möge diese Förderung dem still und bescheiden schaffenden Mann, der mit mannigfachen Sorgen zu kämpfen hat, bald in reichem Maße zuteil werden. Besuch des neuen Gouverneurs von Jerusalem in den jüdischen Kolonien Palästinas Vor vierzehn Tagen wurde, wie bereits berichtet, in der Kolonie Rischon-Lezion ein jüdischer Wächter in seiner Wachthütte ermordet aufgefunden. Wahrscheinlich hatte es der Mörder auf das gute Gewehr des Wächters abgesehen und hatte sich in der Nacht hinterrücks herangeschlichen und ihn getötet. Da die lokale Behörde nicht energisch genug zur Ergreifung des Mörders schritt, wandten sich die Kolonisten durch Vermittlung des Herrn Antebi an den neuen Gouverneur von Jerusalem, Muchidi B e v, der vor 14 Tagen sein Amt angetreten hat. Der Gouverneur nahm sich der Sache sogleich mit größtem Nachdruck an und fuhr in Begleitung des Herrn Antebi selbst in die Kolonien. Er besuchte R e c h o b o t Ii, Rischon-Lezion und P e t h a c h - T i k w a und sprach über den fortgeschrittenen Zustand dieser Kolonien, über die Intelligenz der Kolonisten und über die Ordnung in den inneren Angelegenheiten seine höchste Bewunderung aus. In Rischon-Lezion berief er die Kolonisten zu einer Versammlung in das B e t h - A m und setzte ihnen in einer längeren Rede auseinander, welche Maßregeln sie zur Verstärkung ihrer Sicherheit ergreifen sollten, um Fälle, wie den vorhergehend erwähnten unmöglich zu machen. Er riet ihnen, bei der Regierung um das Recht nachzusuchen, sich als Munizipalität zu organisieren. Dadurch würden sie das Recht bekommen, eigene jüdische Feldwächter und Gendarmen anzustellen, um sich dadurch absolute Sicherheit zu verschaffen. Außerdem riet er ihnen, die Ermächtigung der Regierung zur Errichtung eines Telephonnetzes zwischen den Kolonien anzusuchen, damit im Notfalle die Wächter der einen Kolonie leicht nach der andern Kolonie berufen werden können. Er versprach den Kolonisten, daß, wenn sie ihre Gesuche an ihn richten, er dieselben ohne weiteres genehmigen würde. Er empfiehlt denjenigen Kolonisten, die noch nicht ottomanisch seien, sich naturalisieren zu lassen, wreil sie dadurch in den Besitz aller staatsbürgerlichen Rechte kämen. KELT ■ .......' .....■..........= Nr. 35 Der Pascha hat zwei volle Tage in den Kolonien zugebracht und hat bei der Fahrt von Rischon-Lezion nach Pethach- Tikwa auch das Stadtviertel Tel-Awiw und das hebräische Gymnasium besucht und seine große Befriedigung über das von den Juden hier Geschaffene ausgedrückt. Die Reise des Paschas hat unter den Kolonisten eine lebhafte Bewegung hervorgerufen, und viele Kolonisten, die sich bisher nicht entschließen konnten, um ihre Naturalisation bei der Regierung einzureichen, haben sich jetzt dazu entschlossen. Es scheint, daß endlich, nachdem man lange Zeit vergebens auf eine verständige Würdigung der jüdischen Arbeit in Palästina seitens der Regierung gewartet hat, jetzt endlich ein besseres Verständnis dafür vorhanden ist. Natürlich muß das uns ein neuer Ansporn sein, auf dem betretenen Wege fortzufahren und weiterhin alle unsere Kräfte für die Entwicklung Palästinas einzusetzen. Aus Galiläa In letzter Woche haben sich in Galiläa zwei unangenehme Zwischenfälle ereignet. Drei Fellachen aus dem arabischen Dorfe D e 1 h a m i ritten in der Nacht nach Jemma, um dort Durra zu stehlen. Die Araber wurden aber bald von zwei jüdischen Wächtern der Kolonie entdeckt. Der eine Wächter ritt in die Kolonie zurück, um Hilfe zu bringen, der andere Wächter blieb auf dem Platze, um die Diebe zu beobachten. Bevor der Wächter noch aus dem Dorfe mit Hilfe zurückkam, hatten die drei Araber den jüdischen Wächter wahrgenommen, und es entspann sich zwischen ihnen, eine Schießerei, bei der alle drei Araber leicht verwundet und das Pferd des einen getötet wurde, während der jüdische Wächter unverletzt blieb. Die Araber ergriffen die Flucht und bescliwerten sich beim Schech ihres Dorfes, der aber gegen sie Stellung nahm und ihnen erklärte, daß ihnen als Diebe nur recht geschehen sei. Ueber diese Angelegenheit ist jetzt von der Lokalbehörde eine Untersuchung eingeleitet worden. Ein zweiter Zwischenfall ereignete sich zwischen Mesha und J e m m a. Zwei jüdische Wächter ritten in der Nacht von Mesha nach Jemma. Unterwegs entdeckte der eine Wächter, daß sein Fohlen, welches seiner Stute folgte, abhanden gekommen war. Er ritt zurück und fand das Fohlen neben einer arabischen Schafherde. Als er das Fohlen an sich nehmen wollte, glaubte der arabische Hirt, es wären Diebe gekommen, um seine Schafe zu stehlen; gab Alarmschüsse, und die Bewohner des nahen arabischen Dorfes stürzten herbei und begannen, auf die zwei Wächter zu schießen und Steine zu werfen. Das Pferd des einen Wächters wurde von einem Steine am Kopfe getroffen, fiel um und warf den Wächter in einen Graben, wo er mit einem Armbruch liegen blieb. Der zweite Wächter, der seinem Genossen beistehen wollte, wurde von den Arabern umzingelt. Beide jüdische Wächter wurden dann von den Arabern nach T i b e r i a s gebracht und von den Lokalbehörden ins Gefängnis gesetzt. Die eingeleitete Untersuchung wird jedenfalls bald ihre Schuldlosigkeit ergeben. Ein Abschiedsfest für Dr. Schemarja Lewin Anläßlich der Abreise des Herrn Dr. Schemarja Lewin zur zionistischen Jahreskonferenz veranstalteten seine Freunde in Haifa ein Abschiedsfest. Ansprachen hielten Dr. Elias Auerbach. Sc hoc hat, Karniol und Kaisermann aus Haifa, sowie Dr. Thon und Feldmann aus Jaffa. Dr. Lewin gab in seiner Erwiderung der Hoffnung Ausdruck, daß er nach seiner Rückkehr dauernd in Palästina bleiben werde. Dr. Lewin weilte bereits zum drittenmal in Palästina, diesmal ca. 5 Monate.

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