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Die Welt · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1042 DIEÄELT: Nr. 34 Dagegen ist die Verbindung mit der Gegend des Bahnhofs Friedrich straße nicht so günstig. Wer vom Bahnhof Friedrichstraße kommt, begibt sich am besten zu Fuß oder mit dem Omnibus nach Friedrichstraße, Ecke Mohrenstraße und von dort aus (vom Untergrundbahnhof Friedrichstraße) mit der Untergrundbahn nach dem Bahnhof Nollendorfplatz. Auch diese Fahrt dauert nur 10 Minuten. Die Zahl der Hotels am Potsdamer Platz hat sich in den letzten Jahren sehr vermehrt. Direkt am Potsdamer Piatz liegen folgende vier sehr großen Hotels: Hotel E s p 1 a n a d e , Hotel F ü r s t e n h o f, Palast-Hotel, Hotel Belle vue. Veranstaltungen. Anläßlich der Zentral-Comitesitzung finden zwei Veranstaltungen statt, zu denen die Mitglieder und Gäste des Zentral-Comites ergebenst eingeladen werden: 1. Sonnabend, den 31. August, abends 8 Uhr, Begrüßungsabend (zwanglose Zusammenkunft der Teilnehmer der Zentral-Comitesitzung mit ihren Damen) im Logen haus. 2. Montag, den 2. September, abends 8 Uhr, B a n k e 11, veranstaltet von der Berliner Zionistischen Vereinigung. Jan Kirschrot Arn 11. d. Mts. verstarb in Frankfurt a. Main im 34. Lebensjahre der in zionistischen Kreisen Polens weit bekannte Ingenieur Jan K i r s c h r o t. Er war eine markante Erscheinimg des modernen Judentums in Polen. Von einer Warschauer assimilierten Familie stammend, hat der Dahingeschiedene eine innere, seelische Revolution durchlebt; mit den Werten und Anschauungen seines Milieus brechend, suchte und fand er kraft seiner Intuition und individuellen Selbständigkeit den Weg zum Judentum. Schon in früher Jugend bäumte er sich mit der ganzen Kraft seines lebhaften Temperaments gegen die in seiner Umgebung herrschende Lüge der jüdischen Selbstentäußerting, ihn packt das große Wort Her/.is von der Rückkehr zum Judentum; sein junges Gemüt, voll des edlen Stolzes und der tiefen Sehnsucht nach einem großen jüdischen Ideal, nach einer jüdischen Renaissance, wird vom Zionismus hingerissen; schon als etwa 20 jähriger Student wird er der begeisterte Kämpfer für unser Volksideal, einer der Wecker des jüdischen Selbstbewußtseins. Nun war aber Warschau damals das Mekka der jüdischen Assimilation, die ihre ganze Ehre darein setzte, den Zionismus zu unterdrücken, um nicht das fürchterliche Geheimnis ans Licht kommen zu lassen, daß die Juden in Polen— eine Nation seien . . . Jan Kirschrot war einer der ersten, die mit dieser Stimmung der jüdischen Intelligenz in Polen den unerbittlichen Kampf aufnahmen; es entstand die zionistische Wochenschrift „Wschöd", die sich zu einer Tribüne unseres Volksideals gestaltete. Das Blatt, dessen Ton in der Polemik mit der Assimilation oft rücksichtslos war, atmete Jugend und Frische, Aufrichtigkeit und Wahrheit. Der „Wschöd", dessen Seele und Leiter Jan Kirschrot war, scharte die jüdische Jugend um das Banner des Zionismus, schuf eine nationale Atmosphäre, unter deren Einfluß die Burg der Warschauer Assimilation immer mehr Risse bekommt: Kirschrots ,Pfeile auf diese Festung waren stets die sichersten, vielleicht deshalb, weil er selbst dem Milieu der Assimilation entsprungen war und den Zusammenbruch ihrer „Werte" unmittelbar erlebt hatte. Er war ein glänzender, temperamentvoller Redner und entwickelte eine riesige agitatorische Tätigkeit, organisierte zionistische Studentenvereine, arrangierte Massenversammlungen, die für die weitere Entwicklung des Zionismus in Polen eine unverkennbare Bedeutung hatten. In seinen Reden bebte jene Glut der Begeisterung und Aufrichtigkeit, die den Zerstörern alter und Aposteln neuer Wahrheiten eigen ist. Darin lag das Geheimnis seines großen Erfolges bei der jüdischen Jugend, die begeistert seinen Worten lauschte. Außer an dem „Wschöd" arbeitete der Dahingeschiedene auch an sonstigen zionistischen Zeitschriften mit, redigierte ferner das bekannte Sammelbuch ,,Safrusu, das den Zweck hatte, der jüdischen Intelligenz in Polen die Strömungen des modernen Judentums, das ganze jüdische Problem in all seiner Tiefe zu veranschaulichen. Er war auch Delegierter zu mehreren Kongressen. Nach der Absolvierung des Polytechnikunis in Warschau und weiteren Studien in Charlottenburg und Reutlingen, suchte Kirschrot eine Betätigung seiner Fähigkeiten, die ihn seelisch befriedigen konnte. Er übernahm die Leitung der technischen Abteilung der hiesigen Talniud-Thora, die die Heranbildung jüdischer geschulter Weber, Schlosser, Mechaniker usw. zur Aufgabe hat. Der bedeutenden Intelligenz Kirschrots, dem ihm innewohnenden Tatendrang und Zug ins Große, ist es allein zu verdanken, daß sich diese Institution über das Niveau gleicher philanthropischer Einrichtungen erhob. Er hatte eine sehr weite soziale Auffassung seiner Mission; er wollte die hier chronische Existenzfrage tausender jüdischer Weber, die in die Fabriken nicht aufgenommen werden, durch die Schaffung eines Vorpostens jüdischer geschulter Meister und Weber wenigstens zum Teil lösen. Gleichzeitig betätigte er sich als Zionist auf allen Gebieten des nationalen Wirkens und war immer der Initiator realer Arbeit. In den letzten Jahren hat er sich große Verdienste um die Organisierung der jüdischen Handwerker erworben. Ich habe bei anderer Gelegenheit in der „Welt" die traurige soziale Situation der jüdischen Handwerker in Polen skizziert, gegen die sich ein ,,stiller" ökonomischer Boykott seitens der polnischen Gesellschaft und der christlichen Berufskollegen bemerkbar macht. Charakteristisch hierfür ist es, daß, als die russische Regierung vor etwa 2 Jahren einen Kongreß der Handwerker zusammenrief, um sich über die Wünsche dieses Standes zwecks eventueller Berücksichtigung zu orientieren, und als den offiziellen Körperschaften desselben die Wahl der Delegierten überlassen wurde, ^die jüdischen Handwerker ganz außer acht gelassen wurden. Nun ging der Verstorbene mit der ihm eigenen Energie daran, in Lodz eine Organisation jüdischer Handwerker zu schaffen, der das Recht der Wahl von Delegierten zum Petersburger Kongreß zuerkannt werden mußte. Kirschrot begab sich dann mit anderen Delegierten nach Petersburg, um die Interessen der jüdischen Handwerker zu vertreten, gründete hier nach seiner Rückkehr — als erste Organisation in Rußland — den jüdischen Handwerkerklub mit einem ausgesprochen jüdisch-nationalen Gepräge und mit der Basis eines großangelegten Arbeitsprogramms (gegenseitige Unterstützung, materielle und moralische Hebung der jüdischen Handwerker usw.). Er wird von den Handwerkern zum Präses gewählt, in dessen großzügige Impulse und weite Initiative soviel Hoffnungen und Erwartungen, gesetzt wurden... Ja, ein großer jüdischer Träumer, der mit seinem jugendlichen Gemüt an dem Ideale der jüdischen Zukunft hing, lebte er doch zugleich mit allen Fasern seiner Seele in der jüdischen Wirklichkeit, in sich die ganze Skala jüdischer Leiden aufnehmend. Unglücklicherweise machte die Zuckerkrankheit, an der er litt, im letzten Jahre riesige Fortschritte; bei ihm, der fürs

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