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Die Welt · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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„Wo die Vögel nisten — zwischen, dem Gezweig erheben sie ihre Stimme". — Und ich suche den großen, gütigen Gott, der „seine Hand öffnet und allem Lebenden Wohlgefallen bringt". Und ich blicke in den weiten, breiten, tiefen Himmel — und ich weiß, daß dort Gott ist — und ich liebe ihn so sehr. — Plötzlich erwacht in meinem Herzen das Verlangen, in jenen heiligen Wald zu kommen, wo die Vögel aus „Borchi Nafschi" nisten, und schon hatte ich Schuhe und Kleider abgelegt und war bereit, in den Bach zu steigen. „Und alle deine Taten werden in ein Buch eingeschrieben" — daran erinnerte ich mich unwillkürlich. Ist es erlaubt, am Sabbat in einem Flusse zu baden? Man könnte eine Arbeit dabei verrichten! — Plötzlich schienen mir die Froschköpfe, die aus dem Wasser hervorlugten, keine Froschköpfe zu sein, sondern Räder, die über dem Wasser schwammen, und auch die Vögel schienen nicht zu singen, sondern zu rufen: „Weil du ertränkt hast, will ich dich ertränken." Und ich begann Gott zu fürchten und zog meine Kleider wieder an. Und meine Furcht vor Gott vertrieb meine Liebe zu Gott, der die Hand öffnet und allem Lebenden Wohlgefallen bringt. Und rasch fällt mir ein, daß dort im alten Beth- Hamidrasch mein Vater beim Minchahgebete mich suchen, und wenn er mich nicht findet, mich schwer züchtigen wird. Und die Furcht vor der Strafe meines Vaters vertrieb aus meinem Herzen die Furcht vor Gott — und ich lehrte meine Zunge, vor meinem Vater zu lügen, ihm zu sagen, daß ich bis jetzt im „Cheder" gewesen war. Und ich eile zurück, trete stille ein, dränge mich zwischen die Betenden, bemühe mich, meinem Vater gegenüber eine verstellte Gleichgültigkeit zur Schau zu tragen. — Mein Vater scheint mich nicht zu sehen — ein gutes Zeichen! Wir kehren nach Hause zurück und nehmen die dritte Sabbatmahlzeit ein. Mein Vater singt das Lied: „Gott verbirgt sich in der Pracht seiner Verborgenheit." Und in meinem Herzen erwacht die Sehnsucht nach Gott, der sich verbirgt. Nach Habdalah aber rief mich mein Vater zu sich: „Komm her, mein ,Bachur'! Wo warst du den ganzen Tag! Sag? es mir, mein Lieber!" Mein Herz erstarb mir. Kein gutes Zeichen für die ganze Woche! — — Am andern Sabbat — da wandte ich mein Verlangen von dem Flusse ab. Und wir saßen an dem Tische des Rabbi, die Gebetbücher vor uns. Er aber erlaubte sich, ein tüchtiges Schläfchen zu tun, ehe man den „Perek" las. Und ich blättere im Gebetbuch und will den „Perek" dieses Sabbats der Reihe nach durchlesen — da fällt mein Auge auf — „Perek Schirah". Auch das — ein „Perek", aber ein „Perek des Gesanges". Warum liest der Rabbi nicht diesen Perek mit uns? Der Frosch — was spricht er: „Gepriesen sei der Name seiner herrlichen Allmacht!" Ach, mein Herz! Jetzt weiß ich, was sie damals sprachen. Was spricht der Vogel? — „Auch der Vogel findet sein Haus und die Schwalbe ihr Nest!" „Dort, wo die Vögel nisten — zwischen dem Gezweig lassen sie ihre Stimme hören." Wie sehr hätte ich den Rabbi geliebt, wollte er damals „Borchi Nafschi" mit uns lesen, und, was die „Sprüche der Väter" betrifft, so hätte ich ihm gerne versprochen, sie an den Wintersabbaten zu lesen. Büchereinlauf Zehnter Geschäftsbericht (1911) des Hilfsvereins der Deutschen Juden, erstattet der Generalversammlung am 14. April 1912. Berlin 1912. Schulbücher des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Berlin. I.: Liederbuch. Von A. Z. Idelsohn (Ben Jehuda). Berlin und Jerusalem. Hilfsverein der Deutschen Juden, 1912. (Deutsch und Hebräisch.) Synagogenkomponisten und ihre Werke. Mit einem Vorwort von Oberkantor M. H e n 1 e, Hamburg. M. W. Kaufmann, Leipzig. Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. B r a n n. Mai-Juni 1912. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung (Barasch und Riesenfeld). Jahresbericht des Rabbiner-Seminars zu Berlin für 1910/11 (5671), erstattet vom Kuratorium. Vorangeht eine wissenschaftliche Arbeit von Dr. J. W o h I g e m u t h: Das jüdische Religionsgesetz in jüdischer Beleuchtung. Heft I. Berlin 1912. Jahresbericht der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1911/1912. Voran geht: Die Tosifta des Traktates Nesikin, baba K a m a , geordnet und kommentiert. Mit einer Einleitung: Das Verhältnis der Tosifta zur Mischnah. Von Rektor Prof. Dr. Adolf Schwarz. Wien 1912. Verlag der Isr.-Theol. Lehranstalt. A. Koefoed: Die gegenwärtige russische Agrargesetzgebung und ihre Durchführung in der Praxis. Vorgetragen am 17. (30.) Mai 1912 den Exkursanten der Vereinigung für staatsvvissenschaftliche Fortbildung zu Berlin. St. Petersburg. 1912. Der sozialdemokratische Weltstaat mit Gemeineigentum und Eigenproduktion. Von Josef L i c h t n e c k e r t. 1912. Druckerei-Verlag Fr. Engelke, Papiermühle, S.-A. Eßbuch für Herzkranke. Von Privatdozent Dr. Max Herz, Spezialarzt für Herzkrankheiten in Wien. 3. Auflage. Medizinischer Verlag Schweizer & Co., ü. m. b. H., Berlin NW 87. Martin Buber: Tri Reci O Zidovstoi (Drei Reden über das Judentum). Herausgegeben von der Jüdisch- Akademischen Verbindung „Theodor Herzl", Prag. (Tschechisch.) Jewish Community (Kehillah) of New York City. Third Annual Report. New York, 1912. (Englisch.) Hebrew Union College. Catalog 1912/1912. Cincinnati, O. (Englisch.) Gedichte von Awigdor Feuerstein. Erster Band. Herausgegeben von der Zionistischen Landesorganisation in Ungarn, Budapest 5672. Generalvertrieb bei Joseph Schlesinger, Budapest VII, Kiräly-utcza 1, Wien I., Seitenstettgasse 5. (Hebräisch.) Schriften von Sc ho lern AI ei ehem. Band III: Menachem-Mendel der Träumer. Verlag „Haschachar", Warschau 5672. (Hebräisch.) Haibri Hechadasch. Sammelschrift für Literatur, Kunst und Leben. Redigiert von Dr. Jakob Kahan. Verlag: „Haibri Hechadasch" in Gemeinschaft mit „Tuschijah", Warschau 5672. (Hebräisch.) Heathid. Literarisch-wissenschaftliche Sammelschrift. Verlag! „Sinai", Berlin. Viertes Buch. Berlin 5672. (Hebräisch.) Tausend und eine Nacht. Aus dem Arabischen übersetzt von David J e 11 i n. Erstes Buch. Verlag „Turgeman", Odessa. 5672. (Hebräisch.) L. N. Tolstoi: Der Satan. Aus seinen nachgelassenen Schriften. Uebersetzt von S. Wirt Ii. Verlag: „Achim", Wilna 5672. (Hebräisch.) Haschiloah. Monatsschrift für Literatur, Wissenschaft und Leben. Redakteur: Dr. Josef Klausne r. Verlag „Achiassaf", Warschau. Bd. 26, Heft 4—5 (Ijjar-Siwan 5672). Odessa 5672. (Hebräisch.) Hachinnuch. Pädagogische Zeitschrift für Lehrer und Eltern. Herausgegeben durch den Hebräischen Lehrerverband in Palästina, redigiert von Dr. N. T u r o f f. 3. Jahrgang, Heft 1. Nissan-Ijjar 5672. Jaffa. (Hebräisch.) Moledeth! Monatsschrift für die Jugend. Herausgegeben von dem Hebräischen Lehrverband in Palästina und dem Verlag „Koheleth". Redaktion: Mordechai ben Hillel Hakohen, A. Lud vi pol, A. Harari. Bd. 2, Heft 5/6. Jaffa 5672. (Hebräisch.)

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