Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 31 (2.8.1912)
- Date
- 1912-08-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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938 DIE^aEELT: Nr. 31 Dr. Fromers von der „Ghettodämmerung'4 sein mag? Es ist fraglich, sehr fraglich, ob Salomon Maimons Lebenssinn beweist, daß „die ungeheure Denkkraft, die in den zentralen jüdischen Massen akkumuliert ist, durch die westeuropäische Disziplin Ziel und Klarheit gewinnen wird*4. Diese Worte sind nämlich sozusagen die Endkonklusion der Ein- * ^^r— leitung, welche Dr. Fromer dem Buche vorangestellt hat. Sie *~Z "^^^J" bietet übrigens wenig Interessantes, wenn man nicht gerade die üppige Phantasie eines Exkurses über die Herkunft der polnischen Juden bewundern will, die noch obendrein in den „spanischen Stiefel" einer wissenschaftlichen Anmerkung am Schlüsse des Bandes eingeschnürt ist. Schluß befriedigt den Leser nicht ganz. Es ist, wie wenn ein -schönes Lied mit einer Dissonanz endete. Aber ist nicht das jüdische Leben voll solcher Dissonanzen? Wien. Dr. M. Scher lag. \%Q- SPRECHSAAL ^gj Doch schließlich Einleitungen lassen sich leicht überschlagen. Das Buch selbst aber ist wert, oft und oft gelesen zu werden. Denn es spricht von Zeiten und Menschen im Judentum, die groß waren, wenn sie auch ein kleines Geschlecht herauffiihrten. Maimons Selbstbiographie zeigt, wo die Wurzeln dieser Größe liegen: im Bekennen. Da nun Dr. Jakob Fromer das schöne Buch herausgegeben hat, so kann man wohl sagen: Das Buch hat sich um den Herausgeber ein grol'es Verdienst erworben. Wahrhaftig! . . . Berlin. S i e g f r \ e d S c h m i t z. Meier A a r o n Ooldschmidt: Ein Jude. Axel Juncker Verlag. Berlin 1912. Endlich einmal ein Roman mit Handlung, Entwicklung und Spannung: Es ist ein nicht hoch genug einzuschätzendes Verdienst Ernst Guggenheims, daß er dieses Werk aus dem Dänischen übersetzte. Goldschmidt, ein bekannter Dichter Dänemarks, lebte in den Jahren 1S1Q—1SS7, und dennoch liesr sich sein Roman wie ein modernes Buch. Abgesehen voi. einigen Stellen, wo Goldschmidt seine Betrachtungen einflicht, stört nichts den epischen Gang der Erzählung. Trotz der objektiven Darstellungsweise wirkt das Ganze anheimelnd wie ein trauliches Märchen aus der guten alten Zeit. Ein Märchen von einer jüdischen Seele, die inmitten aller Bitternisse des Lebens den Traum an Poesie und Schönheit, Liebe und Menschlichkeit nicht verlieren will. Und doch ist's kein Märchen; alles in diesem Buch atmet Leben und mutet wie Wirklichkeit an. Die farbigen Schilderungen aus dem jüdischen Leben sind es. die uns dieses Buch besonders wertvoll machen. Es ist ein jüdischer Roman, durch den Geist, der darin waltet. Jakob B e n d i x e n ist ein Jude sowohl durch Geburt und Erziehung, als auch durch Veranlagung, Charakter und Gesinnung. In ihm lodert aber eine Sehnsucht nach reiner Menschlichkeit, nach einer allumfassenden Liebe, die keine Schranken, keine Vorurteile kennt. So assimiliert er sich denn, aber nur äußerlich, während er seelisch ein Jude bleibt. Und das ist der Konflikt seines bewegten Lebens. Jüdisch erzogen, wurde er nach einer ungetrübten Kindheit aus dem frommen Vaterhaus in die Schule nach Kopenhagen geschickt, wo er studierte und mit Christen verkehrte. Frühzeitig erwachte in ihm der Zwei felgeist, der ihn treibt, allmählich das Joch des jüdischen Gesetzes abzustreifen. Darüber kommt es zwischen dem Vater und ihm zu erregten Auseinandersetzungen, die den empfindlichen Jüngling fast aus dem Judentum hinausgedrängt hatten. Der Leser schwebt in dieser Befürchtung um so mehr, als Jakob Bendixen eine Christin liebt. Alles würde er ihr opfern, sein Judentum opfert er nicht. Jude bleibt er auch nach der Verlobung; und nun entspinnt sich ein Kampf um seine Seele. Die Familie der Braut, besonders die Tante, eine Pfarrersfrau, hat es darauf abgesehen, ihn zur Taufe zu bewegen. Aber je mehr sie sich darum bemühen, desto mehr rückt er von den Christen ab, desto mehr fühlt er sich in sein Judentum zurückgedrängt. Zerquält nimmt er Abschied von der Braut und geht nach Paris, wo er sich der Revolution anschließen will, die auf ihre Fahne Gleichheit und Brüderlichkeit geschrieben hat. Arg enttäuscht wendet er sich nach Algier als Offizier, vermag aber nicht gegen die Araber zu kämpfen, in denen er Rassenverwandte sieht. Mehr Befriedigung findet er in Polen, wo er an dem Heldenkampf um Freiheit und Unabhängigkeit mutig teilnimmt, in dem Bewußtsein, daß das Los der Polen dem der Juden ähnlich sei. Freilich, wenn sein eigenes Volk den Freiheitskampf geführt hätte, so wäre Jakob gewiß nicht beiseite gestanden. Nach dem traurigen Ausgang des Aufstandes kehrt er in seine Heimat zurück und findet die Geliebte seiner Jugend als Frau eines andern, verändert, unglücklich und treulos. Dies ist die größte Enttäuschung seines Lebens, die er kaum verwinden kann. Er sucht sich zu betäuben, indem er Geld, das er von seinen Eltern geerbt hat, wahllos verleiht. Dieser Herr Professor Dr. A. Berliner ersucht uns um Abdruck folgender Zeilen: Der geehrte Rezensent in Nr. 30 der „Welt" (S. 909) vermißt in meinen „Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuche", S. 59, den Hinweis auf den Wilnaer Gaon, von dem die Erklärung der Psalmstelle 115 stammen soll, auf Grund eines Zitats im Altonaer Siddur. Dieses Buch, Womit doch sicher der Siddur des R. Jacob Emden gemeint ist, hier an meinem gegenwärtigen Sommersitze (Frohnau i. M.) einzusehen, ist mir natürlich nicht möglich. Herr Dr. B am berger wird aber gern gleich mir sich dabei beruhigen, wenn ich ihm folgendes erkläre: Bei jedem Verdacht eines Plagiats darf man sich auf jene Mischnah in den Sprüchen der Väter (Kap. 2, Anf.) berufen, wenn man ihr in diesem Falle folgenden Sinn verleiht: Bei der Mitteilung oder Belehrung für einen anderen denke an drei Fälle — und du wirst zu keinem Plagiat (.nT3V > kommen. Ein sehendes Auge — du hast es vielleicht schon einmal gelesen, ein hörendes Ohr — vielleicht schon einmal gehört, oder es ist bereits anderswo schriftlich fixiert U2"»2P2j — hl* )• a^so nichts Neues, Unbekanntes mehr. Uebrigens bewahrt mich vor Uebertretung jener Ausspruch, wiederum in den Sprüchen der Väter (VI, 6): Wer etwas im Na m e n des ersten Tradenten mitteilt, bringt Erlösung für die Welt - und ich gehöre zu denen, welche zuversichtlich auf die Erlösung Zions hoffen und zu ihr beizutragen wünschen. Prof. Dr. A. Berliner. Schluß des redaktionellen Teiles Bei dem Unterzeichneten gingen ein: Durch Mr. J. Jacobs, Melbourne, J. Jacobs, Louis P. Jacobs je II 5, Joseph Kronheim £ 20; ferner durch Sammlung der Frau Pevsner in Houston $ 101.50; ferner durch Herrn M. Heinrich Schein, Galatz:: Verein „Abarbanel", Harlau, Lei 25.—, Verein „Bnei-Zion", P. Iloie Lei 63.80, Oscar Schächter, Kolomeva, Lei 10.50, A. Hausknecht, Kolomeva, Lei 5.25 und H. Ackermann, Braila, Lei 10.—. Durch Herrn M. Gottfried, Przemysl, Mitgliedsbeiträge: Dr. Alois Aschkenasy, Samson Halpern, Anastasius Goldberg, David Landau, Joachim Kafgsbald, Moses' Reich, Frau Emilie Fried in Przemysl je Kr. 5.—, Naftali Appel in Jaroslau Kr. 5. , Frau Helene Hüttner in Sosnica Kr. 5.—. Durch Herrn Dr. Samuel Spann, Tarnow: Mitgliedsbeiträge von Dr. Friedrich Wassermann Kr. 10,—, Dr. Abraham Salz, Ing. Moses Leuchter, Dr. Samuel Spann, Dr. Simche Schönfeld, Heinrich Gottlieb, Anna Kohn, Dr. Joset Traum, Isaak Kapellner, Isaak Brandstätter, Isaak Kranzler, Abraham Brandstätter, Schaja Silberpfennig, Gisela Mosel, Emanuei Grünfeld, Hermann Rothenberg, Eduard Schwager, Jakob Löv. Leopold Schienagel, Ignatz Tisch, Isidor Lion, Joset Safier, Moses Stern je Kr. 5,—. Durch Herrn Meier Henisch, Stanislau: Mitgliedsbeiträge: Obering. Leo Rosenblatt, Meier Henisch, Dow Rafalowicz, David Schächter, Hermann Tropp, Arthur Krauthammer, Dr. Samu . Schur, Hermann Altheim, Nathan Eisenstein, Dr. Josef Finkelstein, Lazar Lebensart, Hendzie Florowitz, Samuel Bibring, Awner Kuner, Dr. Herz Halpern, Ephraim Gottlieb, Dr. Anselm Halpern, Dr. Jakob Lauf er, Moses Hochmann, Dr. Pinkas Hessel, Elkune Hessel, Frau Mina Halpern, Frau Feige Lewin in Stanislau je Kr. 5.—, Dr. Karl Halpern in Wolozvnce Kr. 5.—. Bertrand Hamburg, Schatzmeister des Vereins „Bezalel4'. Bei dem Jewish Colonial Trust, London sind eingegangen: Für den ßezalel: per J. N.-F.-Bureau for Amerika........£ 25.—