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Die Welt · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 21

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 28 DIE3&ELT 855 Die Nationalfondseingänge des ersten Halbjahres 1912 Die Statistik genießt in breiten Kreisen einen ziemlich schlechten Ruf. Man sagt ihr nach, daß sie sich jedem gefügig erweise, der sie richtig zu behandeln versteht, und man wirft ihr vor, daß es keine Behauptung in der Welt gibt, für die sich nicht Zahlenreihen und schöne Statistiken ins Feld führen lassen. Es ist kaum nötig zu beweisen, daß dieser schlechte Ruf gänzlich unverdient ist und daß in Wirklichkeit die Statistik eine der schönsten und nützlichsten Hilfswissenschaften darstellt, die jeder menschlichen Gemeinschaft die größten Dienste erweisen kann und bei jeder Beobachtung und Bearbeitung eines umfangreichen Tatsachenmaterials geradezu unentbehrlich ist. Die in dieser Nummer abgedruckte Halbjahresstatistik erbringt aufs Neue den Beweis, daß auch die Freunde des Jüdischen Nationalfonds aus der Statistik viel lernen können, daß es aber außerordentlich gefährlich ist, voreilige Schlüsse ohne genaue Berücksichtigung aller Tatsachen, die das Zahlenmaterial beeinflußt haben, zu ziehen. Wenn man die Einnahmen des ersten Halbjahres 1912 mit denen des entsprechenden Halbjahres 1911 vergleicht (241 000 Mk. bzw. 223 000 M.), so ist auch diesmal wieder ein ganz erfreulicher Fortschritt von ca. 18 000 M. zu konstatieren. Etwas weniger erfreulich wirkt dieser Fortschritt allerdings, wenn man ihn mit dem entsprechenden des vorigen Jahres in Höhe von 45 000 M. vergleicht. Wenn man aber aus diesen Zahlen Schlüsse auf die Sammeltätigkeit in den einzelnen Ländern ziehen will, dann ist es nötig, die großen Zuwendungen, die nicht auf die regelmäßige Kleinarbeit zurückzuführen sind, ausscheiden zu lassen. Da das erste Semester 1910 solche Zuwendungen in Höhe von ca. 8000 M., das erste Semester 1911 in Höhe von ca. 18 000 M. und das erste Semester 1912 in Höhe von ca. 24 000 M. aufweist, so ergibt sich daraus, daß der Fortschritt in den kleineren Sammlungen im ersten Semester des vorigen Jahres ca. 35 000 M., in diesem Jahre aber nur 12 000 M. beträgt. Andererseits aber darf nicht vergessen werden, daß die Halbjahres-Statistiken immer ein unvollkommenes Bild bieten, und daß bis jetzt in jedem Jahre das zweite Semester außerordentlich viel günstiger gewesen ist als das erste. Im Jahre 1910 war der Unterschied ca. 102 000 M. und im Jahre 1911 ca. 96 000 M., wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß gewisse große Zuwendungen diese Differenzen beeinflußt haben. Wenden wir uns jetzt der Betrachtung der Ergebnisse in den einzelnen Ländern zu. Der Fort- und Rückschritt in den Resultaten, verglichen mit dem entsprechenden Halbjahre 1911, ergibt sich aus Tabelle I. Der außerordentlich kleine Unterschied zwischen den Ergebnissen in Rußland und Oesterreich (noch nicht 25 M.) könnte uns beinahe veranlassen, von zwei Ländern zu sprechen, die jetzt gleichzeitig an erster Stelle stehen. Es sind aber einige Tatsachen zu berücksichtigen, die das Bild doch einigermaßen verschieben. Das Halbjahresergebnis für Oesterreich enthält einen Betrag von ca. 24 000 M. an Zuwendungen des Herrn Kahane, so daß die kleinen Sammlungen 35 000 M. ergeben haben. Das Halbjahresergebnis 1911 enthielt eine Zuwendung des Herrn Kahane in Höhe von 8000 M., so daß der Fortschritt der kleinen Sammlungen ca. 5000 M. beträgt. Das diesjährige Ergebnis für Rußland ist ausschließ- Tabelle I. Sammelstelle 1. Oesterreich . . . . 2. Rußland..... 3. Nordamerika . . . 4. Deutschland . . . 5- Südafrika . . . . 6. Rumänien .... 7. Canada..... 8- Ungarn..... 9. Holland..... 10. Südslavische Länder 11. Belgien..... 12. England..... 13. Türkei..... 14. Argentinien . . . 15. Ostasien..... 16. Schweiz..... 17. Bulgarien .... 18. Frankreich .... 19. Italien..... 20 Brasilien .... 21. Australien .... 22. Schweden .... 23. Serbien..... 24. Griechenland . . . 25. Aegypten .... I. Halbjahr I. Halbjahr 1912 JL 1911 JL _l 59 791,50 38289,81 -f 59 766,76 51 545.13 — 37 294,18 39 743,11 — 25 705,09 27 953,27 + 12558,04 12 022,56 — 8044,60 8 303,60 — 7 074,25 11 801,89 — 5085,44 6 413,81 _L 4706,78 4 326,93 4- 3 652,92 2 709,74 — 3374,43 3 989,61 — 2936,73 4 587,45 -f 2006,46 1 493,14 — 1672,98 2 396,94 -f 1241,23 947,40 + 1198,41 1140,34 — 917,78 2 432,80 — 867,96 897,35 — 563.96 695,49 + 558,- 347 - — 538,25 544,42 -I- 480,99 136,93 29.60 4- 468,90 4- 376,74 16,25 — 162,88 184,44 lieh aus kleineren Spenden, die auf die regelmäßige Sammeltätigkeit zurückzuführen sind, zusammengesetzt. Im vorigen Jahre war im Halbjahresergebnis von 51 000 M. die testamentarische Zuwendung der Frau Wodonosowa in Höhe von ca. 10 000 M. enthalten. Ferner ist zu berücksichtigen, daß beim Hauptbureau noch einige tausend Mark an Spenden des ersten Halbjahres eingelaufen sind, deren Spezifikation aber noch nicht eingegangen ist, so daß sie noch nicht zum Ausweis gelangen und nicht in die Statistik aufgenommen werden konnten. Es ergibt sich daraus ein Fortschritt in den Resultaten der kleinen Sammlungen von nicht weniger als ca. 20 000 M.; das ist 50 °o. Selbstverständlich haben wir dafür in erstei Reihe den opferwilligen Spendern zu danken und vielleicht noch mehr unsern zahlreichen Vertrauensmännern in Rußland, die keine Mühe und sogar keine Gefahr scheuen, wenn es gilt, für den Nationaifonds zu arbeiten. Aber wenn wir in Betracht ziehen, "daß die ganze russische Arbeit vom Hauptbureau aus geleitet werden mußte, das mit mehr als 1000 einzelnen Vertrauensleuten zu korrespondieren und unter unsäglichen Schwierigkeiten dieselben mit Agitationsmaterial zu versehen hatte, dann wird man es verzeihlich finden, daß wir dieses glänzende Resultat in Rußland mit einer besonderen Genugtuung hervorheben. Auch die Sammelsteile Nordamerika, deren Bureau vom Hauptbureau aus eingerichtet worden ist und unter dessen direkten Oberleitung arbeitet, hat sich wieder bewährt, wenn auch der von uns erwartete Fortschritt ausgeblieben ist. Der kleine Rückschritt, den die Tabelle aufweist, wird durch inzwischen eingelaufene Rimessen wettgemacht, und wenn man bedenkt, daß das ganze Jahr 1908 in Nordamerika nur 7500 M. und das Jahr 1909 nur 5600 M. brachte, so ist ein Halbjahresresultat von nahezu 40 000 M. für den Anfang wohl als befriedigend zu betrachten. Deutschland hat sich auf der vierten Stelle, die es auch in der vorjährigen Halbjahresstatistik einnahm, behauptet, obgleich ein kleiner Rückgang leider konstatiert werden muß, der sich auf alle Spendengattungen, mit Ausnahme des Wolffsohns-Fonds und der Büchsen, erstreckt.

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