Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316540--56162-3350031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Deutschland Berlin. In der Verbindung im K. Z. V. „Hasmonäa" hielt «-im Donnerstag, den IS. Juni, Herr Rechtsanwalt Dr. Arthur H a n t k e einen Vortrag über „Zionistische Arbeit im K. Z. V." Krotoschin. Am 4. Juni wurde hier eine Zionistische Ortsgruppe gegründet. 19 Personen traten ihr jals Mitglieder bei. Chemnitz. Am Donnerstag, den 6. Juni, veranstaltete unsere Zionistische Ortsgruppe den letzten Vereins- und Vortragsabend vor Beginn der Sommermonate. Herr S. Schocken aus Zwickau referierte über den Delegiertentag in Posen. Nürnberg. Am 5. Juni verstarb im 70. Lebensjahre Herr Philip]) Huimann, 'Mitbegründer der Ortsgruppe Nürnberg- Fürth. Österreich Zionistisches Seminar Wien. Das vom innerösterreichischen zionistischen Distriktskomitee eingerichtete zionistische S e m i n a r hat seine diesjährige Tätigkeit abgeschlossen. In zwei Vortragszyklen wurden die Geschichte des Zionismus und die Palästinafrage erschöpfend behandelt. Als Referenten fungierten die Gg. Adolf Böhm, Otto Gersuny, Dr. Hermann Kadisch und Dr. Emil S t e i n. Die Teilnahme erhielt sich erfreulicherweise an allen Abenden auf gleicher Höhe, so daß das D.-K. mit dem Erfolge seines Seminars vollauf zufrieden sein darf. Generalversammlung der Poale Zion Samstag, den 22. Juni, hielt die Wiener Ortsgruppe der Poale Zion ihre halbjährige Generalversammlung ab. Dem von Herrn M. Kohn erstatteten Tätigkeitsberichte entnehmen wir, daß in der Berichtsperiode das Verhältnis der Wiener Poale Zion zum jüdischen Handlungsgehilfenverbande geregelt wurde. Die „ Achwah" wurde als diejenige gewerkschaftliche Organisation anerkannt, in welche poale - zionistisch;1 Handlungsgehilfen einzutreten haben. In zahlreichen Vorträgen wurden die Grimdprobleme des Zionismus und des jüdischen Proletariats behandelt. Für die Verbreitung des Parteiorgans „Der jüdische Arbeiter" wurde sehr erfolgreich gewirkt. Nach Wahl des neuen Lokalkomitees wurde der Arbeitsplan für das nächste Halbjahr diskutiert. Gründung des „Jüdischen Hochschulausschusses" Eine erfreuliche Folge der jüngsten Vorfälle an der Wiener Universität ist ein engerer Zusammenschluß aller Wiener jüdischnationalen akademischen Korporationen, die nunmehr aus ihrer Mitte einen ständigen jüdischen Hochschillausschuß wählten. Der neue Ausschub hat statutengemäß insbesondere folgende Obliegenheiten: Vertretung gegenüber den akademischen Behörden, Gestaltung des Verhältnisses zu andelsnationalen Hochschülern, Durchführung gemeinsamer Aktionen an den Wiener Hochschulen und Betätigung auf jüdisch-sozialem Gebiete. Das gegenwärtige Präsidium, bestellend aus den Herren S c h i n d ler, S p i r o und K o I b , brachte dem Rektor der l-niversität die erfolgte Konstituierung zur Kenntnis. Zionistische Propagandaarbeit (Von unserem Berichterstatter.) Czerno w i t z. Der jüdischnationale akademische Verein „ E in u n a h " , Czernowitz, veröffentlicht soeben seinen Tätigkeitsb e r i c h t über das abgelaufene XVIIl S e m e s t e r. In erster Linie kommt die innere Arbeit in Betracht, die darauf gerichtet war, die Mitglieder durch Abhaltung von Vorträgen und Seminaren (für Zionismus, Geschichte und Palästinakunde) zu tüchtigen Vorkämpfern für die zionistische Idee auszubilden. Von Mitgliedern des Vereins wurden auf Grund der zugänglichen Hilfsbücher und Quellen folgende ausgearbeitete Vorträge gehalten, über: ,,M a i m o n i d e s" , „D i e Jude n in Frankreich zur Zeit d e r f r a n z ö s i s c h e n Revolution*', „Palästinensische Städtebilder", „Die Anfänge der praktischen Palästinaarbeit" und anläßlich der Wiederkehr des 100. Geburtstages Moses Heß' eine Gedenkrede. Im zionistischen Seminar wurden auch die wichtigen grundlegenden Werke der zionistischen Literatur gelesen und über dieselben diskutiert. Die Eröffnung eines hebräischen Seminars ist angekündigt worden. Von der äußeren Tätigkeit, die die Propaganda der zionistischen Idee und die Leistung der praktischen zionistischen Kleinarbeit im Auge hatte, ist vor allem das „Zionistische Seminar" zu erwähnen, welches eine ständige Institution dieses Vereins geworden ist. Im abgelaufenen Semester wurden in demselben folgende öffentliche Vorträge gehalten: vom Universitätsprofessor Dr. L. Kellner: „W a s Herz! vorfand", vom Sekretär des E. A. C. Kurt Blume n f cid: „Zionismus und freies Mensch entu m", vorn Großrabbiner Dr. M. Ehrenpreis (Sofia): „Die Grundlinien zu einer Geschichte des Zionismus" und „Die Aussichten des Z i o n i s m u s in der Türkei". Ferner veranstaltete der genannte Verein eine M.a k k ab ä erfeie r, die fast die ganze Judenheit von Czernowitz vereinte und "bei welcher Dr. L. Reich, Lemberg, eine glänzende und begeisterte Festrede hielt. Zur Propaganda- Arbeit kaf exoehen gehört ferner die Herausgabe *" des Sammelwerkes „H e i m k e h r" , welches Beiträge unserer tüchtigsten Schriftsteller enthält und ohne Zweifel viel zur Erweiterung und Vertiefung unseres zionistischen Ideals beitragen wird. Schließlich, aber nicht in letzter Linie, kommt die sehr intensive Arbeit des Vereins „Emunah" für sämtliche zionistischen Institutionen in Betracht. Es wurden vom Vereine sowohl zahlreiche Sammelbüchsen des Nationalf onds verteilt und angebracht, als auch der dritte Teil sämtlicher in Czernowitz vorhandenen Büchsen ausgehoben. Ferner wurde die P. L. D. C. nach Kräften gefördert. So hat der Verein im abgelaufenen Semester einen Share-KIub gebildet, den ersten in der Bukowina, und beabsichtigt in Kürze die Gründung von weiteren Share-iKIubs in den größeren Ortschaften der Bukowina zu betreiben. — Eine lebhafte Schekelsammlung ist eingeleitet worden. Die Bukowinaer Kolonie (Von unserem Berichterstatter.) C z e r n o w i t z. Die Idee der Gründung einer Bukowinaer Kolonie in Palästina hat, wie in unserem Kronlande selbst, auch außerhalb desselben lebhaftes Interesse wachgerufen, und ist besonders in der letzten Zeit seit der Tagung der zionistischen Landeskonferenz in Czernowitz Gegenstand einer interessanten Diskussion in den Spalten der „Welt" (s. Nr. 22 und 24) geworden, die wiederum geeignet ist, eine günstige Rückwirkung auf die Bukowina selbst auszuüben. J. S., der in seiner „Erwiderung auf den Artikel von D. Trietsch" in Nr. 24. der „Welt" eine gute Kenntnis sowohl unserer Verhältnisse als aueii der palästinensischen verrät, steht mit seinen darin geäußerten Ansichten dem Plane der Initiatoren dieser Idee näher. Wir wollen an dieser Stelle, die nicht für den Streit der Meinungen in Anspruch genommen werden darf, sondern lediglich einer objektiven Berichterstattung dienen soll, nicht an der Diskussion teilnehmen. Nichtsdestoweniger wird es wohl von Nutzen sein, als Ergänzung die Vorschläge unseres Gg. Johann Kremenezky in Wien anzuführen, die er seinerzeit unmittelbar nach der von Univ.-Prof. Dr. L. Kellner gemachten Anregung zur Gründung der Kolonie empfohlen hatte: Zehn junge ledige Leute sollten danach den Anfang machen. Diese könnten anfangs entweder der Siedlungsgenossenschaft in Phule oder der in der Nähe des Tiberias-Sees zu gründenden Siedlungsgenossenschaft angegliedert werden. Wenn die Leute in der Siedlungsgenossenschaft gleichsam den Befähigungsnachweis erbracht haben werden, so soillte man sie aus derselben herausnehmen und dann in der neu zu errichtenden Kolonie installieren. Wie dies geschehen soll, läußerte Kremenezky allerdings nicht; er erwartet jedoch, daß sich auch viele Private finden werden, die gerne die Gelegenheit benützen werden, um sich im Anschlüsse an die neu zu errichtende Kolonie anzukaufen. Wie dem immer sein mag, wir zweifeln nicht daran, daß der richtige Gründungspilan zur rechten Zeit wird getroffen und durchgeführt werden. Es bleibt vorläufig noch .immer Hauptsache, daß für den Fonds der zu gründenden Kolonie genügende Geldmittel aufgebracht und gesammelt werden.