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Die Welt · 1912-06-14 · 24 (14.6.1912) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 24 DIE 330: LT 725 jüdischen Lebensäußerungen nur um Gotteswillen nicht bemerkt würden, daß nur kein „Rischus" gemacht werde, so sind die nationalen Kreise heute darauf bedacht, ihr Judentum zu betonen und zu unterstreichen. Das ist als Zeichen der Zeit sehr erfreulich, aber es feit uns doch nicht gegen das Erstaunen über ein zufällig kennen gelerntes jüdisches Leben, das weder Verschleierungen noch Schminke gebraucht, nicht über seine Existenzberechtigung nachgrübelt, sondern frisch darauf los existiert in heller Freude über das schöne Leben in Saloniki, „der Wiege der ottomanischen Freiheit". Ob die Juden hier nun die Wichtigkeit ihrer numerischen Stärke erkannt haben oder nicht, darüber läßt sich nichts sagen. Tatsache scheint mir, daß sie sich heute jedenfalls noch sehr stark vermehren und daß ein spagniolischer Teilhaber zu einem Buch „Der Untergang der Juden Salonikis" noch keine Gelegenheit haben dürfte. Eine kleine Privatstatistik, die sich auf hundert Familien der ärmeren Schichten erstreckte, ergab als Resultat eine durchschnittliche Kinderzahl von 4,8 pro Familie. Und zwar hatten 1 Kind 2 Familien 2 Kinder 7 3 „ 17 4 9? j) — jj 5 „ 21 6 „ 13 7 „ 6 8 „ 6 9 "> J >> — >» 10 » 2 100 Familien Eine auffällige Erscheinung, die übrigens auch dem aufmerksamen Beobachter des Straßenlebens auffällt, ist das bedeutende Uebergewicht des weiblichen Geschlechts. In den genannten .100 Familien sind neben 197 Knaben nicht weniger als 286 Mädchen, d. h. 1,9 <>o Knaben zu 2,9 " o Mädchen vorhanden. Zur „Selbstverständlichkeit" des jüdischen Lebens hier gehört zunächst die vollkommen normale soziale Gliederung. Ein hübscher Witz läßt ein Justizratssöhnchen in der Religionsstunde nicht aufmerken, während der Lehrer die 12 Jakobssöhne nennt. Auf die strenge Frage, wessen Namen das seien, kommt daher prompt die Antwort: „Die Rechtsanwälte am I. Landgericht." Hier würde der Junge mit gleichem Recht sagen können: Die Stiefelputzer am „Place de la liberte", oder die Olivenverkäufer am Tchaschi, oder die Sandalenmacher in der Straße nach Bechtchinär. Denn dein Schuster, Schneider, Tischler, der Schmied nebenan, der Sattelmacher gegenüber, der Deckenstepper, kurz alle Handwerker, sind Juden. All diese unserm Geschmack nach abenteuerlichen Gestalten von einer stolzen Schönheit, die auf geduldigen Eseln vorbeitraben oder auf bockigen kleinen Mustangs dahersprengen, sie sind ebenso gute Juden mit stolzen, spanisch-jüdischen Namen, wie all die kleinen Bäcker und Wirte, Kaufleute und Hausierer, Harn als und „Gelegenheitsarbeiter" und wie die reichen Modianos und Errera, denen der halbe Warenverkehr von Saloniki gehört, und die Jachön, Haifön, Cohen, Schalem, Usiäh, Usiel, die als Advokaten das kniffliche türkische Recht meistern, und die Florentin und Allifussi, die die hiesige wirklich „jüdische" Presse versorgen. Ja, diese jüdische Presse, das ist auch so ein echtes und rechtes Zeichen des Jüdisch-Selbstverständlichen! Hier gibt es wirklich eine „jüdische Oeffentlichkeit", die täglich um die Mittagsstunde von hundert guten Lungen in anscheinend traditionellem Singsang als „El Avenir", „Independant", „Tribuna libra", ,,11 Liberal" usw. ausgeschrien wird. Reicht auch keines dieser Blätter auch nur im entferntesten an eine deutsche Tageszeitung (nicht gerade „Deutsche Tageszeitung") heran, so genügen sie doch mit ihren spagniolischen Berichten (in hebräischer Schrift) vollkommen den in dieser Beziehung sehr bescheidenen Ansprüchen der Bevölkerung. Es ist ein kleines Redaktionsgeheimnis, das ich verrate, wenn ich ausplaudere, daß für aligemeine Tatsachen die „Neue Freie Presse", jür jüdische „Die Welt" als Gewährsblätter herangezogen werden. In einem dieser Redaktionsschränke fand ich verstaubte Exemplare unseres „Jung Israel", das zu meinem Bedauern auch die Posener Jugenddebatte nicht wieder ins Leben gerufen hat. Diese kleine Mitteilung wird vielleicht nur eine Leserin jenseits des großen Teiches interessieren; ihr zu Liebe sei sie hierhergesetzt als Gruß von Meer zu Meer. Die anderen Leser aber wollen mir gestatten, ihnen demnächst weiteren Bericht über meine Beobachtungen zu geben. Saloniki, Anfang Juni 1912. Druckfehler-Berichtigung. In unserem Berichte über das Turnfest des Konstantinopeler „Makkabi" in Nr. 22 der „Welt" mußte es heißen: ,,350 Turner und Turnerinnen traten an", nicht 53. Schluß des redaktionellen Teiles Neue deutsch-französisch-englisch-portugiesische Kataloge gibt die Cudell-Motoren-Gesellschaft m. b. H., Berlin N 65, heraus. Der eine behandelt stationäre »Benzin-, Benzol-, Gasolin-, Naphtha-, Petroleum-, Keresin-, Rohöl-, Spiritus-Motoren, ferner Motordynamos, Motorpumpen, Motorlokomobilen, Karussellantriebe, Motorschiffswinden usw., alles reichlich illustriert, der andere behandelt Bootsmotoren für die gleichen Brennstoffe. Unter den Bootsmotoren sind besonders die direkt umsteuerbaren Petroleum- und Rohölmaschinen interessant. Die Kataloge enthalten alle nötigen Exportangaben, wie: Bruttogewichte, Nettogewichte, Kistenmaße usw. Der Cudell-Motoren-Gesellschaft sind in diesen Monaten sehr auszeichnende Aufträge erteilt worden, z. B. Bootsmotoren für die Neu-Guinea-Expedition, die russische Regierung, eine Anzahl Wasserbauämter, den Herzog von Sachsen- Altenburg, Stationärmotoren für die Warschauer Festungswerke, die Gaswerke von Berlin, Potsdam, Stuttgart, die Güter des Prinzen Soutzo usw. Die Aufträge der russischen Regierung allein umfassen 35 Motoren. KONFITÜREN S-i PACKUNG für Pralines, Katzenzungen, Mokkabohnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N —V Milch Nuss Vanille Die Drei Neuen Edelschokoladen BERLIN Dresden 1911: Kgl. Sächs. Staatspreis

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