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Die Welt · 1912-06-14 · 24 (14.6.1912) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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718 ständigen Aufhebung ist noch eine Reihe vermittelnder Stufen erforderlich: gemäß der Entwicklung und Vervollkommnung der türkischen Gesetzgebung wird es möglich sein, schrittweise einige besonders mit dem neuen Regime in Widerspruch stehende Teile der Kapitulationen zu reformieren oder völlig Nr. 24 aufzuheben. Dieser Weg ist der einzig mögliche und der Entwicklung der Dinge entsprechende. „Nicht eine Aufhebung, sondern eine Revision der Kapitulationen!" — das ist der Rat des Verfassers an die Türkei. J. Schechtmann. DIE3&ELT v Die Bukowinaer Kolonie (Eine Erwiderung auf den Artikel von D. Trietsch) Der Vorschlag des (ig. Trietsch in Nummer 22 der ,,Welt44 hat berechtigtes Interesse hervorgerufen. Ist es doch ein glänzender Plan, wie ihn Trietsch entworfen hat, der, wenn er durchführbar wäre, sicherlich unseren kolonisatorischen Bestrebungen den Zug ins Große verschaffen würde, den noch viele Zionisten an unserer praktischen Palästinaarbeit so sehr vermissen. Man denke sich: jede Landesorganisation hat ihre eigene große Kolonie in Palästina, ihr ist allein die Fürsorge und die Ausgestaltung derselben überlassen, der Nationalfonds besitzt nur eine Art Obereigentum und wird nur dann helfend eingreifen müssen, wenn sich Schwierigkeiten administrativer oder finanzieller Art ergeben. Damit hat wo|il Trietsch recht, wenn er meint, daß das spezialisierte Interesse eine lebhaftere Beteiligung hervorrufen wird, und doch ergeben sich bei der eventuellen Ausführung seines Planes, in dem er eine Reihe von Möglichkeiten erwogen hat, so viele Schwierigkeiten, daß wir befürchten, sein schöner Plan werde leider nur das bleiben, was er bisher ist — ein Plan. Was vor allem die Grundlage anbelangt, auf die Trietsch seine Ausführungen über die B u k o w i n a e r jüdisch e Kolonie stützt, so sei konstatiert, daß ein Punkt, wahrscheinlich infolge Undeutlichkeit des Berichtes über die Czernowitzer Landeskonferenz, von Trietsch falsch verstanden wurde. Die angeführte Summe von 12 000 Kronen ist nicht als Nationalfondsleistung der Bukowina in einem Jahre, sondern in zwei Jahren zu verstehen, so daß sich pro Jahr nur die Summe von rund 6000 K. ergibt. Es ist auch die Anstellung eines bezahlten Sekretärs beschlossen worden, aber seine eifrige Agitation in den nächsten Jahren wird sich wohl darauf beschränken müssen, die arg vernachlässigte Organisation zu festigen und die Summe von 6000 K. zu erhalten. Es kann im günstigsten Falle für absehbare Zeit höchstens von einer Steigerung der Nationalfondseingänge auf 10 000 K. jährlich gesprochen werden, so daß die weiteren Konklusionen von Trietsch, die er, fußend auf der Annahme eines Nationalfondseinganges von 20 000 K. jährlich aus der Bukowina, gezogen hat, von selbst hinfällig werden. Trietsch erwähnt ferner den auf der Landeskonferenz in Czernowitz beschlossenen Kolonisationsverein und räumt diesem einen hervorragenden Platz in seinen Ausführungen ein. Diesem Teile seiner Ausführungen sei folgendes entgegengehalten. Wohl wurde ein Kolonisationsverein beschlossen, jedoch ohne daß man sich des näheren über seine Ziele und seine Wirksamkeit klar geworden wäre. Jedenfalls denkt Trietsch sehr optimistisch — ein Beweis, daß er die Bukowinaer Verhältnisse nicht kennt —, wenn er schon für die nächste Zeit auf eine Mitgiiederzahl von 1000 Personen rechnet, von denen jede jährlich eine bestimmte Summe als Anteil dem Kolonisationsvereine zuführen würde, um so der Kolonie eine feste Einnahmequelle zu verschaffen. Soweit wir informiert sind, waren die erwähnten Anteile von 12 Kronen zum größten Teile als einmal zu zahlende gedacht, und die Einnahmen des Kolonisationsvereins waren dazu bestimmt, den schon bestehenden, ziemlich kläglichen Fonds von 2000 K. durch kleine Spenden zu vergrößern. Auf das regelmäßige Einfließen von 12 000 K. jährlich als geringste Summe, wie Trietsch annimmt, ist jedenfalls auf eine absehbare Reihe von Jahren hin nicht zu rechnen. Wir wollen die speziellen Bukowinaer Verhältnisse vorläufig verlassen und uns mit dem Teile in den Ausführungen Trietschs befassen, die von allgemeinem Interesse sind. Trietsch geht nämlich noch weiter und nimmt seine Ausführungen über die Bukowinaer jüdische Kolonie nur als Einzelfall, als Muster für die bereits oben erwähnten Gründungen von Landkolonien in großem Maßstabe. Dies ist der springende Punkt in seinen Ausführungen, und dieser Vorschlag ist es auch, der, wie wir fest überzeugt sind, seinen ganzen Plan unausführbar macht. Er meint, daß in Kürze jede Landesorganisation ihre eigene Kolonie in Palästina haben werde, und daß der Nationalfonds es sich zum Prinzip machen solle, alle Nationalfondsgelder, welche aus einem Lande einfließen, ausschließlich für den Aufbau und die Ausgestaltung der Kolonie dieses betreffenden Landes zu verwenden, und zwar so, daß entweder der Nationalfonds der zu gründenden Kolonie den Boden kreditiert und sich aus den jährlich einfließenden Nationalfondsspenden aus diesem Lande bezahlt macht, oder aber, daß der Nationalfonds jeder Kolonie den entsprechenden Boden in ewige Pacht gibt und daß die Nationalfondserträgnisse für die Amelioration des Bodens, für das Anlegen von Brunnen, Baumpflanzungen usw. verwendet werden. — Das ist nun ein Vorschlag, der für viele Jahre hinaus völlig undurchführbar ist. Wohl soll der Nationalfonds nur Boden kaufen, wir wissen es aber nur zu gut, wieviele andere, momentan viel dringendere Aufgaben des Nationalfonds in Palästina warten. Von den vielen Unterstützungen unserer kulturellen Institutionen, wie des Gymnasiums und der Bezalelschule abgesehen, steckt ein großer Teil der Nationalfondsgelder in Form von langfristigen Darlehen bei der A. P. C, die wieder das Geld an die neugegründeten Arbeitergenossenschaften verleiht; ein anderer Teil ist an die Häuserbaugesellschaften verliehen, welche der Wohnungsnot in den palästinensischen Städten zum Teil wenigstens abhelfen müssen. Und es ist verständlich, daß der Nationalfonds mit einem Male hier seine hilfreiche Hand nicht entziehen kann, ja, man kann wohl mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß von Jahr zu Jahr immer größere Anforderungen an den Nationalfonds in dieser Hinsicht herantreten werden. Wohl werden die Gelder nur verliehen, aber es ist doch klar, daß auf diese Weise der Nationalfonds für lange Jahre hinaus stark engagiert ist. — Das Direktorium des Nationalfonds kann es niemals zugeben, daß das jährliche Einkommen desselben, lange bevor es eingeflossen ist, aufgeteilt wird. Es ist demnach klar, daß die Hauptstütze des Planes des Gg. Trietsch, die Spezialisierung des Nationalfonds, wegfällt und daß man in der Bukowina an die Gründung einer Kolonie in dem Ausmaß, wie Trietsch es vorschlägt, nicht denken kann. Die Bukowinaer Landesorganisation weiß es nur zu gut, daß sie 60 000 bis 100 000 K. — und das ist ja als Anfangssumme für eine Kolonie im Sinne Trietsch noch ziemlich wenig — nicht wird aufbringen können. Der jetzt vor-

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