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Die Welt · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 18)
Language
German
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608 DIEIaKIT Nr. 22 z*ji erleichtern, haben wir ein Abkommen getroffen mit .dem Share-Club für Deutschland (Briefadresse: Hamburg, Fer- dinandstr. 55; Zahlstelle: Postscheckkonto Hamburg Nr. 3275, ^Zionistische Ortsgruppe); der Mitgliedsbeitrag kann durch Aufblieben von gewöhnlichen Share-CIub-Marken auf eine besondere Karte entrichtet werden. Zur Deckung der erhöhten Spesen wird die Karte mit 50 Pf. berechnet, so daß im ganzen 10,50 M. zu entrichten sind. Gesinnungsgenossen, welche diesen Zahlungsmodus wünschen, belieben dieses gefl. bei der Anmeldung anzugeben. Durch diese Einrichtung ist auch weniger bemittelten Gesinnungsgenossen die Möglichkeit gegeben, durch fast unmerkliche Beiträge die Chance zu bekommen, eine Reise nach Palästina zu gewinnen. Wir bitten die Gesinnungsgenossen von den dargebotenen Erleichterungen ausgiebigen Gebrauch zu machen. Palästina-Reise-Gesellschaft e. V. in Hamburg. Der geschäftsführende Ausschuß. 1. A.: Dr. Chwolles. Hamburg-Bahrenfeld, Mozartstr. 34. Die Parteiblätter werden freundlichst um Nachdruck gebeten. ooo £Q_ PALASTINA ooo iSS5* Ein Baufonds für das hebräische Gymnasium in Jerusalem Das Zentralkomitee der galizischen Zionisten veröffentlicht einen Aufruf, in dem die Juden Galiziens zur Sammlung eines Baufonds im Betrage von 100 000 Kronen für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem aufgefordert werden. Der Aufruf weist darauf hin, daß die Anstalt von zwei Lehrkräften galizischer Herkunft, den Herren Salomon Schiller und Dr. Torczyner, geleitet wird und daß auch das Schülermateriai des Gymnasiums hauptsächlich aus den Angehörigen der galizischen und russisch-polnischen jüdischen Gemeinden Jerusalems besteht. Die Förderung und Ausgestaltung des Instituts sei daher in erster Reihe Ehrenpflicht der galizischen Juden. Der Aufruf sieht eine Art Kopfsteuer der nationalgesinnten galizischen Judenschaft in Höhe von 1 Krone für jedes Familienmitglied vor. Auf diese Weise hofft man, den erforderlichen Betrag von 100 000 Kronen in kürzester Zeit aufzubringen. Die Namen der Spender werden in ein „Goldenes Buch" eingetragen werden, das in den Räumen des Jerusalem er Gymnasiums aufbewahrt werden soll. Durch Zeichnung eines Betrages von 30 Kronen soll die Mitgliedschaft des Gymnasiums erworben werden, ein Betrag von 250 Kronen soll die lebenslängliche Mitgliedschaft und ein solcher von 1000 Kronen den Charakter als Stifter verleihen. Die Sammlungen sind bereits eröffnet worden und haben bisher etwa 2000 Kronen ergeben. Von der jemenitischen Einwanderung Anfang Mai d. J. sind weitere 150 Jemenitenfamilien in Haifa und Jaffa gelandet. Die meisten von ihnen gingen nach Galiläa, ein Teil auch nach Chedera und Sichron- Jakob. In diesen beiden Kolonien hatte sich bereits im März d. J. eine größere Anzahl jemenitischer Familien niedergelassen, die ausnahmslos Arbeit bei den Kolonisten gefunden haben. Eine aus Vertretern der jüdischen Arbeiterorganisationen und der Palästinagesellschaften bestehendes Komitee wird demnächst in Jaffa zusammentreten, um über die Schaffung geeigneter Arbeits- und Lebensbedingungen für die Jemeniten, insbesondere auch über die Frage des Häuserbaues für diese Einwanderer zu beratschlagen. fs^ Nachrichten"^] Zum Kiewer „Ritualmord"-Prozeß Am 23. Mai wurde der Journalist B r a s u 1 im Gendarmeriekommissariat zu Kiew einige Stunden hindurch in Gegenwart des Staatsanwalts vernommen. Am 24. Mai folgte die Vernehmung einiger Zeugen, die Brasul in seiner Denkschrift namhaft gemacht hatte. In den Kreisen der „Schwarzen Hundert" und der übrigen Judenfresser herrscht Bestürzung ob der Enthüllungen Brasuls, derei. heiten vorläufig im Interesse der Untersuchung noch: gehalten werden. Der V, Jüdische Turntag in Berlin Der V. Jüdische Turntag fand am 26.-28. Mai in Berlin statt. Er war von Delegierten und Gästen aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland, Holland, der Schweiz, den Balkanländern und der Türkei außerordentlich gut besucht. Die Tagung war für die Jüdische Turnerschaft hauptsächlich von organisatorischer Bedeutung. Die Verfassung der Turnerschaft fand eine grundlegende Umgestaltung, die dem neugewählten Ausschusse eine großzügigere Arbeitsweise ermöglichen wird. Ein Festkomrners und ein großes Sportfest gaben der Jüdischen Turnerschaft Gelegenheit, einem zahlreichen Publikum in Wort und Tat ein Bild ihres Wirkens zu geben. Wir werden in unserer nächsten Nummer ausführlich auf das Ergebnis des Turntages zurückkommen, das auch für die zionistische Organisation von eminenter Bedeutung ist. Eine hebräische Schule in Ungarn Mit Bezug auf die in Nr. 19 der „Welt" abgedruckte Notiz „Ein hebräischer Kindergarten in Ungarn" wird .uns aus Szatmär geschrieben, daß die-dortige hebräische Schule nicht von einer in Palästina ausgebildeten Lehrerin, sondern von dem aus Rußland stammenden Herrn Tobias K a t z, der früher an der Spitze der hebräischen Schule in G w o z d z i e c (Galizien) stand, geleitet wird. Die Anzahl der Schüler im Kindergarten, in den Abteilungen für Elementar- und Mittelschüler und für Erwachsene beläuft sich auf etwa 100. Die Schule wurde von dein hebräischen Sprachverein „Sapha Chaja" in Szatmär ins Leben gerufen und hat bei der gesamten dortigen jüdischen Bevölkerung lebhaften Anklang gefunden, so daß ihr eine günstige Entwicklung vorausgesagt werden kann. Bücherbesprechungen Max B r o d: Arnold Beer. Das Schicksal eines Juden. Roman. — Verlag Axel Juncker, Berlin-Charlottenburg. 1Q12. Dieses Buch liest man in einem Zuge, immer hastiger; dann legt man es weg, gleichgültig, höchstens ein wenig verdrossen — wie man etwa eine Zeitung aus der Hand legt. Einige mögen wohl starken Unmut empfinden. Das ist durchaus nicht notwendig und darum nur ungerecht; verleitet auch dazu, manches Schöne des Buches nicht zu sehen, manches Lächerliche darin traurig-ernst zu nehmen. Es ist eine kleine, Enttäuschung, weiter nichts: Der Titel „Das Schicksal eines Juden" bereitet uns eindringlich-pleonastisch auf etwas vor, was in einer Dichtung beim Lesen selbstverständlich ist: die Anteilnahme an dem Schicksal des Helden, das Miterleben der im Wandel wirkenden Ideen, das Erfühlen der Seelen und der Seele des Kunstwerks. Hier hält das Werk nicht, was sein Titel verspricht. Unsere Anteilnahme, welche durch die Titelworte gewissermaßen zu Befehl kommandiert wurde, wird nicht ausgelöst. Wir suchen krampfhaft mitzuerleben. Es geht nicht. Das Schicksal des Juden Arnold Beer läßt uns gleichgültig. Arnold Beer nennt sich „eine typische Fernwirkung". Ein stetes Stimulans für Andere. Doch ohne zwingende Gewalt, die selbst Unschöpferischen in ihrer Wirkung innewohnen kann, wenn sie das Schöpferische erfassen, begreifen körnen; die Anteil erwecken könnte, wenn sie auch nur nach diesem Begreifen ringen. Doch dieser Arnold Beer ist nett; mehr nichts, Sympathisch für zehn Minuten eines lauplätschernden Soireegesprächs. Unsympathisch höchstens, wenn man e 1 f Minuten mit ihm sprechen muß. Er selbst — ein Geschäftiger; auch in den Angelegenheiten anderer. Das ist seine „Fernwirkung1' Dieses „Schicksal" läßt uns kalt. Aber Arnold Beer, diese stetig anerkannte vielfältige Mittel mäßigkeit, hat eine alte Großmutter. Eine prächtige Jüdin felshaft und gewaltig. Der Eindruck, den sie auf ihren Enkel macht, löst sein „Schicksal". Er wird Journalist. Da liegt die ganze artistische Unwahrheit des Romans: Arnold Beer kann auch im Zusammensein mit der Großmutter unsere Anteilnahme nicht erwecken; denn das, was er aus ihr fühlt, das Blut der Menschen, die in tausendjähriger Wanderung ihre Vielfältigkeiten erlebten, das wächst so riesenhaft über Arnold

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