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Die Welt · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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662 DIE^ELT: Nr. 22 sollen. Die Loge ist im Laufe eines Jahres von 20 auf 150 Mitglieder gestiegen, hat sich ein schönes eigenes Heim geschaffen, eine jüdische Bibliothek gegründet, die sich mit der Zeit zur Zentralbibliothek der hiesigen Judenschaft entwickeln wird, und hat in bedeutendem Maße zur Schaffung eines jüdischen, gesellschaftlichen und geistigen Milieus durch Veranstaltung von Vortrags- und Konzertabenden beigetragen. Neuerdings hat sie sich auch größeren Aufgaben sozialen Stiles zugewendet, so der Organisierung der jüdischen Stadtannenfürsorge, dem Studium des jüdischen Anteiles am hiesigen Mädchenhandel und der Mittel zu seiner Beseitigung. Wichtiges leistet die Loge in der intimen Zusammenführung von Aschkenasim und Sefardim und von Vertretern aller jüdischer Parteiungen, die gegenseitige Würdigung und Achtung zü lernen Gelegenheit haben. Das Weittragendste mag aber in ihrem Wirken sein die Heranziehung des Gesamtordens und mit ihm großer Schichten des Weltjudentums zu den kulturellen und sozialen Aufgaben, die seiner im Orient harren. Die starke Beteiligung der Bene-Berith der ganzen Welt an den Sammlungen für die Brandgeschädigten in Balat war der Anfang hierzu, eine neue und vielversprechende Etappe war der dieser Tage stattgehabte Besuch des Ordenssekretärs Seelenfreund aus Chicago, der sein besonderes Interesse der Hebung des Schulwesens und der Schaffung eines Studentenheims im Schicksal unseres Volkes zu spielen haben, und unsere Studenten aller Länder wissen ja am besten, was ihre organisierte Tätigkeit für die geistige Gestaltung der Judenheit bedeutet. In einer vorwöchigen Propagandaversammlung hat Dr. Israel Auerbach mit einem französischen Vortrage über die Rolle des Studenten in Europa und im Orient die junge Organisation in die Oeffentlichkeit eingeführt, und dieses glänzend ausgefallene Debüt (eine spaniolische und eine schöne hebräische Rede folgten) verspricht Gutes für die weitere Entwicklung. Es ist sicher, daß die „Agudath Hamithlamdim", zumal wenn das Projekt des Studentenheims Wirklichkeit wird, die beiden kleinen Vereinsgebilde, den hebräisch-nationalen Bund „B e n e J i s r a e 1" und die merkwürdigerweise mit dem hier völlig deplazierten Jargon liebäugelnde „H a 11 i k w a h" bald überflügeln wird. Aber auch diese beiden Vereine haben ihren Segen, <d. i. die Aufrechterhaltung zweier Volkslesehallen und die Gründung ihrer Bibliotheken, Aufgaben, deren Wichtigkeit, insbesondere für die hiesige ärmere Bevölkerung, voll gewürdigt werden muß. Fest und stark, inmitten aller Zeiten Wechsel, steht der „M a k k a b i". Die vergangene Woche war eine Ruhmeswoche für seinen Namen. Am 12. d. M. hat ein großes öffentliches Sportfest des Vereins bei strahlendem Wetter auf einem präch- Vom Sportfest des jüdischen Turnvereins „Makkabi" in Konstantinopel (12. Mai 1912) Freiübungen der Damenriege Freiübungen der Männerriege in Konstantinopel bezeigte, aber auch klar erkennen ließ, daß das amerikanische Judentum sich großen Ernstes mit der Frage der Ablenkung der jüdischen Masseneinwanderung von Amerika nach dem türkischen Orient hin zu befassen beginne. Das Projekt eines jüdischen Studentenheimes, dem die Loge ihre Aufmerksamkeit zugewandt hat, führt uns zur Betrachtung der jüngsten Vereinsbildung, der „Agudath Hamithlamdim", der Organisation der jüdischen Studenten. Die Wichtigkeit dieses Unternehmens ist nicht zu unterschätzen. Es bildet sich hier ein erster Kern jüdischakademischen Lebens, das bis heute hier vollkommen gemangelt hat. Daß er nach wenigen Wochen schon ein Viertel aller hiesigen jüdischen Studierenden umfaßt, spricht von seinem schnellen Fortschreiten und für eine gute Zukunft. Die Organisation ist kein Parteiwerk, aber sie steht, wie selbstverständlich im türkischen Nationalitätenstaat, auf völkischer Basis. Sie kann, wenn sie neben der moralischen Unterstützung der besten hiesigen Kulturelemente auch die materiellen, leistungsfähigen Kräfte am Orte und auswärtiger Instanzen findet, sich zu einem mächtigen Faktor kultureller Hebung des hiesigen Judentums entwickeln. Sämtliche jüdischen Studentenorganisationen der Welt seien nachdrücklich auf die jüngste Schwestergründung aufmerksam gemacht, der sie nach Kräften beispringen sollten. Das türkische Judentum wird in Zukunft eine große Rolle tigen Riesenplatze im Vororte K a d i k ö j stattgefunden. Dreiundfünfzig Turner und Turnerinnen aus allen Abteilungen der Stadt sind hier in ihren malerischen Kostümen aufmarschiert und haben durch ihre stramme Disziplin, ihre jugendliche Kraft, Frische und Fröhlichkeit und vor allem durch ihre hervorragenden turnerischen Leistungen die Tausende ihrer Zuschauer hingerissen. Der neue Turnlehrer, Herr Sonnenschein, selbst ein Turner von ganz außerordentlicher Qualität, hat bewiesen, daß er sich schnell auf seinem neuen und riesigen Arbeitsfelde zurechtgefunden hat und weiß, was mit diesen anstelligen und übereifrigen Jugendmassen anzufangen ist. Das Fest wurde gekrönt durch eine Verteilung von goldenen und silbernen Medaillen an die Preisträger im Wettkampfe. Den ersten Preis gewann Herr Albert Ziffer, den zweiten ein Vertreter der Sektion Balat, die hierdurch die Ehre erwarb, allen anderen Vororten an turnerischen Höchstleistungen voranzugehen. Der „Makkabi" kennt keinen Stillstand und keinen Rückgang. Er wächst andauernd und zusehends innerlich wie nach außen. Bald tritt der Vorort H a i d a r Pascha mit einer neuen Sektion von über 80 Turnern zu den andern, sobald die Turnhallenfrage dort gelöst ist, und so wird auch dort, im Herzen des Konstantinppeler Assimilantentums, das junge jüdisch-nationale Blut bald frisch und fröhlich zu pulsieren beginnen.

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