Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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578 DIE3HKLT Nr. 19 Vom „Misrachi" Persönliches Das neue Hamburger Zentralbureau des „Misrachi44 entfaltet eine lebhafte Propagandatätigkeit. In Berlin besteht unter der Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm L e w y eine Agitationszentrale für Deutschland, die bereits gute Erfolge zu verzeichnen hat. Herr Kantor Blitz hat in der Provinz Posen eine Agitationsreise für den Misrachi bzw. für den Zionismus unternommen. Seine Reden hinterließen überall einen tiefen Eindruck. In Koschmin leitete der dortige Rabbiner, Herr Dr. Heppner, die Versammlung und sprach dem Redner nach dem Vortrage den tiefen Dank der Gemeinde aus. In Hohensalza gewann die zionistische Ortsgruppe nach dem Vortrage von Kantor Blitz viele neue Anhänger. In W r o n k e schlössen sich mehrere Zionisten dem Misrachi an. In Kru schwitz, Borek und Grätz bildeten sich nach dem Vortrag des Redners neue zionistische Gruppen, die sich sämtlich der Föderation „Misrachi" anschlössen. Besonderes Interesse hat Herr Blitz in Pose n hervorgerufen, wo dank der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Dr. Jeremias der Misrachi über 70 Mitglieder zählt. In Galizien unternimmt Herr Rabbinats-Assessor Schuß heim aus St an is lau mit großem Erfolg die Gründung neuer Misrachi-Gruppen. In Tarnow bildete sich nach seinem Vortrag eine größere Gruppe, die bereits 120 Mitglieder zählt. In Stryj führte der mit stürmischer Begeisterung aufgenommene Vortrag des Herrn Schußheim zur Gründung einer neuen Misrachi-Gruppe. Weitere Vorträge hielt Herr Schußheim in T a r n o p o I, J a r o s I a u , Radymno, Debica, Sensitschow und S a n o k. An allen diesen Orten bildeten sich neue, vielversprechende Gruppen. In Kossow hat die emsige Tätigkeit des Herrn Abraham Kreisel, der nach dem X. Kongreß gegen die Lostrennung des Misrachi von der Gesamtbewegung aufgetreten war, zur Gründung einer Misrachi-Gruppe mit regem zionistischen Leben geführt. Herzls zionistische Schriften Der Jüdische Verlag teilt uns mit, das Herzl's Schriften mit einem neuen Einband versehen worden sind. Gleichzeitig ist der Preis für die gebundene Ausgabe von M. 6,— auf M. 5,— herabgesetzt worden. Damit kommt der Verlag vielfach geäußerten Wünschen der Gesinnungsgenossen entgegen, welche über den allzu hohen Preis dieser Ausgabe klagten. Herr Moses H a 1 p e r n in Kiew hat zur Pflanzung von Oelbäumen im Herzl-Wald zum Andenken des Jubiläums der von Nahum S o k o I o w redigierten hebräischen Tageszeitung „Hazefirah" Fr. 300,— gespendet. Urteil. In Sachen des Direktors des J e w i s h C o 1 o n i a 1 Trust in London, Dr. K a t z e n e 1 s o h n in Libau, Klägers gegen den Redakteur Marcus Kahane in Jaffa, vertreten durch Herrn Julius Simon in Mannheim, Beklagten hat das vom Actions-Comite der Zionistischen Organisation eingesetzte Ehrengericht, dem angehört haben: 1. Dr. Adolf Friedemann zu Berlin, als Vorsitzender, 2. Professor Dr. Otto Warburg zu Berlin, 3. Dr. Hans Heymann zu Berlin, als Beisitzer. nach Anhörung beider Parteien wie folgt entschieden: „Die vom Beklagten öffentlich aufgestellten Behauptungen über eine eigennützige und pflichtwidrige Handlungsweise des Klägers in seiner Eigenschaft als Direktor der vorgenannten Bank sind in keinem einzigen Punkte zutreffend. Sie sind leichtfertig erhoben und werden auch durch die ersichtliche Unkenntnis des Beklagten in allen das Bankfach betreffenden Punkten nicht entschuldigt. Das Ehrengericht sieht sich deshalb genötigt, dem Beklagten eine ernste Rüge für sein die Ehre des Klägers ebenso wie die Organisation schädigendes Verhalten zu erteilen." Unser bekannter Gesinnungsgenosse Herr Dr. Zolischan, der Verfasser des Werkes „Das Rassenproblem" wird sich für die Saison in Karlsbad niederlassen. Herr Dr. Zollschan war mehrere Jahre Assistent bei H o I z k n e c h t in Wien und beabsichtigt in Karlsbad ein Röntgen-Institut zu gründen. ~ PALASTINA Vom „Waad-Halaschon" Das hebräische Sprachkomitee zu Jerusalem, dem die Sichtung und Feststellung der hebräischen Terminologie auf allen Gebieten des Wissens sowie der Umgangssprache obliegt, hat sich neuerdings reorganisiert und seine Tätigkeit begonnen. Einige materielle Mittel, die dem „Waad Halaschon" teils von der „Histadruth", teils von der Zionistischen Organisation sowie von Privatspendern zur Verfügung gestellt worden sind, haben ihm die Möglichkeit gegeben, wenn auch in beschränktem Maße, an die Verwirklichung seines Arbeitsprogramms heranzutreten. Er beginnt demnächst mit der Veröffentlichung einer Reihe von kleinen Wörterbüchern, die die Präzisierung der technischen, natur- und geisteswissenschaftlichen Terminologie zur Aufgabe haben. Es wäre zu wünschen, daß die vielversprechende Arbeit des „Waad Halaschon" noch ganz andere Mittel erhielte und sich dann ungehemmt fortentwickeln könnte. Konferenz der jüdischen Landarbeiter in Galiläa In den ersten Tagen des Pessachfestes fand in der jüdischen Kolonie S e d j e r a ein Delegiertentag der jüdischen Landarbeiter aus den galiläischen Kolonien statt. Vertreter der Arbeiterschaft aus Merchawja, Kineret h , Medschdel, Poria, Daganja, Sedjera Mizpeh, Milch a m i e h und Mes'cha, sowie des Arbeiterklubs in Haifa hatten sich zur Tagung eingefunden. Es wurde über die Lage der jüdischen Landarbeiter in den einzelnen Siedlungen berichtet und verschiedene IVlaßnahmen zur Stärkung ihrer Position und zur Besserung ihrer Lebensverhältnisse besprochen. Die Versammlung befaßte sich auch eingehend mit der Lage der jemenitischen Landarbeiter und beschloß, deren Interessen bei der Administration der Ica wahrzunehmen und den Jemeniten in jeder Weise beizustehen. Neues aus Chedera In den letzten Monaten sind in Chedera 400 Dunam Boden mit Mandel- und Oelbäumen, ferner weitere 150 Dunam mit Orangengärten neu bepflanzt worden. Die Orangengärten sind hauptsächlich durch die „ A g u d a t h N e t a i m " angelegt worden. Die diesjährige Wintersaat verspricht einen guten Ertrag. Nur an einzelnen Stellen hat der Weizen infolge der übermäßigen Niederschläge gelitten. Die Gerste entwickelt sich sehr günstig. In den letzten Jahren ist in Chedera auch viel Hafer mit gutem Erfolg angebaut worden. In diesem Jahre dürfte der Ertrag dieser Fruchtgattung qualitativ und quantitativ außerordentlich befriedigend sein. Die Zahl der jüdischen Landarbeiter in Chedera ist in den jüngsten Monaten erheblich gestiegen. Während es hier vor einem halben Jahre bloß dreißig jüdische Arbeiter gab, sind jetzt bei den verschiedenen Pflanzungen etwa 70 aschkenasische und 40 jemenitische Arbeiter beschäftigt. Vor kurzem wurde eine gemeinsame Arbeiterküche eröffnet, der auch eine kleine Bibliothek angegliedert ist. Der Lehrer der Kolonieschule hat im verflossenen Winter hebräische Abendkurse für die Arbeiter eingerichtet, die sich eines regen Zuspruches erfreuten. Es ist in Aussicht genommen, für die neuangekommenen Jemenitenfamilien kleine Wohnhäuser zu errichten. Hierdurch wird die dauernde Seßhaftmachung dieses sympathischen und arbeitsamen Bevölkerungselements in Chedera erreicht werden. Im allgemeinen kann man sagen, daß Chedera sowohl in wirtschaftlicher wie in national-kultureller Hinsicht bedeutende Fortschritte macht. Auch die Gesundheitsverhältnisse dieser in den ersten Jahren von der Malaria schwer heimgesuchten Siedlung sind jetzt durchaus zufriedenstellend.