Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316533--55987-3349849- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
576 Es ist dies die Tendenz, allem Leben den Willen zugrunde zu legen, den Willen als die herrschende Macht des Lebens zu proklamieren, den großen, ernsten Willen, der nicht rechts oder links schielt, nicht fragt noch zweifelt, sondern, über alle Fragen und Zweifel, will. Wir haben alle dies und jenes gewollt, vielmehr, wir hätten gern dies und jenes gemocht. Diese Männer lehren uns: wir müssen einmal aufhören zu „mögen", und müssen lernen zu wollen. Dann wird die beliebte Frage nach der „Durchführbarkeit" aus unsern Unterredungen verschwinden; wir werden aufhören zu fragen, ob etwas, was wir brauchen, abgesehen von unserem Willen auch durchführbar ist. Was ich will, i s t durchführbar. Unser Ideal, unser Ziel, unsere Sehnsucht ist erfüllbar, weil wir wollen. Und da gibt es keine Schranken und Grenzen. Der Wille holt auch das Blaue vom Himmel herunter. Nr, 19 Und hier, meine ich, liegt ein großer (neuer Wert, den die. Bibel zu all den alten Werten für uns noch gewonneih, hat. Die Bibel ist vom ersten bis zum letzten Wort eine Bibel des Willens, ein Lehrbuch zum Willen. In den historischen Teilen und in den mythologischen; ich erinnere an die wundervolle Sage von Israel, der mit dem Engel rang („ich lasse dich nicht, du segnest mich denn") die ganze Nacht, bis er ihn segnete. Und so in den prophetischen Büchern, die keinen andern Inhalt haben, als den Kampf der immer wieder Zusammenbrechenden, der immer wieder Verketzertem und Gesteinigten gegen die träge Masse, den Kampf des Willens gegen die Konvention, diesen Kampf, der immer. zum Untergang der Kämpfer führt, aber immer mit dem Siege der Sache endet. Diese unverbrüchliche Sicherheit dessen, der ernstlich will, können wir nirgendwoher so lernen wie aus der Bibel. „Denn," so sagt einer der Propheten, „so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr." DIE^ELT Milchproduktion in Palästina Es ist bekannt, daß die Milchproduktion für den landwirtschaftlichen Betrieb von hervorragender Bedeutung ist. Die milchende Kuh gewährt dem Landwirt nicht nur eine Einnahme, sondern sie liefert auch den für den Boden nötigen Dünger. Die Frage der Milchproduktion in Palästina, wo jetzt nach Angaben von Kennern großer Milchmangel herrscht, dürfte daher in den Kreisen der Leser dieser Zeitschrift Interesse finden. Eine der größten Schwierigkeiten, die der Milchproduktion in Palästina entgegensteht, ist ihre geringe Haltbarkeit in diesem heißen Lande. Während in Deutschland die Milch durchschnittlich 24 Stunden sich frisch halten kann, gerinnt die Milch in Palästina schon 9—10 Stunden nach dem Melken. Diese geringe Haltbarkeit hat zur Folge, daß in den Städten oft Milchmangel herrscht und die Milchpreise sehr hoch sind. Daß der Mangel an diesem wichtigen Nahrungsartikel die Gesamtheit der Bevölkerung beeinträchtigt, braucht kaum noch hervorgehoben zu werden. Es sei nur erwähnt, daß infolge der geringen Haltbarkeit der Milch dem etwas weiter von der Stadt wohnenden Landwirt die Milchproduktion unmöglich ist, da die Milch schon während des Transports zur Stadt gerinnt. Die Haltbarkeit der Milch läßt sich aber auf verschiedene Weise auch in Palästina vergrößern, so daß der fern von der Stadt wohnende Landwirt seine Milch frisch nach der Stadt liefern kann, und zwar: 1. durch Zusätze von konservierenden Mitteln, 2. durch Sterilisieren, Kochen oder Pasteurisieren, 3. durch Kühlung der Milch. Die erste Möglichkeit kommt deswegen nicht in Betracht, weil alle konservierenden Zusätze mehr oder weniger gesundheitsschädlich und daher auch gesetzlich untersagt sind. Ebenso kommt der zweite Fall für Palästina nicht in Betracht, weil das Sterilisieren, Kochen oder Pasteurisieren der Milch für den Landwirt zu kostspielig und umständlich ist. Auch ist, abgesehen von den Veränderungen, die die Milch durch Sterilisieren, Kochen oder Pasteurisieren erfährt, der Effekt der Vergrößerung der Haltbarkeit bei diesem Verfahren kein erheblicher. Der einzige Fall, der für Palästina in Betracht kommt, ist daher die Konservierung der Milch durch Kühlung. Bei einer Temperatur von 8—10° C. kann sich die Milch mehr als drei Tage vollkommen frisch halten. Natürlich wäre eine dauernde Kühlung durch Eis während der Aufbewahrung und des Transportes bis zur Ablieferung zu kostspielig. Allein eine solche dauernde Kühlung ist auch gar nicht nötig. Es genügt vielmehr eine einmalige Abkühlung der Milch sofort nach dem Melken bis auf 8—10° C. und Aufbewahrung derselben in solchen Kannen, welche die Milch gegen die Umgebungstemperatur isoliert. Solche Kannen sind auch bei der Therrnos A.-G. in Berlin zu beziehen. Die einmalige Abkühlung der Milch kann sich aber jeder Landwirt durch kleine K o c h s a 1 z - K ä 11 e m i s c h u n g s Vorrichtungen selbst besorgen. Zur Feststellung, wie lange sich die Milch in den oben erwähnten Kannen frisch, d. "h. bakterienarm hält, kann man sich des sogenannten Milchprüfers (Micontrol.ler) der Firma Warmbrunn, Quilitz & Co. in Berlin bedienen. Dieser dient auch dazu, rechtzeitig Euterentzündungen der Kuh zu erkennen. Im Interesse des Milchproduzenten, der frische, hygienisch einwandfreie Milch liefert, liegt es, daß der erwähnte Milchprüfer auch beim Publikum Eingang findet, damit es in der Lage ist, die gute, hygienisch einwandfreie Milch von der schlechten, die oft mehr als 1 000 000 Keime per Kubikzentimeter enthält, zu unterscheiden. Es ist allerdings die Befürchtung ausgesprochen worden, daß bei der kleinen Bevölkerung in Palästina sehr leicht eine Ueberproduktion an Milch entstehen kann, wodurch es für den Landwirt unrentabel werden könnte, sich mit Milchwirtschaft zu befassen. Diese Befürchtung ist aber ganz unbegründet. Ich brauche nur zu erwähnen, daß man in London zum Beispiel Milchpulver für Bäcker nicht nur aus der Schweiz, Schweden usw. bezieht, sondern auch aus Australien. Sobald also eine Ueberproduktion an Milch vorhanden ist, kann die Milch ebenso wie in anderen Ländern zu Milchpulver verarbeitetwerden; wofür auf dem Weltmarkt große Absatzgebiete vorhanden sind. Soweit die Bodenverhältnisse es gestatten, sollte daher für die Gründung von Meiereien Kapital flüssig gemacht werden. Für die Gesundheit der Bevölkerung würde sicherlich viel damit getan sein, aber noch mehr würde damit für die Hebung der Landwirtschaft in Palästina geschehen. Milchwirtschaften sind keine spekulativen Unternehmungein, und es könnte daher eine eigens hierzu gegründete Gesellschaft mit großem Erfolge in Palästina arbeiten. Dr. A. Faitelowitz,