Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 18 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE BERLIN W15, SACHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVI. JAHRO. BERLIN, 3. Mai 1912 Vnihn y'Dnn 'K T\X Y'ü ,yhl2 Nr. 18. PALÄSTINA-ARB EIT Seitdem die zionistische Organisation sich für die aif nähme der kolonisatorischen Arbeit in Palästina cntchieden hat, sind zahlreiche Probleme aufgetaucht, an eren Lösung mit immer wachsendem Eifer gearbeitet ird. Eine ganze Literatur ist entstanden, die in unseren eitschriften verstreut ist, die bisher noch nicht zu größen Werken zusammengefaßt wurde und daher in ihrem ■mfange nur einem kleinen Kreis besonders Interessierter ekannt ist. Es kann jedoch gar nicht oft genug auf ie Notwendigkeit hingewiesen werden, die Kenntnis ieser Fragen in weitesten zionistischen Kreisen zu verleiten. Denn die Arbeit in Palästina ist gegenwärtig bereits soweit fortgeschritten, daß es an der Zeit ist, ihre Resultate zu bewerten, aus den gemachten Erfahungen Schlüsse zu ziehen und zu prüfen, ob wir auf dem ichtigen Wege sind. In erster Linie sind hierzu naturgemäß die leitenden ersönlichkeiten unserer Bewegung berufen, denn auf men ruht die Verantwortung, sie haben zu vertreten, was asere Banken und Landgesellschafterl leisten. Diese erantwortung wird mit dem Anwachsen unserer Arbeit i Palästina immer größer, und so ergibt sich die Vernichtung für die Führer der Organisation, insbesondere ir die Mitglieder des Aktionskomitees, sich von dem 'esen und dem Stand unserer Tätigkeit ein klares Bild i verschaffen. Die Zeiten sind vorbei, da man die zionistische Organisation auf die „vorbereitende Tätigkeit", auf das Schaffen von Bedingungen" in Palästina verweisen onnte. Wir stehen heute bereits in ernster kolonisatorieher Arbeit, und nicht unser Wille, sondern der Mangel n Mitteln ist es, der unsere Tätigkeit in verhältnismäßig nge Grenzen bannt. Mehr und mehr schwindet auch das Vorurteil, das in X'esteuropa gegen den ,.palästinensischen" Zionismus nzutreffen war. Die Furcht vor der „Klein-Kolonisation" vas ist das?) kümmert uns nicht mehr, und schon sehen ir, wie die Palästinaarbeit unsere Organisation mit -ischem Leben erfüllt. Der propagandistische Wert der kolonisatorischen ätigkeit wurde stets anerkannt, und in der Tat ist nichts o geeignet, unsere Ideen zu popularisieren, als der Hineis auf die bereits geleistete Arbeit in Palästina. Wichtiger aber, als dieses äußerliche Moment ist die Erkenntnis, die nach langen Meinungskämpfen durchdrang, daß zwischen unserer Ideenwelt, zwischen dem System des politischen Zionismus und der Palästinaarbeit ein innerer Zusammenhang besteht, der für die Erziehung der Jugend zum Zionismus von ganz besonderer Bedeutung ist. Es ist wahr, daß die Organisation nicht mehr von dem stürmischen Leben der ersten Herzischen Zeit erfüllt ist. Unsere Jugend ist ruhiger geworden, sie rechnet mit allmählicher, organischer Entwicklung aber sie ist darum nicht weniger idealistisch, nicht weniger national gesinnt, als die erste Generation, die das Glück hatte, von Herzl geführt zu werden. Und dieser jungen Generation von heute schenkt die Palästinaarbeit ein ideal, dessen Strenge und Größe von höchstem erzieherischem Wert ist: Das Ideal des Pioniertums. Wir haben oft bemerkt, daß das Feuer zionistischer Begeisterung allmählich nachläßt, weil es im Leben des Alltags nur ungenügende Nahrung findet. Für den modernen Juden der Diaspora ist der Zionismus zunächst nichts, als das Bekenntnis zu einer neuen Gesinnung. Die Gesinnung in Taten umzusetzen — sei es durch Wort, Schrift oder organisatorische Leistung'- - ist nur denjenigen möglich, die an der politischen oder organisatorischen Arbeit unserer Bewegung direkt teilzunehmen imstande sind. Für die Mehrzahl bleibt der Zionismus eine Ueberzeugung, die nicht zu Taten führt, eine Gesinnung, die mit der Arbeit des Tages nichts zu tun hat. Insbesondere die Jugend muß hierunter leiden. Denn die Jugend ist konsequenter als das Alter. Sie will sich mit Diskussionen in Vereinen und Versammlungen, mit Schekelverkauf und Nalionalfondssammlung nicht begnügen, sie will — wenigstens in der Phantasie —■ ganz und gar, mit Leib und Seele, mit allem Fühlen, Denken und Tun im zionistischen Ideal leben. Seitdem Zionismus und Palästinaarbeit unlöslich miteinander verbunden sind, hat unsere Jugend die Möglichkeit gewonnen, der Gesinnung die Tat folgen zu lassen, und weil diese Tat Ernst und Entschlossenheit verlangt, ist sie für unser Volk ein Erziehungsmittel ersten Ranges. Gerade für junge Menschen hat das Pioniertum besonderen Reiz, und wenn es auch unter dem Zwange äußerer Verhältnisse vorläufig nur einer kleinen Zahl möglich sein mag, aus der Idee die letzte Konsequenz zu