Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Auf die Tagesordnung der nächsten Parteirat-Sitzung wurde zunächst die Entscheidung über unser Verhältnis zu den anderen zionistischen Organisationen in Oesterreich gesetzt. Vortrag Professor Weizmann (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Vor großem Auditorium sprach das Mitglied des A. C. Gg. Dr. Weizmann (Manchester) als Gast des Zionistischen Zentralvereins über die nationale Bewegung. Er führte aus, daß das „Weltbürgertum" und die falsche Münze dafür, der Internationalismus, eine Erfindung gewisser jüdischer Schichten sei, die beweisen wollen, daß die Juden keine Nation sind. Nach einer Definition des Wortes „Nation" legte Dr. Weizmann dar, daß wir alle inneren Bedingungen einer jüdischen Nation in uns tragen. Auch der Assimilationsjude sei national, wie seine Sucht zum Proselitenmachen bezeuge. Ja, das Charakteristikum der Juden sei ein unausrottbarer Nationalismus, der allein genüge, um den Kampf gegen uns zu erklären. Bezeichnend sei Hainaus einfache Begründung für seinen Judenhaß: „Es lebt ein Volk zerstreut unter andern Völkern und hat eigene Gesetze." Deshalb könne jedes Land nur eine bestimmte Dosis Juden verdauen. Nach einem Rückblick auf die historische Entwicklung, aus der Redner schließt, daß eine Assimilation als Massenerscheinung ausgeschlossen sei, bespricht Dr. Weizmann den heutigen Zustand: „Das moralische Spektrum der Juden ist ein Jargon, ist interessant wie Heine, hat aber auch das gleiche Schicksal wie Heines Denkmal. Wir leben nicht i n der Kultur, sondern a n der Kultur der Wirtsvölker. Wir sind genügend „angepaßt", um nicht mehr Juden zu sein, aber zu wenig, um den andern nicht mehr als Juden zu erscheinen. Dieser Zustand habe in den Anfängen unserer Bewegung auch auf den, Zionismus abgefärbt. Er war stark assimilatorisch. Erst als die westlichen Offiziere mit der östlichen Volksmasse in Berührung kamen, wich das Gespenst der Assimilation aus unserer Mitte. Immer aber muß der Zionismus im Exil „jargonisiert" bleiben. Nur der in Palästina erlebte Zionismus ist hundertprozentig. Deshalb ist das ganze Zentrum der Bewegung nach Palästina zu verlegen. Der geschätzte Redner erntete lebhaften Beifall. Rußland Saratow. In unserer entlegenen Stadt an der Wolga haben die Herren Mirenberg und Itkin sich ein großes Verdienst durch die Gründung eines Damenvereins erworben, der kürzlich eine jüdische Soiree veranstaltete. Der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Schulmann folgten musikalische Vorträge und Deklamationen. Als auf der Bühne das Bild Dr. Herzls erschien und das Lied: Od lo owdo tikvvossenu ertönte, erreichte die Begeisterung ihre Höhe. Für den Nalionalfonds wurden 100 Rbl. gesammelt. England London. Am 13. April fand eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Mr. Israel Cohen, der zu einem kurzen Besuch aus Berlin gekommen war, über die gegenwärtige Lage der zionistischen Bewegung sprach. Mr. Murray Rosenberg führte Lichtbilder vor und sprach erläuternd über die Arbeit des Jüdischen Nationalfonds. Mr. S. B. Hubenstein führte den Vorsitz. Der Ueberschuß des Eintrittsgeldes fließt dem. Nationalfonds zu. Manchester. Am 5. April fand in der Young Men's Zionist Society ein Vortrag von Mr. Reynolds über „Die Lösung der Judenfrage" statt. Die literarische Abteilung der Zionist Association ist eifrig bemüht, die hebräische Bibliothek zu vergrößern und zu popularisieren. Leeds. Die Zionist Association hat dem Jewish Colonial f rust £ 10 überwiesen zur Eintragung von Mr. W. Siel kys Namen in das Goldene Buch des Nationalfonds in Anerkennung seiner Verdienste für die Association und die zionistische Bewegung. Vereinigte Staaten von Nordamerika Die Jahresversammlung der Federation of American Zionists, welcher der Order Sons of Zion, Young Judaea und die Poale Zion-Organisation Amerikas angegliedert sind, wird am 30. Juni d. J. in Cleveland eröffnet werden und drei Tage dauern. Die vorbereitenden Arbeiten liegen in den Händen eines Komitees, das aus Zionisten Clevelands und dem Executive Gomittee der Federation zusammengesetzt ist. Die Convention wird bedeutungsvoll sein, denn während des letzten Jahres hat die Federation an Ausdehnung gewonnen, es sind neue Vereine und Gesellschaften gegründet worden. New York. Die erste Jahresversammlung der Zionist Association of Greater New York fand am 6. April statt. Es wurde ein Vorstand eingesetzt, dem aufgetragen; wurde, namentlich in den Vororten eine rege Propaganda in Angriff zu nehmen. Kanada Montreal. Bei der Federation of Zionist Societies of Canada sind im Vorjahre folgende Beträge eingegangen: An Schekolim........... . . . M. 1546.40 „ Federations-Beiträgen ......... „ 1075.00 „ sonstigen Federations-Einnahmen..... „ 264.00 „ Eintragung in das Goldene Buch von Mr. A. Levin auf den Namen v. Leon Levin ... „ 200.00 „ Länderfonds-Spenden......... „ 3651.12 „ Bezalel-Spenden ........... „ 2716.00 „ Anglo-Palestine Aktien......... „ 61.32 „ Spenden für den Herzl-Wald-Fonds .... „ 30.00 „ Spenden für den Nationalfonds...... „ 40.00 „ Nationalfondsmarken.......... „ 401.48 „ ncuHjnaiiuiiuöiimiKCii......... „ M. 9985.32 Am 20. März veranstaltete die Young Ladies' Zionist and Literary Society einen Ball. Am 4. April fand der letzte diesjährige Gesellschaftsabend statt, bei welchem Mr. Rüben Brainin, Redakteur des „The Jewish Eagle", einen Vortrag in jüdischer Sprache, und Rabb. Nathan Gordon einen Lichtbildervortrag betitelt: „Eine Reise durch Palästina" hielt. Südafrika ßethal. Ein zionistischer Verein ist in Bethal, dem Wohnort einiger eifriger Zionisten, begründet worden. Boksburg. Am 11. Februar fand eine Generalversammlung der Boksburg Juvenile Zionist Association statt. Germiston. Die Jahresversammlung der Germiston and Georgetown Zionist Association fand kürzlich statt, wobei konstatiert wurde, daß die Arbeit des verflossenen Jahres von Erfolg gekrönt war. Roodepoort. Nach einer Pause von sechs Monaten fand am 18. Februar eine öffentliche Versammlung der Zionist Society statt. Um den Verein wieder hochzubringen, waren zwei Delegierte von der Federation, die Herren Hersch und Morris, zu der Versammlung geladen, die von ca. 30 Herren besucht war. Bloemfontein. Der Vizepräsident der* South African Zionist Federation, Dr. Manfred Nathan, hielt kürzlich einen Vortrag in der Synagoge vor einem großen Auditorium. Saüsbury. Hier ist ein neuer zionistischer Verein gegründet worden. Laingsburg. Auch in Laingsburg fand die Gründung eines zionistischen Vereins statt. Kapstadt. Dr. Landau hielt für die zionistische Jugend vor einiger Zeit einen gutbesuchten Vortrag. Unter der zionistischen Jugend hat sich auch eine Gesellschaft für die Verbreitung und das Studium der hebräischen Sprache gebildet. Johannesburg. In Verbindung mit dem Schekeltag fand am 3. März (Purim) eine öffentliche Versammlung unter dem Vorsitz von Mr. A. M. Abrahams, dem Präsidenten der South African Zionist Federation, statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Außer dem Vorsitzenden sprachen noch die Herren I. Ca plan, J. B. Shaksnovis, S. Lennox Loe w e, Benzion S. Hersch, B. J. Chaimowitz, Dr. Goodman u. a. m.