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Die Welt · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE ELT BERLIN W15, SACHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT 1EDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVI. JAHRG. BERLIN, 19. April 1912 Uni^P V'önn 'N TW '3 ^hl2 Nr. 16. DAS JUBILÄUM DER „HAZEFIRAH" Von Dr. M. Glücksohn Die hebräische Presse und Literatur begeht dieser Tage ein seltenes Fest, das zugleich einen Feiertag für das gesamte moderne Nationaljudentum bedeutet. Das hebräische Tageblatt ^Hazefirah" feiert das fünfzigjährige Jubiläum seines Bestehens. Dieses Jubiläum ist ein freudiger Gedenktag nicht nur für das führende Organ des modernen Judentums in Rußland, sondern für die neulebräische Presse und Literatur überhaupt. Die „Haze- Jrah" ist freilidi nicht das erste Preßorgan in hebräischer Sprache. Von den Blättern, die von erzieherischer Bedeutung für den hebräischen Leserkreis und mittelbar auch für die weitere jüdische Oeffentlichkeit wurden, sei hier beispielsweise der „Hamagid" genannt, der einige Jahre vor der „Hazefirah" gegründet wurde. Allein, Keinem einzigen hebräischen Blatte war es vergönnt, seinen fünfzigsten Geburtstag zu erleben und, vas noch mehr bedeutet, sich durch Jahrzehnte einen lerartig ausgedehnten Leserkreis zu gewinnen und zu er- .alten. Kein zweites Blatt kann genannt werden, das inen auch nur annähernd so mächtigen und anhältenden rzieherisc'hen Einfluß auf weite Volkskreise ausgeübt iätte, wie die „Hazefirah". Dem 1862 von dem Matheaatiker und Astronomen Ch. S. S 1 o n i m s k y gegründen Wochenblatt war es vorbehalten, Hebel und Machtktor zweier Zeitalter in der neuesten jüdischen Gell ichte zu werden, eine führende Stellung in zwei roßen Bewegungen einzunehmen. Die „Hazefirah" Slonimskys war der typische Ausdruck der Aufklärungszeit. Der Utilitarismus der rusischen Aufklärung der sechziger Jahre auf die jüdischen /erhältnisse übertragen — das war damals der Grundug der jungen „Hazefirah". Diese Aufklärungstendenz urde aber — und hierin unterschied sich die „Hazerah" von anderen hebräischen Blättern der Haskalait — durch einen gewissen Konservatismus und Respekt vor der Tradition gemildert. Die „Hazefirah" var kein haskalistisches Sturm- und Drangblatt. Um > eher konnte sie deshalb auf weite Volkskreise Einguß gewinnen. Dazu kommt noch ein anderes Moment, |eias die „Hazefirah" wesentlich von den zeitgenössischen hebräischen Blättern unterscheidet. Es ist dies die ruhige, (positive Arbeit im Sinne des Aufklärungsprogramms. Die >, Hazefirah" begnügte sich nicht mit hohlen Deklamationen, (mit überschwenglichen lyrischen Ergüssen zu Ehren des „Lichts der Aufklärung", der „Haskalah, der Tochter des Himmels", wie sie zu jener Zeit gang und gäbe waren. Sie suchte in erster Reihe praktisch für den Anschluß der Ghettomenschen an die moderne Kultur etwas zu tun. Die Redaktion der „Hazefirah" legte deshalb besonderes Gewicht auf populäre wissenschaftliche Abhandlungen und auf instruktive Aufsätze allgemeiner Natur, die in der traditionellen jüdischen Wißbegierde einen sehr dankbaren Resonnanzboden fanden. So war die „Hazefirah" in ihrer ersten Periode ein Aufklärerblatt im guten Sinne des Wortes. Die sachliche positive Aufklärungsarbeit bewahrte die „Hazefirah" vor der hohlen Haskalah-Phrase, vor dem geschmacklosen Schwulst des Melizahstiis, der über die hoffnungslose Oede des Inhalts hinweghelfen sollte. Aus diesem Grunde wurde die „Hazefirah" sowohl von den konservativen „Lamdonim"-Kreisen, wie auch von den kritisch veranlagten und positiv gerichteten Köpfen bevorzugt, während das landläufige Haskalah-Schrifttum mehr der verschwommenen Gefühlsduselei diente. Aus der Enge der Judengasse mit ihren — allerdings neuen — Bedürfnissen, ist jedoch die „Hazefirah" in der ersten Periode nicht herausgetreten. Dem modernen Juden, der aus dem Vollen der Zeitkultur geschöpft, harte sie nicht viel zu bieten. Sie hätte auch gar nicht den Ehrgeiz, das Bedürfnis nach einer modernen Zeitung, insofern es überhaupt vorhanden war3 zu befriedigen. Dies wurde nun anders mit dem Eintritt Sokolows in die Redaktion, insbesondere seit der Umwandlung der „Hazefirah" in ein Tageblatt. Die „Hazefirah" erhält nun, wenn man so sagen darf, einen großstädtischen Zug. Man merkte es der neuen „Hazefirah" bald an, daß hier ein Element höher differenzierter Kultur hinzukam, — daß die geistige Leitung des Blattes in die Hände eines modernen Journalisten im besten Sinne des Wortes übergegangen war, eines „uomo universale", der auf der Höhe der modernen Bildung steht, gleichzeitig aber über ein enzyklopädisches jüdisches Wissen verfügt und die ungeheuren Schätze der hebräischen Sprache in ihren mannigfachen Schichtungen und Gliederungen wie kein zweiter beherrscht. Die neue

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