Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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456 —— D IE 3 schläft igen. Nicht von geringerer Bedeutung sind hier die Juden als Kaufleute. Der ganze Transithandel war in ihren Händen. Die Juden handeln größtenteils mit Rohprodukten und heben dadurch den Wohlstand des Landes. Aber gegen das Ende des Mittelalters haben sie schon Konkurrenzkämpfe mit der christlichen Bevölkerung, die allmählich zum Handel griff, zu bestehen. Juden als Münz-, Zoll- und Grubenpächter sind in diesem Zeiträume nicht selten. Auch als Handwerker finden wir sie in fast allen Städten, und nach einer Broschüre vom Jahre 153*9 (De mercatura etc.) soll der jüdische Handwerk erstand dreimal größer gewesen sein als der jüdische Kaufmannsstand. Besondere Kapitel widmet der Verfasser den Kreditoperationen der Juden, wie auch ihren Steuerleistungen. Von großem Interesse ist auch der Abschnitt, der die Pogrome im XIV. und XV. Jahrhundert behandelt. Das Werk, welches den Preis des Wawelberg-Fonds der Lemberger Universität erhalten hat, stellt eine wissenschaftliche Leistung von hohem Werte dar. Der Verfasser hat sich auch jüdischer iQuellen, aber leider in Uebersetzungen, bedient. Hoffentlich macht der Verfasser recht bald durch eine deutsche Uebersetzung sein Werk einem größeren Leserkreise zugänglich. Wien. N. M. Gelber. * Zur Geschichte der Juden im bayrischen Schwaben, f. Die jüdischen Friedhöfe in Kriegshaber, Bultenwiesen und Binswangen. Von Louis Lamm. Berlin 1912. Verlag von Louis Lamm. Preis 1.50 M. Der Verfasser beginnt mit der vorliegenden Schrift die Veröffentlichung seiner Studien zur Geschichte der Juden in der ehemaligen .Vlarkgrafschaft Burgau, auf deren kleinem Gebiete 10 jüdische Gemeinden bestanden. Die Geschichte dieser Gemeinden ist bis jetzt nach nicht behandelt worden, trotzdem die bisher veröffentlichten Bruchstücke des Memorbuches der einen von ihnen, der Gemeinde Pfersee, bei allen wissenschaftlich Interessierten den Wunsch nach Mehr erweckten. Daruni wird die vorliegende, fast lückenlose Geschichte der Friedhöfe dreier dieser Gemeinden gewiß gute Aufnahme finden. 1627 legen die Juden in Kriegshaher mit Bewilligung des burgauischen Oberamtes gegen den Protest der Ortsvorsteher ihren Friedhof an. Vergebens kämpft auch das Augsburger Domkapitel dagegen. 1722 wird der Friedhot erweitert und ein Wachthäuschen errichtet. Auch dagegen kämpften die Ortsbehörden, Domkapitel und Rat der Stadt Augsburg, die nicht ruhig ansehen können, wie die Juden sich vermehren und ohne ihre Erlaubnis ein Wachthaus errichten. Dessen ungeachtet wird das Wachthaus errichtet, dann aber gegen alle Weisungen des Oberamtes von den Gegnern gewaltsam demoliert. An diese Demolierung knüpft ein langwieriger Prozeß an, dessen Akten ein dickleibiger Band aus dem Jahre 1731 enthält, die Juden erhalten ihr Wachthaus wieder, das unter militärischer Assistenz errichtet wird, sie müssen dafür aber von jedem Todesfall eine Abgabe von 4 Gulden zahlen. Um den Geldpunkt drehten sich von allem Anfange an die Verhandlungen bei der Anlage des Friedhofes in Binswangen. Die Juden besitzen wohl ein Grundstück, die christliche Gemeinde verlangt aber für das Begräbnisrecht eine einmalige Summe von 150 Gulden oder für jeden Todesfall 2 Gulden; man einigt sich auf 1 Gulden für den Todesfall. Nach jahrelangem ungestörtem Besitze müssen die Juden 1639 die Ansprüche eines gräflichen Grundherren mit 22 Reichstalern abfinden; dieser Erfolg läßt die Donauwörther Reichs- Almosenpflege nicht schlafen, der der Zehnt von jedem Grundstück zusteht, und die noch im selben Jahre für die verflossenen 26 Jahre wie für jedes folgende 2\)> Metzen Roggen als Abgabe verlangt. Die Juden geben für die verflossenen Jahre die Hälfte und verpflichten sich für die Zukunft, die Abgabe zu entrichten. Auch die Stadtgerneinde will den Judenfriedhof fruktifizieren, sie verlangt das auf dem Friedhof wachsende Gras, und wieder zahlen die Juden — freilich erst 1803 — 60 Gulden als Abfindung für diesen Anspruch und 2 Reichstaler als Leihkauf zum Vertrinken"; der Pfarrer endlich muß für jede Leiche, die am Pfarrhof vorbeigetragen wird, einen silbernen Löffel bekommen. Und dabei waren die Juden Buttenwiesens so arm, daß sie viele ihrer Grabsteine aus Holz errichten mußten, ein Grund für das Fehlen alter Grabsteine. Ein treffliches Zeugnis stellt den Juden die „Instruktion über eines jeweiligen Juden-Cassiers der .Vlarkgrafschaft Burgau [ELT — Nr. 15 Amtsverricht" aus, die den Judenkassier anweist, keinen Juden, auch keinen mittellosen, vor Bezahlung vom 4 /Gulden beerdigen zu lassen, „massen die übrige Judenschaft jeden orths ohne weiteres viel ehender und lieber die 4 fl. zusammentragen und erlegen wird, ehe daß sie zugeben sollten, daß ein todter Cörper durch den Wasenmeister auf dem Schindanger gebracht und eingescharrt werden würde." 1730 wird der Friedhof erweitert, darf aber nicht umzäunt werden, weil die Stadt Wertingen Anspruch darauf erhebt, ihr Vieh auf dem' Judenfriedhof weiden zu lassen. Erst 1763 gelingt es den Binswanger Juden unter außerordentlichen finanziellen Anstrengungen, eine Mauer zu errichten. Lamm gibt seinem Buche einen Anhang bei, der die wichtigsten Dokumente für die Geschichte der drei Friedhöfe enthält. Er hat viel Fleiß und Liebe an seine Arbeit gewendet, wie sie nur ein Sohn dieser alten Kehilloth aufzubringen vermag. Hoffentlich halten sich die folgenden Teile seiner Beiträge auf derselben Höhe. Prag. S. H. Lieben. * Palästina, iVlonatsschrift für die Erschließung Palästinas. IX. Jahrg., 1912. Die beiden uns vorliegenden Nummern der von unseren Wiener Freunden Dr. Müller und Böhm herausgegebenen Zeitschrift bieten wieder so viel wertvolles Material, daß wir auch heute wieder unseren Gesinnungsgenossen zum Abonnement dieser wohlfeilen Zeitschrift dringend raten möchten. Ihr Hauptvorzug liegt in der geschickten Aneinanderreihung fachwissenschaftlicher und populärer Darstellungen aus allen Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in Palästina. Die beiden Hauptarbeiten in den genannten Nummern sind die von Pickholz und Sandler. Dr. Pickholz macht einige „Vorschläge zur Förderung der Landwirtschaft in Palästina", beschränkt sich aber dabei auf solche, die mit relativ geringen Mitteln durchführbar sind und von vornherein Erfolg versprechen. Es wurde ja schon mehrfach, zuletzt von Prof. Warburg, auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, die kleine Bauernwirtschaft in Palästina rentabler zu gestalten. Von Pickholz' Vorschlägen erwähnen wir: Die Gründung einer landwirtschaftlichen Einkaufsstelle, besonders für den unentbehrlichen Kunstdünger, die Gründung von Genossenschaften zum Entleihen von Dreschmaschinen, die Schaffung landwirtschaftlicher Versuchsvereine (neben der Versuchsstation — analog dem in allen Kulturländern geübten System), die Hebung^ der noch äußerst rückständigen Methoden des Getreidebaues durch die Versuchsvereine, durch Schaffung eines Inspektorats, Studium der Absatz- und Marktverhältnisse, Subventionierung der Haltung von gutrassigen, männlichen Zuchttieren usf. Dr. Sandler behandelt in zwei Artikeln „die Bedeutung der Olivenkultur". Im ersten entwirft er ein» Bild von der wirtschaftlichen und kulturhistorischen Bedeutung des Oelbaums für die Mittelmeerländer und zeigt in längeren Ausführungen, wie die Oelbaumkultur zu allen Zeiten den Grundpfeiler der Wirtschaft ganzer Mittelmeervölker bildete, und daß dieser Fruchtbaum trotz der geringen Pflege, die er meist erfährt, eine ungewöhnliche Verdichtung der Bevölkerung herbeizuführen vermag. Im zweiten Artikel schildert er die Verbreitung und Bedeutung der Oelbaumkultur im alten und modernen Syrien und Palästina. Er schreibt dieser Kultur im wiedererwachenden Palästina eine geradezu vitale Bedeutung zu. Zahlreiche kleinere Arbeiten, Berichte, eine Erzählung bilden den weiteren Inhalt der Hefte. Von besonderem Wert sind die ausführlichen Bücherbesprechungen und die Inhaltsangaben von uns interessierenden Aufsätzen aus verschiedenen Zeitschriften. Die Lektüre von „Palästina" ist für jeden Zionisten die unentbehrliche Ergänzung zur Lektüre der Parteiblätter, da sich letztere naturgemäß mit der eigentlichen Palästinakunde nur ausnahmsweise zu beschäftigen in der Lage sind. A. Büchereinlauf Palästina-Handbuch. Von Davis Trietsch. Dritte Auflage. 1912. Jüdischer Verlag, Berlin W. 15. Palästina als Judenland. Von Dr. Elias Auerbach, Haifa (Palästina). Herausgegeben vom Aktionskomitee der zionistischen Organisation. In Kommission beim Jüdischen Verlag, Berlin und Leipzig. 1912.