Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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.~r<tr*™-ir . 7-r«>T^w^*^W?'^Mt'^^^ 448 DIEEqKELT: Nr. 15 Scherif Djaffar Pascha in Jaffa Nationalfonds-Sammlungen Heute ist hier Scherif Djaffar Pascha, der Bruder des Scheriis von Mekka, mit anderen hohen Würdenträgern und mehreren ehemaligen Deputierten eingetroffen. Eine Delegation ist jetzt auf einer Reise durch Syrien begriffen. In Jaffa wurden die Gäste von fast der gesamten muslimischen Bevölkerung begrüßt. Tausende von Arabern füllten die Straßen. Von jüdischer Seite begab sich der Chachambachi Ben-Zion Usiel in Begleitung einiger angesehener Sefardim in die Wohnung des Scherifs, um ihn im Namen der Juden zu begrüßen. Djaffar Pascha empfing die jüdische Abordnung in sehr liebenswürdiger Weise. Die palästinensischen Musikschulen Ueber und aus Palästina wird jetzt viel geschrieben. Ob aber das jüdische Palästina dem Leser dadurch näher rückt, erscheint mitunter recht fragwürdig. Zumeist sind es recht nützliche statistische Erhebungen über Dunamzahlen, Ernteergebnisse, Mandel-, Oliven- und Orangenpflanzungen, jemenitische Siedlungen, Versuche mit dem Rizinusbaum usw. Lauter nützliche Angelegenheiten der täglichen Notdurft. Nur schade, daß sie vom geistigen Wachstum so wenig künden. In den folgenden Zeilen will ich kurz und schlicht von den palästinensischen Musikschulen berichten. Sie sind, soweit es sich übersehen läßt, die ersten im Orient überhaupt: Von Konstantinopel bis Kairo. Dieser Umstand allein besagt bereits, daß ihre Begründung keine leichte Sache war. in der Tat: Ohne die rastlose, zielbewußte Arbeit von Frau Dr. R u p p i n , der Leiterin dieser Schulen, wäre es auch schwerlich geglückt. Aber es lohnte der Mühe. Es ist nun dem Musikstudium in Palästina eine Stätte errichtet, die bleiben wird. Besonders in Jaffa ist der Segen sichtbar, wo erst vor anderthalb Jahren die Schule begründet wurde. Sie wurde mit 40 Schülern eröffnet. Heute zählt sie bereits über 80 ineist zahlende Schüler und Schülerinnen. Zirka 50 für Klavier, 2i für Violine, 5 für Blasinstrumente usw. Das Schulgeld, das regelmäßig einfließt, wird im laufenden Jahre ca. 8000 10 000 Eres, betragen. Aber es gibt auch Freischüler und auch einige, die ein Stipendium von der Schule erhalten. Die öffentlichen Schülerübungsabende, die neulich in Jaffa stattgefunden haben, zeigten, daß viel ersprießliche Arbeit in den anderthalb Jahren geleistet wurde. Die Lehrer, die durchweg an europäischen Konservatorien, wie Moskau, St. Petersburg, Wien, Berlin, Paris diplomiert wurden, arbeiten mit Liebe und Hingabe an ihrer Autgabe. Nur schade, daß Frau Ruppin, die 1907 einen ,,Leitfaden der Stimmbildung'4 herausgab und eine besondere Begabung für Unterweisung in Gesang hat, bis jetzt auf ihrem eigentlichen Gebiete noch nicht recht zur Betätigung kam. Und doch gibt es in Osteuropa allenthalben ungemein Begabte, die der Unterweisung bedürfen. Auch in Jerusalem wurde vor einem halben Jahre unter Leitung von Frau Ruppin eine Musikschule begründet, für die unsere Moskauer Zionsfreunde die erforderliche Subvention gezeichnet haben. Die Jaffaer Schule hat in Herrn Rabinersohn-Kiew einen generösen Freund gefunden. Krokodiltränen des „Carmel" Der Redakteur des „Carmel" vergießt bittere Tränen über den Undank der palästinensischen Bürger, die ihm für seine Tütigkeit nicht die gebührende Anerkennung zollen. Ein amerikanischer Freund hat ihm geschrieben, daß er mit seiner journalistischen Begabung in Amerika in kurzer Zeit reich werden könnte. Es sei wirklich schade, daß dieses große Talent im kleinen Palästina verkommt und sich nur mit kleinem Verdienst begnügen müßte. Als ich, klagt der Carmel wehmütig, meine Uebersetzung über den Zionismus aus der Jewish Encyclopedia einem sachverständigen Manne vorgezeigt habe, riet er mir, dieselbe in mindestens 10 000 Exemplaren herauszugeben. Ein anderer hat mir die Abnahme von 5000 Exemplaren versichert. Ich habe aber nur 1000 gedruckt und doch ist mehr als die Hälfte noch unverkauft, trotz des geringen Preises (50 Centimes pro Stück). Die Carmelliteratur ist also doch kein einträgliches Geschäft. Es ist bereits wiederholt darauf hingewiesen worden, daß der Nationalfonds sich wachsender Sympathien in Palästina erfreut. Dies kommt vor allem in der materiellen Förderung durch Spenden zulm Ausdruck, deren sich nicht viele Institutionen hier rühmen können. Bemerkenswert war auch die Mithilfe der Kolonien bei Errichtung der Arbeiterhäuser durch den Nationalfonds. Am wohltuendsten berührt jedoch der Eifer, mit dein unsere studierende Jugend sich für den Nationalfonds einsetzt. So wurden auf dem Purimfest in Tel Awiw durch die Schüler des hebräischen Gymnasiums zirka 110 Frs. für den Nationalfonds aufgebracht, wobei sich besonders der Leiter des Pensionats des Hebräischen Gymnasiums, Herr M. Ledere r, verdient gemacht hat. In Rischon-le-Zion und Tel Awiw ist der Beschluß gefaßt worden, den unlängst verstorbenen Lehrer und treuen Freund des Nationalfonds, Herrn Witkin, in das Goldene Buch einzutragen, wofür bereits der Betrag von 145 Frs. aufgebracht ist. Ein besonderes Komitee hat sich jüngst gebildet, um Elieser Ben Jehuda, den Verfasser des Millon, der im vorigen Jahre sein 30 jähriges Schriftsteiler-Jubiläum gefeiert hat, als einen der ersten in den neuen Band des Goldenen Buches einzutragen. Aus diesem Anlaß veröffentlicht der Schriftsteller K. L. Silmann einen warmen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: ,,Zur Zeit des 30jährigen Jubiläums Elieser Ben Jehudas wurde von einigen der Gedanke angeregt, seinen Namen in unserem Goldenen Buch zu verzeichnen. Wir sagten uns: Ben Jehuda war der erste Erneuerer unserer Sprache, mit seiner Tätigkeit begann für sie die Epoche ihrer Auferstehung, ihrer Neubelebung, begann für uns alle die Verwirklichung eines herrlichen Ideais, — da soll nun der Nanit dieser markanten, epochemachenden Persönlichkeit im Goldenen Buch der Kämpfer, die für die volle Realisierung jenes Ideals eintreten, für alle Zeiten verewigt sein. Es wurden damals in Jerusalem zirka 150 Frs. gezeichnet, von denen 63 Frs. bereits eingezahlt wurden. Es ergeht nun jetzt der Ruf an alle Freunde der hebräischen Sprache, sich an dieser Ehrung Ben Jehudas zu beteiligen. Möge unsere Dankbarkeit, die wir alle für ihn hegen, durch eine schöne Tat zum Ausdruck kommen!" In Palästina hat dieser Appell Anklang gefunden und es ist kein Zweifel, daß auch außerhalb Palästinas viele Freunde des Hebräischen sich Mühe geben werden, um Ben Jehuda einen Platz unter den ersten zehn Eintragungen des neuen Goldenen Buches zu sichern. Eine neue landwirtschaftliche Zeitung in Palästina Vom März d. J. ab erscheint in Jaffa unter dem Titel „Hachaklai" (Der Landmann) eine neue landwirtschaft liehe Fachzeitschrift in hebräischer Sprache, die zunächsi monatlich erscheinen wird, späterhin aber voraussichtlich in ein Wochenblatt umgewandelt werden soll. Leiter und Heraus geber der neuen Zeitschrift sind die Agronomen Dr. M Zagorodsky und J. Wilkansky. Eine Stiftung des Herrn Nathan Strauss In den letzten Wochen bereiste Herr Nathan Strauss au New York — Bruder des früheren Botschafters Oskar Strauss Palästina und informierte sich eingehend über die jüdische Kolonisationsbestrebungen. Insbesondere wandte er sein Intei esse den Gesundheitsverhältnissen des Landes zu und stellt* der unter Leitung des Herrn Aaronsohn stehenden landwin schaftlichen Versuchsstation Atlit die Mittel zur Verfügung um ein „H e a 11 h - B u r e a u" (Gesundheitsabtei lung) zur planmäßigen Bekämpfung der M a laria und der anderen endemischen Krankheiten Palästina zu schaffen. Zum Leiter dieses Bureaus wurde Herr Dr. Wilheln Brünn in Chederah berufen, wo das Bureau vorläufi: stationiert ist. Es wird seine Tätigkeit am 1. August diese Jahres aufnehmen. Adresse: HealrrnBureau of the Jewish Agriculture Ev periment Station, Chederah via Jaffa.