Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 13-14 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316528--55847-3349676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 13 DIE^ELT 41 |°^~ NACHRICHTEN Alliance IsraSlite Universelle Nachdem die dem deutschen Landeskomitee angeschlossenen Lokalkomitees die Wahlen zum Präsidium vollzogen hatten, ist das deutsche Landeskomitee in der am 24. März in Berlin abgehaltenen Sitzung konstituiert worden. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Herr Justizrat Max Fuchs- Berlin, zu Stellvertretern die Herren Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Landau- Berlin und Rabbiner Dr. Werner- München, zu Beisitzern die Herren Rabbiner Dr. K o p f s t e i n- Beuthen, Rechtsanwalt Dr. Apfel-Köln, Hermann Wittner-Leipzig und Justizrat W o 1 f f - Lissa gewählt. Die Versammlung nahm von dem seitens des Zentralkomitees in Paris verbreiteten Rundschreiben Kenntnis und stellte einstimmig fest, daß die von Paris in dem Zirkular vom 12. März aufgestellten Behauptungen unrichtig und Statuten w i d r i g seien. Die Satzungen des deutschen Landeskomitees verstießen keineswegs gegen die allgemeinen Vlliance-Satzungen, und das Zentralkomitee in Paris habe keinerlei Recht, den Lokalkomitees oder Mitgliedern, die sich dem Landeskomitee anschließen, den Ausschluß anzudrohen. Ein Ausschluß aus der Alliance kann nach den Statuten nur diejenigen treffen, die sich nicht mehr würdig zeigen, Alliance - mitglieder zu sein; daß aber Lokalkomitees und Mitglieder sich darum unwürdig erweisen, weil sie sich auf satzungsgemäßer Grundlage zu einer Landesorganisation (Comite regional) zusammenschließen, wird wohl niemand behaupten wollen. Die Tagung des deutschen Landeskomitees tritt deshalb derartigen irreführenden Behauptungen der Pariser Leitung mit aller Entschiedenheit entgegen. Die Versammlung beschloß ferner, in eine intensive Propaganda für die Alliance unter Darlegung der Verhältnisse einzutreten, um den Mitgliederbestand in Deutschland weiter zu stärken. Der Vorstand wird mit den erforderlichen Maßnahmen beauftragt. Das Bureau des deutschen Landeskomitees wird nunmehr unter Leitung des Herrn Redakteur Lazarus ils Geschäftsführers in Berlin errichtet werden. Zuschriften ind vorläufig an die Adresse des Vorsitzenden, Herrn Justizat Fuchs, Berlin, Potsdamer Str. 13, Geldsendungen ausschließlich an das Bankhaus A. H. Heymanii C o., Berlin, Unter den Linden 59, auf Konto des Schatzneisters des deutschen Landeskomitees der A. I. LI., Herrn iideon Heymann, zu richten. Dem deutschen Landeskomitee haben sich bisher 121 ' okalkomitees und Ortsgruppen mit über 7000 Mitgliedern ■ ngesehlossen. Weitere Beitrittserklärungen nimmt das Bureau -der der Vorsitzende entgegen. Gegen den Ritualmord-Wahn Das Berliner Tageblatt' veröffentlicht folgende Kundthung, die von einer großen Anzahl bekannter Persönlichsten aus Deutschland und Oesterreich unterzeichnet ist. Am 12. März 1911 wurde der Knabe Andrej e w J u s t - 'hinski in Kiew ermordet. Sein Mörder wurde trotz ■eler Bemühungen bisher in zweifelsfreier Weise nicht entdeckt, hließlich ist ein Jude als Täter verhaftet worden, und die ntersuchung gegen ihn schwebt. Ob dieser Jude der Mörder ist, darüber können wir nicht ncilen. Es wäre unstatthaft, einem schwebenden Rechtsver- ■'Uren vorzugreifen, noch dazu, wenn es in einem fremden! 'ate anhängig ist. Eins aber zwingt uns in unserem Gewissen, zu jenen 'rgängen in Kiew Stellung zu nehmen. Die Agitation der Straße hat diesen Vorfall gierig aufgriffen und behauptet dreist, der Knabe Justschinski sei von Juden abgeschlachtet, um ihm sein Blut abzuzapfen, und um dieses Blut gemäß einem angeblichen jüdischen Religionsgesetze für rituelle Zwecke zu verwenden. Dieser gewissenlos in das Volk getragene Wahn hat vom Mittelalter an bis in die neueste Zeit immer wieder entsetzliche Folgen hervorgerufen. Er hat die ungebildete Volksmasse zu grausamen Judenmassakers verführt und irregeführte Scharen haben sich durch diesen Wahn mit dem unschuldigen Blut ihrer Mitmenschen besudelt. Und doch ist niemals für die Berechtigung dieses Wahnglaubens auch müder Schatten eines Beweises erbracht worden. Die angesehensten christlichen Kenner des jüdischen Schrifttums haben einwandfrei nachgewiesen, daß zu keiner Zeit die Juden durch ihre Religion zum Morde ihrer Mitmenschen angestiftet wurden. -Wir halten es für die Pflicht eines jeden, dem der sittliche Fortschritt der Menschen am Herzen liegt, gegen solchen traurigen Aberwitz die Stimme zu erheben. Wir schließen uns damit dem Warnruf der angesehensten russischen Gelehrten, Schriftsteller und Künstler an in dem Bewußtsein, daß solche Warnung an keine Grenzpfähle gebunden ist. Sie muß Herzenssache der gesamten Kulturwelt sein. Unter den Unterzeichneten befinden sich zahlreiche bekannte Gelehrte, Abgeordnete, Geistliche, Schriftsteller und Künstler. Palästina-Reisegesellschaft Am Sonntag, den 7. April, vormittags 11 Uhr, findet im Bureau des Kgl. Notars Dr. Victor, Hamburg-Wandsbek, Lübecker Str. 26, die Gene r a 1 v e r s a m m 1 u n g der Palästina-Reise-Gesellschaft statt, in welcher u. a. event. die erstmalige Verlosung stattfinden wird. Unter Hinweis auf den in Nr. 12 der „Welt" erschienenen Artikel von Dr. Heinrich Loewe „Sehnsucht nach Zion" und die früheren Publikationen bitten wir die Gesinnungsgenossen nunmehr, umgehend ihren Beitritt unter Einsendung des Mitgliedsbeitrages zu erklären. Bank-Konto: M. M. Warburg Co., Hamburg. A. H. Heymann lk Co., Berlin. Palästina R e i s e - G e s e 11 s c h a f t e. V. in Ha m b u r g. Der g e s c h ä f t s f ü hrende Aussen u ß. I. A.: Dr. C h w o I 1 e s , Schriftführer Hamburg-Bahrenfeld, Mozartstr. 34. Die Parteiblätter werden freundlichst um Nachdruck gebeten. Die künstlichen Düngemittel in Palästina In Palästina werden erst seit zwei Jahren künstliche Düngemittel angewandt, auch seitens der jüdischen Kolonisten, besonders in den Orangen- und Mandelgärten. Früher bezog man arabischen Dünger, d. h. kompostierten oder getrockneten Stallmist aus den umliegenden Dörfern. Diese Quelle ist aber ziemlich erschöpft. Die allgemein übliche Ackerkultur ist sehr rückständig und extensiv, nach dem System der Eingeborenen ist der Boden ganz besonders vernachlässigt und ausgesogen. Wie ein Bericht von Fr. Keller, dem Leiter der Ackerbauschule Wilhelma bei Jaffa zeigt, sind diese Böden außerordentlich empfänglieh für rationelle Anwendung von Kunstdünger. Die Ergebnisse von 20 Düngungsversuchen zu Gerste der genannten Schule von diesem' Jahre beweisen dies, denn es wurde dabei eine Rentabilität bis zu 263 Frs. pro Hektar erzielt. Kleinasien, Syrien, Nordafrika, wo früher weite Gebiete zu den fruchtbarsten Kulturgegenden gerechnet wurden, Gebiete, die leider durch Jahrhunderte alte Mißwirtschaft und die politischen Wirren völlig verwahrlost sind, gehen einer großen wirtschaftlichen Zukunft mit der Hilfe ' der Kunstdünger entgegen, sowie einmal energisch die Riesenaufgabe ihrer Kultivierung angefaßt und durchgeführt wird. Wir wissen, daß man mit Hilfe der künstlichen Düngemittel, also mit Kalisalzen, Thomasmehl, Chilisalpeter, die Erträge enonr steigern, verdoppeln, ja sogar verdreifachen kann. Man kann also hoffen, daß das Kali und die anderen Düngemittel die Land- und Gartenwirtschaft Palästinas in eine neue Epoche bringen werden. Schluß des redaktionellen Teiles